Heft 263 August 2012
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Haushaltshilfen

Angemessene Bezahlung und ein gutes Gewissen?

Schwarzarbeit nein Danke!


 Hauhaltshilfe aus Polen
Wladislawa Macarz, genannt »Wuatscha«, die Hauhaltshilfe aus Polen (r.) ist ein Glücksfall für Margit Brühmann (li.) und ihre Mutter - und ein legaler dazu.

»Ach, da ist doch nichts dabei, das machen doch alle so.«

Ob schwarz zu arbeiten ein »Kavaliersdelikt« ist, steht hier nicht zur Debatte. Dem Staat und den Sozialkassen Steuern und Beiträge vorzuenthalten ist jedenfalls auch im Bereich »Haushaltshilfen« weit verbreitet.

»Günstige und fleißige Helferinnen sorgen sich rund um die Uhr um Ihre Angehörigen.« Ein verlockendes Versprechen. Zu finden über das Suchwort »Haushaltshilfe« auf vielen Webseiten. Gemeint sind hier allerdings nicht nur Frauen, die putzen, waschen, bügeln. Vielmehr gefragt ist deren Bereitschaft, 24 Stunden am Tag zur Verfügung zu stehen. Um betreuungs- oder sogar pflegebedürftige Menschen zu versorgen.

Der Markt der Vermittlung von Haushaltshilfen und Pflegepersonal aus Osteuropa ist »grau«. Seit einem Jahr gilt auch in Deutschland die vollständige Arbeitnehmerfreizügigkeit. Angehörige aus Polen, Lettland und anderen, in 2004 der EU beigetretenen Ländern, können legal in Deutschland arbeiten. Experten gehen allerdings davon aus, dass der allergrößte Teil der »Haushaltshilfen« aus diesen Staaten keinerlei Steuern und Beiträge hier abführen, also »schwarz« arbeiten.

Es sind meist Notsituationen, in denen von jetzt auf gleich eine Rundumbetreuung organisiert werden muss. Dann spielen Bedenken, dass 800 oder 1000 Euro für sieben Arbeitstage a mindestens zwölf Stunden, kein »angemessener« Lohn ist ebenso wenig eine Rolle, wie die Frage, wer bezahlt den Arztbesuch, wenn die Haushaltshilfe stürzt?

Den Markt legalisieren


»Wir wollten eine legale Hilfe, das war von Anfang an klar«, sagt Margit Brühmann und stellt »die Perle des Hauses« vor: Wladislawa Macarz. Seit vier Monaten lebt die zierliche 59-Jährige Polin im Haus der Mainzer Familie und sorgt mit ihrer Fröhlichkeit für viel Gelächter.

Dabei ist die Anwesenheit von »Wuatscha«, wie sie liebevoll genannt wird, eine ernste Angelegenheit. Margit Brühmanns Mutter ist krank: Demenz, Angstzustände, ungewohntes, neues erschrickt sie, macht sie unruhig. Nachts geistert sie bisweilen durchs Haus - und trifft dabei manchmal auf Woatscha. In der Küche, an der Keksdose. Die beiden verspeisen dann ein paar Plätzchen und wenn ihnen danach ist, singen sie ein Lied zusammen. Mitten in der Nacht.

Woatscha hat sich auf die Bedürfnisse der 82-Jährigen eingestellt und organisiert den gemeinsamen Tagesablauf entsprechend. Dazu gehört es auch, die Vögel im Garten zu beobachten und spazieren zu gehen.

Vermittelt wurde »Woatscha« von Pia Koch. Sie bringt bei der Nieder-Olmer »Service- und Vermittlungsagentur osteuropäischer Hilfen im Haushalt« Betreuungsbedürftige mit Hilfskräften zusammen. Seit Mai letzen Jahres hat die Krankenschwester und Pflegepädagogin 25 Polinnen in Haushalte rund um Nieder-Olm vermittelt - und begleitet.

»Wir erkunden mit einem Erhebungsbogen, welcher Bedarf besteht, schauen uns die Gegebenheiten vor Ort an, unterstützen bei der Abwicklung der Formalitäten, klären Probleme mit Arbeitszeiten und Freizeitregelungen und unsere polnische Kollegin in Oppeln hilft per Telefon auch bei Verständigungsproblemen.«

»Es geht darum, diesen Markt zu legalisieren, den Haushaltshilfen ein normales Beschäftigungsverhältnis zu gewährleisten«, sagt Kochs Kollegin Daniela Eis. Sie ist für die Abwicklung des Projektes zuständig, auch für die Kontakte zur polnischen Partnerorganisation in Oppeln.

Angesiedelt ist das Projekt bei der GFAmbH, einer hundertprozentigen Tochtergesellschaft des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Landesverband Rheinland-Pfalz/Saarland e. V. in Nieder-Olm.

Hinter dieser Agentur steht ein Modellprojekt des Ministeriums für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie in Rheinland-Pfalz. 120.000 Euro stellt das Ministerium zwei Jahre lang für die Vermittlung von polnischen Haushaltshilfen in sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse zur Verfügung.

SoS

Infos:
Das Bruttogehalt für eine von der GFAmbH vermittelte Haushaltshilfe beträgt 1.850 Euro, darin enthalten sind Beiträge für die Berufsgenossenschaft, der Arbeitgeberanteil für die Sozialversicherungen. Kost und Logis gehen extra, in der Regel wohnt die Haushaltshilfe im Haus, andernfalls zahlt der Arbeitgeber die Unterkunft. Die Arbeitszeit beträgt 38,5 Stunden pro Woche - sie können über die gesamte Woche verteilt werden, ein freier Tag in der Woche ist üblich und 30 Tage bezahlter Urlaub. Die Frauen sind keine examinierten Pflegekräfte und dürfen keine Behandlungspflege erbringen.

Kontakt:
Daniela Eis, Tel. 06704-96210102, daniela.eis@gfambh.com
Pia Koch, Tel. 06136-7664670, pia.koch@gfambh.com
www.gfambh.com