Heft 262 Juli 2012
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Mogunzius

Mogunzius, Stadtschreiber DES MAINZERs

Plötzlich hagelte es für die jüngste Dezernentin Kritik


Wer am Herd steht, muss Hitze vertragen können. Das gilt auch für alle, die sich politisch engagieren - erst recht im Mainzer Rathaus. Und so erwischte es jetzt die in Amtszeit und Lebensalter gerechnet jüngste Dezernentin, dass sich die Debatten um sie wahnsinnig schnell erhitzten. Katrin Eder von den Grünen war bisher als Umweltdezernentin eher zurückhaltend, doch jetzt muss sie urplötzlich größte Nehmerqualitäten beweisen. Gleich mit drei Themen geriet sie zur "Buhfrau" des Mainzer Stadtvorstands: Erst jubelte sie, was das Zeug hält, dass Mainz demnächst wie schon Frankfurt zur Umweltzone wird. Was natürlich alle auf die Palme brachte, die jetzt ihren Fuhrpark aufrüsten oder gar erneuern müssen. Und Handwerker, die in die Stadt fahren müssen, sind ohnehin schon genug angefressen, weil sich die Verkehrssituation in und rund um Mainz in den letzten Jahren verschärft hat. Was nicht automatisch ein Plädoyer für die Umweltzone wäre: Denn viele erinnern sich noch daran, dass in der Parcusstraße der Feinstaub interessanterweise beim Besuch des US-Präsidenten Bush, in der die Stadt und vor allem der Autoverkehr still stand, gemessen wurde. Mit dem kuriosen Ergebnis: erhöhte Werte ohne Autoverkehr. Nicht jede Umweltschutz-Initiative ist einfach zu erklären - oft schlägt die Realität ganz andere Kapriolen.

Weniger Jubel stimmte die gescholtene Dezernentin über die Mainzer Brunnen an, wovon sie den meisten einfach das Wasser abdrehte. Kostengründe hätten sie dazu genötigt, war ihre dünne Argumentation, zu der sie noch nachschob, demnächst vielleicht mit Hilfe von Sponsoren das Mainzer Brunnenwasser wieder sprudeln zu lassen. Schlechte Begründung, schlechte Kommunikation - sogleich gab es von den Ortsvorstehern verbale Schelte der besonderen Art. Und ein Fastnachtsclub sprang sofort auf das Pferd und stiftete sozusagen das Wasser für den Ballplatz-Brunnen - generös!

Feder Klar ist, dass schon vor Monaten die Suche potenzieller Geldgeber hätte starten müssen. Mitten im Sommer die Klinken bei möglichen Sponsoren zu putzen, ist viel zu spät. Aber wenigstens Günter Beck als Bürgermeister und prominentester Mainzer Grünen-Politiker sprang Katrin Eder zur Seite und versuchte sie aus der Schusslinie zu nehmen.

Aber genau in die bugsierte sich die Beigeordnete gleich selbst wieder hinein. Sie ließ sich - wie nicht anders zu erwarten - auf dem Grünen-Parteitag feiern, was das neue Fahrradverleihsystem in der Stadt angeht. Logisch - ein Herzensthema der Grünen, wenn momentan fast 4200 aktive Radler in der City von der Aktion motiviert werden, die das Verleihsystem mit den markanten Orange-farbenen Rädern nutzen. So schön, so gut. Doch im Blick auf den weiteren Ausbau packte die Dezernentin vor der Heimkulisse ihrer Partei die Keule aus und kündigte lakonisch an, für neue Stellplätze der Leihräder würden in der Innenstadt Parkplätze weg fallen. "Kfz-Parkplätze" ergänzte die Grünen-Politikerin noch scharf und süffisant - eine absolut überflüssige Scharfmacherei, die nur alte politische Grabenkämpfe schürt.

Bleibt nur noch darauf zu warten, bis wieder die leidige Altdiskussion um die Außenbewirtschaftung in den Altstadtkneipen im Sommer aus der politischen Mottenkiste hervorgekramt wird.

Die Ampel aus SPD, FDP und Grünen schwieg sich erwartungsgemäß über den Eder-Fauxpas aus, doch hinter vorgehaltener Hand staunte mancher über die politische Brechtstange, mit der die selbstbewussten Grünen hier hantierten. Sollte die CDU in Mainz mal wieder an Stärke und Inhalt gewinnen, kann sie solche Steilvorlagen zu herrlichen Debatten nutzen und Argumente präsentieren, die im Gegensatz zu den Mainzer Brunnen sprudeln.

Mogunzius