Heft 263 August 2012
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Spenden

Nicht nur in den Sommerferien:

Blut - das kostbare Gewebe


Transfusionszentrale
Die Sommerferien wirken sich auch auf die Spendesituation in der Transfusionszentrale aus.

Es transportiert Sauerstoff durch unseren Körper, dient der Abwehr von Krankheitserregern und reguliert die Körperwärme, doch trotz intensiver Forschung lässt es sich noch immer nicht künstlich erzeugen. Die Rede ist von Blut. Fünf bis sechs Liter des Gewebes tragen wir in uns.

Diese eher unbekannte Bezeichnung resultiert aus der Zusammensetzung des Blutes aus den Zelltypen rote (Erythrozyten) und weiße Blutkörperchen (Leukozyten), den Blutplättchen (Thrombozyten) sowie der flüssigen Substanz Plasma. Dass Blut Leben retten kann, ist vielen Menschen bewusst, dass aber ein ständig hoher Bedarf bei den Blutbanken besteht, eventuell nicht.

Insbesondere in den Sommermonaten herrschen in Transfusionszentralen wie in jener der Mainzer Universitätsmedizin große Betriebsamkeit - und zwar am Telefon. »Wir rufen jetzt regelmäßig Spender an, denn wegen der Urlaubszeit merken wir einen deutlichen Spendenrückgang«, sagt Diplom-Biologe Stefan Runkel. »Es werden zwar das ganz Jahr über Anrufe getätigt, aber in den Ferien aufgrund der Situation mehr.« Ungefähr 40.000 Spender sind in der Kartei der Blutbank registriert, davon zwei Drittel Männer.

Hinweis:

Die Mainzer Transfusionszentrale weist darauf hin, dass nur bei einem Blutspendedienst gespendet werden darf, um körperliche Schäden zu vermeiden. Zudem ist sie verpflichtet, sich von allen Spendern einen amtlichen Ausweis oder den Spenderausweis zeigen zu lassen. Für das Spenden von Blut erhält man als Aufwandsentschädigung 27,50 Euro, für Thrombozyten gibt es das Doppelte. Männern darf sechs Mal, Frauen vier Mal im Jahr Blut entnommen werden. Mit der Spende bietet die Zentrale den kostenlosen Check-Up für Leber-, Nieren und Blutfettwerte an, der beim Arzt als Individuelle Gesundheitsleistung (IGel) berechnet wird.

Wer darf spenden?


Mit insgesamt 80.000 Vollblut- und 12.000 Thrombozytenspenden pro Jahr und 120 Mitarbeitern gehört die Mainzer Transfusionszentrale, die 1954 von Professor Anny Arndt-Hanser gegründet wurde, zu einer der größten in Deutschland. Dem Gerücht, dass insbesondere Spender seltener Blutgruppen gesucht werden, widerspricht Runkel deutlich: »Es ist genau umgekehrt. Die Blutgruppen, die es besonders häufig gibt, werden immer dringend gebraucht.« Aus diesem Grund sei die Sommerzeit eine schwierige Phase, denn die konstante Nachfrage nach diesen Blutgruppen bestehe schließlich weiter.

Die wichtigsten Gruppensysteme sind das AB0-System und Rhesussystem, die sich jeweils an einem bestimmten Antigen orientieren, deshalb gibt es vier verschiedene Hauptgruppen: A, B, AB und 0. Das Rhesussystem unterscheidet zwischen positiv und negativ, dabei bedeutet Rh+, dass auf den Blutzellen ein bestimmtes Antigen vorkommt, bei RH- besitzen Personen dieses Antigen nicht.

Blut spenden dürfen Personen im Alter von 18 bis 68 Jahren, die mehr als 50 Kilogramm wiegen. Wer älter als 60 ist und zum ersten Mal spenden möchte, kann dies nur nach Rücksprache mit einem Arzt.

Anhand eines Fragebogens, in dem beispielsweise Reisen in exotische Länder und die Einnahme von Medikamenten vermerkt werden, und einer kurzen Untersuchung führen die Ärzte der Transfusionszentrale die Anamnese durch, um die Blutspendetauglichkeit einer Person zu beurteilen. Dies geschieht grundsätzlich vor jeder Blutentnahme, auch bei Dauerspendern.

Für Patienten der Region


Schmitt
Während des einstündigen Apherese-Verfahren wird Spendern Thrombozyten und Plasma entnommen.

Man wolle so die gesundheitlichen Probleme sowohl für den Spender als auch für den Patienten, der das Blut erhält, minimieren, erklärt der Leiter der Qualitätskontrolle Runkel: »Das Risiko, sich jedoch bei einer Spende mit HIV zu infizieren liegt deutschlandweit bei eins zu zehn Millionen.« Dasselbe gelte für Hepatitis C. Zusätzlich wird jedes Blut vor und nach der Spende auf HIV (AIDS), Hepatitis B und C sowie Syphilis getestet bevor es in den Spendenkreislauf geht.

Doch das aus der Vene entnommene Vollblut findet selten als solches Verwendung. In den meisten Fällen wird es durch Zentrifugieren in seine Bestandteile getrennt, die für bestimmte Zwecke eingesetzt werden. So erhalten in der Hauptsache Krebspatienten die wundverschließenden und blutgerinnenden Thrombozyten und die für die Sauerstoffversorgung aller Organe wichtigen Erythrozyten.

Bei Organtransplantationen, Sportverletzungen und Unfällen sind vor allem das Plasma mit seinen Nährstoffen und Gerinnungsfaktoren sowie Erythrozyten entscheidend. Diese drei Zellsubstanzen können ebenfalls gezielt in einem speziellen, meist einstündigen Blutspendeverfahren, der Apherese, gewonnen werden.

Während die eine Hälfte der gesamten Spenden an der Mainzer Universitätsmedizin verbleibt, wird die andere an Krankenhäuser in Rheinhessen und Wiesbaden verteilt. »Wenn man bei uns Blut spendet, dann versorgt man die Patienten aus der Region«, bemerkt Runkel. Plasma hingegen, das am Blutvolumen etwa 55 Prozent ausmacht und von dem es oft »einen Überschuss« gibt, geht an die verarbeitende Industrie, die daraus Gerinnungsfaktoren für etwa Bluter herstellt.

KH

Weitere Informationen:
Tel. 06131/17-3216
www.transfusionszentralemainz.de