Heft 262 Juli 2012
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Studieren

Balanceakt zwischen Kind und Studium

Windeln wechseln & Prüfungen schreiben


Alexandra Gutmann mit Tochter Katharina
Alexandra Gutmann mit Tochter Katharina. Wenn man Kind und Studium unter einen Hut bringen will, muss man sich gut organisieren, weiß Gutmann.

Kind und Beruf unter einen Hut zu kriegen ist eine Doppelbelastung, die ein hohes Maß an Organisation und Disziplin erfordert. Ähnlich verhält es sich mit dem Versuch, Kind und Studium miteinander in Einklang zu bringen.

Alexandra Gutmann, Chemiestudentin und Mutter einer zweijährigen Tochter kann das nur bestätigen: »Wenn man ehrlich ist, ist es eigentlich fast unmöglich ordentlich zu studieren und dabei ein Kind großzuziehen«, meint sie. Vorlesungen, Praktika im Chemielabor, Kindererziehung und Haushalt, manchmal frage sie sich, wie sie alles meistern soll. »Man macht eben immer weiter und hofft, dass es irgendwann einfacher wird«, fasst sie ihre Situation zusammen. Dabei hat sie noch Glück gehabt, sagt sie: »Meine Tochter hat einen Betreuungsplatz in der damals neu eröffneten Kita Campulino bekommen. Da kann sie jeden Tag bis 18 Uhr betreut werden.«

Keine Sonderbehandlung


Was sich nach einer langen Betreuungszeit anhört wird von der Realität der Stundenpläne aber oftmals relativiert: »Viele meiner Veranstaltungen gehen bis 20 Uhr. Diese kann ich dann natürlich nicht besuchen«, muss Gutmann Abstriche machen und fügt hinzu: »Mir ist klar, dass ich keine Sonderbehandlung bekommen kann, ich muss ja das gleiche Pensum schaffen, wie alle anderen auch. Da ich neben dem Studium noch Zeit mit meiner Tochter verbringen möchte, dauert halt das Studium länger.

Aber manchmal habe ich auch einfach das Gefühl, es ist nicht vorgesehen, während des Studiums Kinder zu bekommen«, fasst sie zusammen und erinnert sich der vielen Klippen, die es seit ihrer Schwangerschaft und der Geburt von Tochter Katharina zu umschiffen galt: »Da wir in unseren Chemie-Praktika direkten Kontakt mit Chemikalien haben, durfte ich ab dem Zeitpunkt meiner Schwangerschaft nicht mehr im Labor arbeiten.

Das hat vieles verzögert und ich konnte einen Großteil meiner Scheine nicht machen.« Heute bezeichnet Gutmann diese Zeit als verlorene Semester, zumal sie auch in der Stillzeit nicht im Labor arbeiten durfte. »Ich hätte mich in dieser Zeit beurlauben lassen können. Das hätte sogar den Vorteil gehabt, dass ich zur finanziellen Unterstützung Arbeitslosengeld bekommen hätte«, räumt sie ein.

Allerdings: »Hätte ich mich beurlauben lassen, wäre ich nicht mehr immatrikuliert gewesen. Und wer nicht immatrikuliert ist, kann sich nicht für einen Betreuungsplatz an einem der Uni Kindergärten bewerben.« Heute ist sie froh, dass sie kein Urlaubssemester eingeschoben hat: »Wer weiß, ob ich sonst einen Platz in der Kita bekommen hätte.« Betreuungsplätze sind auf dem Campus heiß begehrt: Zwar stehen Kindern von Studierenden und Beschäftigten der Universität insgesamt 259 Plätze auf dem Unigelände zur Ver­fügung, diese reichen aber nicht aus, um den Bedarf zu decken.

Zuschüsse beantragen


Das weiß auch Stefanie Schmidberger vom Familienservice-Büro der Uni Mainz und versucht zu helfen: »Für all diejenigen, die auch außerhalb des Unigeländes vergeblich nach einem Krippen- oder Kindergartenplatz suchen, besteht die Möglichkeit das Familienkrippen-Netz in Anspruch zu nehmen«, rät Schmidberger.

Dahinter verbirgt sich eine Tagesmütter-Vermittlung mit deren Hilfe bis zu 20 Betreuungsstunden in der Woche abgedeckt werden können. Unentgeltlich ist das nicht, aber da Studierende oft über geringe bis keine Einkommen verfügen, können Sie einen Zuschuss von bis zu 50% der Kosten beim Familienservice-Büro beantragen.

»Darüber hinaus kann auch beim Jugendamt noch ein Antrag auf Tagespflegegeld gestellt werden.« Einziger Knackpunkt: Die Kosten für eine Betreuung durch eine Tagesmutter, die sich pro Betreuungsstunde auf 5,50 Euro belaufen, müssen zunächst von den Studierenden vorgestreckt werden. Etwaige Zuschüsse werden erst nach dem Bezahlen der Rechnung zurückerstattet.

Die Frage nach einer ausreichenden Finanzierung des Studiums mit Kind brennt vielen Betroffenen unter den Nägeln. Zuschussmöglichkeiten gibt es, u.a. ein Stipendium der Uni Mainz, das alleinerziehende Studierende in der Endphase ihres Studiums mit 1.000 Euro unterstützt. Alternativ kann auch Mutterschafts- und Elterngeld in Anspruch genommen werden.

»Aber«, kritisiert Gutmann, »von vielen dieser Möglichkeiten erfährt man nur durch Hörensagen.« So z.B., dass Studierenden die Bezuschussung einer Baby-Erstausstattung in Höhe von 1.000 Euro zusteht: »Ich hatte das Gefühl, der Sachbearbeiter auf dem entsprechenden Amt habe davon zum ersten Mal gehört.

Die Situation während des Studiums Mutter zu werden und alle Probleme die damit verbunden sind, sind bei vielen Ämtern noch nicht angekommen.« Im Endeffekt behielt sie Recht und konnte sich mit Babybett, Wickeltisch und Co. ausstatten. Generell wünscht sie sich aber diesbezüglich eine strukturiertere Beratung.

Katrin Henrich

www.familienservice.uni-mainz.de