Heft 262 Juli 2012
Werbung




Willigis

Der Begründer des »Goldenen Mainz«

Erzbischof Willigis


Willigis
Der Begründer des »Goldenen Mainz«: Erzbischof Willigis (*um 940, ✝ 1011)

»Kennen Sie den Mainzer Erzbischof Willigis?« Bei dieser Frage verweisen nach wie vor viele Mainzerinnen und Mainzer zunächst auf das Wappen der Stadt. Der - schon lange widerlegten - Legende nach, soll er Sohn einer einfachen Wagner-Familie gewesen sein und das Rad - dem nase­rümpfenden Adel zum Trotz - als Zeichen seiner Abstammung in das Wappen aufgenommen haben. Der um das Jahr 940 geborene Willigis war zwar höchstwahrscheinlich nicht-adliger Herkunft, hatte aber in Bischof Volkold von Meißen einen sehr guten Mentor durch den er von Jugend an eine ausgezeichnete Bildung genoss.

Der Bauherr


In Mainz verbindet man seinen Namen meist noch mit dem Bau des Doms (»Willigis-Dom«) - der am Tag der Einweihung 1009 schon wieder abbrannte und dessen Neubau der Erzbischof nicht mehr erleben konnte. Schon etwas unbekannter ist, dass er auch die Kirche des Stifts St. Stephan (die heutige Stephanskirche) erbauen ließ. Dort wurde er am 23. Februar 1011 auch begraben.

Zu den weiteren, von ihm geplanten und durchgeführten Projekten zählen die Domschule und das Stift St. Viktor vor Mainz. Sein bekanntestes profanes Bauwerk ist die Drususbrücke über die Nahe bei Bingen.

Das »Goldene Mainz« entsteht


Doch Willigis war für Mainz noch viel mehr als »nur« der Bauherr von zwei zentralen Kirchen: Er legte durch sein Verhandlungsgeschick und eigene große finanzielle Investitionen die Grundlage für die zukünftige Macht des »Goldenen Mainz«.

Voraussetzung dafür war seine Arbeit für die Ottonen: Er war Kanzler unter Otto I. und Otto II. und Vormund Ottos III. - eine Rolle, die ihm den nötigen Einfluss verschaffte. Diesen nutzte er dann konsequent für »sein« Mainz aus. Bereits bei seiner Weihe 975 hatte er erwirkt, dass das Amt des Erzkanzlers auf Dauer mit dem Erzbistum Mainz verbunden blieb.

983 nahm Willigis am Reichstag Ottos II. in Verona teil. Hier erhielt er vom Kaiser die sogenannte »Veroneser Schenkung«, die große Landzuweisungen an das Mainzer Erzbistum beinhaltete - darunter fast den gesamten Rheingau und umfangreiche linksrheinische Gebiete zwischen Ingelheim und Kaub sowie beiderseits der Nahe. Das heutige Rheinhessen wurde damit auf Dauer an die Großstadt gebunden und eines der Kernländer von Kurmainz.

Das Benna-Kreuz


Aus seiner Tätigkeit am Hofe, speziell als Mit-Regent, erhielt Willigis bis an sein Lebensende sehr hohe Tributzahlungen, die er größtenteils seinem Bistum zukommen ließ. Aus Teilen dieser Einnahmen ließ er um das Jahr 1000 das sogenannte »Benna-Kreuz« herstellen. Es wurde die Basis des Mainzer Staatsschatzes. Alleine der Corpus Christi des überlebensgroßen Triumphkreuzes soll aus über 600 Pfund puren Goldes bestanden haben. Er war so konstruiert, dass man einzelne Teile, bei Geldnot, abnehmen konnte. (Davon machten Wiiligis' Nachfolger später regen Gebrauch - bereits im 13. Jahrhundert verliert sich die Spur des Kreuzes: der Goldvorrat war wohl aufgebraucht.)

Mit der von Willigis eingeleiteten Politik konnte Mainz die mit ihm konkurrierenden Erzbistümer Trier und Koblenz leicht übertrumpfen und eine Machtstellung erreichen, die es zu einer der wichtigsten Städte des christlichen Abendlandes machte - und seinen Erzbischof zum zweiten Mann der Christenheit - hinter dem Papst.

(-mdl-)