Heft 262 Juli 2012
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Mainzer Köpfe

Ludwig Jantzer plant:

Programme mit »Farbe« und Mehrwehrt


y Es war einmal: Das Zeltfestival. Es ist: Summer in the City. Der Macher ist derselbe. »Ein gutes Kulturprogramm ist per se immer ein Gewinn, auch wenn einzelne Veranstaltungen nicht genügend Gewinn abwerfen«, ist Ludwig Jantzer überzeugt. Der Leiter des Frankfurter Hofs will die Vielseitigkeit des kulturellen Angebots seines Hauses auf längere Sicht erhalten.

Beruf und Freizeit auseinander zu dividieren, ist im Leben von Ludwig Jantzer schwierig. Das liegt weniger daran, dass er ohne Arbeit nicht leben könnte. Es hängt mehr mit seinen Interessen und Fähigkeiten zusammen: Er mag Musik und Kultur, hat ein gutes Händchen im Umgang mit sensiblen Künstlernaturen und organisatorisches Geschick, seine Sicht auf die finanziellen Gegebenheiten ist realistisch. Der Programmplanung des Frankfurter Hofs, die Jantzer verantwortet, bekommt das gut.

Geboren ist der 57-Jährige in Hargesheim bei Bad Kreuznach: »Das ist auch der Geburtsort von Jockel Fuchs«, sagt er. Ja, SPD-Mitglied sei er auch, bekennt er eine weitere Gemeinsamkeit mit dem ehemaligen Mainzer OB.

Wichtig fürs Lebensgefühl


Studiert hat Ludwig Jantzer, nach einer kaufmännischen Ausbildung, an der FH in Wiesbaden Sozialpädagogik. In Mainz arbeitete er schon während des Studiums beim Jugendamt, organisierte unter anderem mit Günter Beck ein »Open Ohr«, jobbte außerdem in einer Konzertagentur: »Interessant, diese Pionierjahre im Veranstaltungsbereich. Musik hatte damals ein unglaublich wichtige Bedeutung für das gesamte Lebensgefühl.«

Längst sind von Santana und Al Jarreau bis Manfred Man und Bob Dylan ein beträchtlicher Teil der damaligen Musikidole auf Mainzer Bühnen aufgetreten, einige immer wieder - er habe sich manchen musikalischen Jugendtraum erfüllt, lächelt Jantzer verschmitzt. The Who, die fehlen noch, ebenso Keith Jarrett und Elton John - wobei der allergrößte Teil seiner Arbeit bestehe darin, Aktuelles und Neues auf die Büh­ne zu bringen, stellt Jantzer klar.

Seit 1991 ist Ludwig Jantzer Leiter des Frankfurter Hofs, zuvor war er als Jugendpfleger u.a. auch für die Kulturarbeit zuständig, organisierte Auftritte von Bands - keine schlechte Voraussetzung für die Aufgaben als Programmplaner.

»Wir sind als Kultureinrichtung etabliert, die großen, publikumsträchtigen Veranstaltungen sorgen auch für die Auslastung unserer anderen Angebote - allein im Frankfurter Hof sind es 170 pro Jahr.« Mit einer 40-Stunden-Woche ist das allerdings nicht getan, zumal die entscheidenden Stunden, so sagt er, oft die nach den Konzerten sind. Der Chef des Frankfurter Hofs muss den Damen und Herren zwar nicht aus den Kostümen helfen. Aber nach dem jeweiligen Auftritt, beim gemeinsamen Essen ist oft die beste Gelegenheit, Kontakte zu intensivieren. Damit die Größen der Weltmusik und Jazzszene gerne wieder kommen.

Seit die Kulturabteilung Frankfurter Hof mit der »Congress Centrale Mainz« in der »mainzplus

CITYMARKETING GmbH« zusam­men­gefasst wurde, stehen dem Programmplaner neben dem Frankfurter Hof noch Rheingoldhalle und Schloss als Veranstaltungsorte zur Verfügung. Außerdem werden bei Bedarf die Phönixhalle angemietet oder die Alte Oper in Frankfurt.

Eine richtig große Veranstaltungshalle gibt es in Mainz aber nicht, deshalb wählte Jantzer für entsprechende Konzerte den Weg »ins Freie«: 1997 fand das erste »Zeltfestival« statt: »Wir hatten gute Kontakte auch zu Künstlern und zu Bands, die problemlos große Hallen füllen können, die wollten wir nutzen.«

Das gilt mittlerweile für den Zeltfestival-Nachfolger »Summer in the City« und für die Megaevents auf dem Messegelände: »Green Day, vor zwei Jahren mit 25.000 Besuchern, das war eine echte Herausforderung«, sagt Jantzer. »Ähnlich die Nordmole im ehemaligen Zollhafen, da passen zwar nur 8.000 Besucher hin, aber die entsprechende Infrastruktur auf die Beine zu stellen, ist auch nicht ohne.« Bis 2016 läuft dort der Mietvertrag mit den Stadtwerken, vorerst.

Die Mischung machts


Eine wichtige »Farbe« im Kultur­programm ist aus Jantzers Sicht die Präsentation fremder Kulturen, die oft in Zusammenarbeit mit den ansässigen Vereinen und mit dem Ausländerbeirat auf die Büh­ne kommen. Dazu noch die Lesungen mit dem Literaturbüro, Klassik-Konzerte mit dem SWR, Kabarett und Comedians mit dem »unterhaus«. »Wir haben all die Jahre fast immer im Rahmen unseres Budgets gearbeitet, gute Mischkalkulationen und langjährige Erfahrungen, welche Künstler die Säle in Mainz füllten und welche nicht, sind dabei nützlich.«

Hilfreich sei auch, meint Jantzer, dass es in Wiesbaden keine vergleichbaren Veranstaltungsangebote gebe, mangels entsprechender Halle: »Die interessierten Wiesbadener müssen eben nach Mainz kommen.« Aber nicht nur die kommen gerne, die eher intime Atmosphäre im nicht riesiggroßen Frankfurter Hof schätzten Gäste aus dem gesamten Rhein-Main-Gebiet und auch aus dem Ruhrpott.

Mit Blick auf das Ende seiner Berufslaufbahn, das mit 57 Jahren durchaus in Reichweite liegt, meint Ludwig Janzter, in der verbleibenden Zeit wolle er sich auch noch um die Nachfolge kümmern. Damit die guten Kontakte zu den Künstlern nicht versandeten, das Programm weiterhin »farbenprächtig« bleibe: »Dazu gehört auch, den Standpunkt, dass Kultur Mehrwert schafft, der sich nicht nur in Euro und Cent ausdrückt, vertreten und durchhalten zu können.«

SoS