Heft 263 August 2012
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Rheinhessen

Kräuterhöfe und Kräuterwanderungen in Rheinhessen

Da ist viel Kraut gewachsen


Siefersheimer Kräueterhexen
Christine Moebus von den Siefersheimer Kräueterhexen (Mitte) gibt ihr Wissen über Kräuter gerne an Interessierte weiter.

Sie duften betörend, können aus einfachen Gerichten echte Gaumenfreuden zaubern und darüber hinaus zu Heilzwecken verwendet werden. Kräuter sind wahre Alleskönner - und stehen oftmals unbeachtet am Wegesrand. Entdeckt werden können sie bei einem Ausflug in rheinhessische Kräuterhöfe und bei Kräuterwanderungen.

Die Siefersheimerinnen Karin Mannsdörfer, Martina Schmitt und Christine Moebus bezeichnen sich selbst als Kräuterhexen und geben ihr Wissen und ihre Leidenschaft für Brennnesseln, Salbei, Löwenzahn und Co gerne weiter. Jeden ersten Sonntag im Monat bieten sie eine Kräuterwanderung rund um Siefersheim an.

Hier erhalten Interessierte einen Einblick in die Welt der heimischen Kräuter und erfahren allerlei Wissenswertes über die rheinhessische Schweiz: »Die Gegend rund um Siefersheim ist wirklich sehr besonders. Es gibt Pflanzen und Tiere, die es sonst in Rheinhessen nicht zu sehen gibt, zum Beispiel Heidekraut«, so Karin Mannsdörfer.

Außerdem finden sich hier allerlei magische Orte, berichtet sie: »Es gibt viele Stellen, die schon von den Kelten als Opferplätze genutzt wurden. So ein Ort hat auf jeden Fall etwas Außergewöhnliches. Und eignet sich sehr gut zum Kräutersammeln«, lacht sie. Im August bietet sich hierzu eine ganz besondere Gelegenheit, dann wird nämlich der sogenannte Werzwisch gepflückt: »Der Werzwisch ist ein Kräuterstrauß, der immer aus mindestens sieben Kräutern bestehen muss«, erläutert sie.

Ein heidnischer Brauch


Der Brauch, im August Kräutersträuße zu pflücken, ist eigentlich ein heidnischer, wurde aber von der katholischen Kirche adaptiert und auf den 15. August, Maria Himmelfahrt, festgelegt. Diese Sträuße wurden dann geweiht und in den Häusern aufgehängt: »Viele glaubten, der Strauß helfe im Winter gegen Gewitter und verhindert ein Einschlagen des Blitzes«, meint Mannsdörfer und fügt hinzu: »Man kann das Ganze auch praktisch sehen: Dann hat man im Winter immer Kräuter für einen Tee im Haus.« Und der hilft bekanntlich gegen raue Hälse und verschnupfte Nasen. Was viele jedoch nicht wissen: Löwenzahn ist gut bei Gallen- und Leberproblemen und die Brennnessel hilft gegen Rheuma.

Besonders freut sich Mannsdörfer wenn sie ihren Besuchern diese »Wunder« näher bringen, ihnen die Augen für das vermeintliche Unkraut am Wegesrand öffnen kann: »Viele Teilnehmer bei den Kräuterwanderungen kommen aus der Stadt und einige erzählen mir sie seien nach der Wanderung in Siefersheim mit ganz anderen Augen durch die Stadt gelaufen und waren erstaunt wie viele Kräuter auch dort wachsen.«

Wer dennoch beim Kräuter entdecken die Stadt hinter sich lassen möchte, sollte einen Ausflug nach Worms-Abenheim machen: Dort wartet der Kräutergarten des Weinguts Lösch auf Besucher. Diese sollten sich aber telefonisch ankündigen, sonst stehen sie vor verschlossenen Türen. Angelegt ist der Garten wie ein Pilgerweg in Miniaturformat erläutert Winzer Christoph Lösch: »Pilgerwege bestehen immer aus drei Ebenen, die Geburt, Leben und Tod symbolisieren. So haben wir auch diesen Garten aufgebaut.«

Im ersten Abschnitt wächst Mutterkraut oder Maria Bettstreu: »Diese Kräuter wurden früher tatsächlich ins Wöchnerinnenbett gelegt«, weiß Lösch. Die Idee den Kräutergarten als Pilgerweg mit den dazugehörigen Lebensstationen zu gestalten kam nicht von ungefähr, immerhin ist das Weingut auch eine der Stempelstellen des Jakobspilgerwegs.

All das erläutert Lösch seinen Besuchern gerne, wer möchte kann seinen Besuch im Kräutergarten auch zum fünfstündigen Event ausdehnen: »Wir bieten ein Rundumprogramm: Sektempfang in der Scheune, Führung durch den Kräutergarten mit anschließender Kräuterwanderung im Weinberg und 5-Gang-Kräutermenü zum Abschluss.« Die Kosten für diese Komplettversorgung belaufen sich auf 68 Euro pro Person.

y Wer sich indes nur in Kräutergärten entspannen möchte sollte einen Abstecher nach Flomborn ins Weingut Bernhard-Räder machen, hier gibt es Kräuter für alle Sinne. Nicht nur schmecken und riechen ist im weitläufigen Bauerngarten angesagt, auch tasten und fühlen ist erlaubt - vorzugsweise barfuß. Und damit die Ohren nicht zu kurz kommen, hat Ulla Bernhard-Räder Klangspiele im Kräutergarten platziert.

Neben der Kräuterecke präsentiert sich in der Gartenanlage des Weinguts allerdings ein zweites Kleinod der Entspannung: Ein Bachblütengarten, der mit seinen 38 Bachblütengewächsen zum Flanieren und Entspannen einlädt. »Kräuter für die Seele«, nennt Ulla Bernhard-Räder diesen Teil des Gartens und knüpft damit an den Therapieansatz mit Bachblüten an, der besagt: Ist die Seele nicht gesund, kann der Körper nicht heilen.

Ein Ort der Entspannung findet sich auch im Kneippkräutergarten des Weinguts Bauer in Bechenheim. Entspannung vom Alltag bieten hier nicht nur die vielen Kräuterbeete, sondern auch ein eigens angelegter Barfußpfad.

Katrin Henrich

Info:
www.kraeuterhoefe.de
www.kraeuter-hexen.de