Heft 263 August 2012
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Flüchtlinge

Flüchtlingsaufnahme in Mainz

Mit Toleranz und Verständnis


Behrouz Asadi
Behrouz Asadi und sein Team betreuen die Flüchtlinge psychosozial und kümmern sich um die Belegung in den Unterkünften.

Kriege, Krisen, Naturkatastrophen - die Gründe für Vertreibung und Flucht sind Phänomene mit weltweiter Auswirkung. Dem 'Global Trends'-Report des UN-Flüchtlingshilfswerks zufolge, verließen im letzten Jahr insgesamt 42,5 Millionen Menschen ihre Heimatregion.

Die meisten Flüchtlinge kommen aus Afghanistan, gefolgt vom Irak, Somalia und der Demokratischen Republik Kongo. Rund vier Fünftel aller Flüchtlinge bleiben in den Nachbarländern etwa in Pakistan, Iran, Kenia und im Tschad. In Südafrika wurden in 2011 wie auch in den letzten vier Jahren die meisten Asylanträge gestellt.

Im Vergleich der Industrieländer zeigt sich, dass in Deutschland die Mehrheit der Flüchtlinge lebt, um die sich vor allem die Kommunen kümmern - so auch Mainz. »Flüchtlinge werden uns von der Aufnahmeeinrichtung in Trier zugewiesen.

Das geht in der Regel mit einer Frist von 14 Tagen vor sich, danach wissen wir das genaue Datum, wann die Menschen bei uns ankommen. Im Vorfeld werden die Unterkunft und die Betreuungsorganisation darüber informiert, welche Personen kommen, in welcher Anzahl und woher sie kommen«, erklärt Ralf Scheib, Abteilungsleiter für Allgemeine Hilfen im Amt für Soziale Leistungen.

Wie viele Menschen Mainz aufnehmen muss, sei grundsätzlich abhängig von den Gesamtflüchtlingen, die nach Deutschland kämen. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge bestimmt jedes Jahr aufs Neue die Aufnahmequote für die einzelnen Bundesländer, ausschlaggebend dafür sind deren Steuereinnahmen und die Bevölkerungszahl. Die Länder wiederum legen eine Quote für ihre Gebietskörperschaften, die Kreise und Kommunen, fest.

In diesem Jahr liegt der Prozentanteil für Rheinland-Pfalz bei 4,8 Prozent, davon entfallen auf Mainz 4,6 Prozent. Das entspricht dem Anteil an Einwohnern, den die Landeshauptstadt an Rheinland-Pfalz hat. Scheib erläutert: »Die zunächst angenommene Zahl von umgerechnet 120 Personen beruht auf einer Hochrechnung, da niemand genau weiß, wie viel Menschen Zuflucht in Deutschland suchen werden.

Inzwischen hat sich die Anzahl auf 110 reduziert, was sich aber jederzeit ändern kann.« Es gebe Tendenzen und Zeiten, in denen aus bestimmten Ländern mehr Menschen kommen als aus anderen. Derzeit sind dies vor allem Afghanistan, Iran, Irak, das ehemalige Jugoslawien, Syrien und Nordafrika.

Finanziert wird die Versorgung und Unterbringung der Flüchtlinge je nach Status, sagt der Abteilungsleiter: »Es gibt so genannte abrechungsfähige Flüchtlinge, dass sind diejenigen, die sich im Asylverfahren befinden und für die die Stadt 312 Euro pro Person im Monat vom Land erhält. Das deckt aber nicht unbedingt unsere Kosten.«

Wird der Asylantrag des Flüchtlings abgelehnt, ändert sich dessen Status von Aufenthaltsgestattung in Duldung, und die Kommune trägt spätestens ab drei Jahren nach der Ablehnung die Kosten allein. Derzeit werden 75 Personen in solch einer Situation unterstützt.

Sozialen Frieden gestalten


Flüchtlinge Drei Häuser stellt Mainz für die Unterbringung von Flüchtlingen bereit. Zu den Einrichtungen in Bretzenheim und Zahlbach kam Anfang Mai das Dependance-Gebäude der Berufsbildenden Schule III (BBS III) im Stadtteil Hartenberg/Münchfeld hinzu. Obwohl 77 Personen darin Platz hätten, bewohnen es momentan nur 32, von denen mehr als die Hälfte Kinder und Jugendliche unter 25 Jahre sind.

Um die psychosoziale Betreuung der 182 Flüchtlinge in den drei Unterkünften kümmert sich im Auftrag der Stadt seit 1990 das Malteser Hilfswerk. Behrouz Asadi und sein Team arbeiten mit Augenmerk auf die Herkunft der Menschen und das, was sie erlebt haben: » Als Erstes versuchen wir, traumatisierte Personen mit Allgemeinärzten zusammen zu bringen, mit denen sie sich in ihrer Sprache verständigen können. Danach werden sie bei Bedarf zum Psychologen oder Psychotherapeuten überwiesen.«

Bei der Belegung der Räume werde nach Geschlechtern getrennt, außerdem auf Kultur, Glaube wie Nationalität geachtet und Familien besonders berücksichtigt, damit diese ein Zimmer für sich bekämen. Zugleich sind die Bewohner aufgefordert, selbst aktiv zu sein, alle Räumlichkeiten zu putzen und sich eigenständig zu versorgen, wofür ihnen Geld nach dem Asylleistungsgesetz zur Verfügung steht.

Jeden Tag findet Deutschunterricht im Gemeinschaftsraum statt, an dem viele teilnehmen würden, erzählt der Diplom-Sozialpädagoge, der aus dem Iran stammt. »Der Kurs dient aber nicht nur der Kommunikation und dazu, Zeit miteinander zu verbringen, sondern die Sprache ist die Brücke und das Tor zur Gesellschaft.«

Das Verhältnis zu den Anwohnern ist Asadi ebenfalls ein wichtiges Anliegen: »Zum einen versuchen wir den sozialen Frieden innerhalb der Gemeinschaft in der Unterkunft zu gestalten und zu organisieren. Zum anderen wollen wir draußen Toleranz und Verständnis für die Situation der Flüchtlinge erreichen.«

Zum Willkommensfest, an dem Sozialdezernenten Kurt Merkator und die Ortsvorsteherin teilgenommen hätten, seien sehr viele Anwohner gekommen und mittlerweile habe es sich im gesamten Stadtteil herumgesprochen, dass es diese Einrichtung gebe. »Inzwischen unterstützen uns Ehrenamtliche aus der Nachbarschaft und täglich erreichen uns Anrufe von Menschen, die uns materielle Hilfeleistung anbieten.«

KH