Heft 261 Juni 2012
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Layenhof

20 Jahre warten auf den Masterplan

Statt Abriss viele Wünsche und Hoffnungen


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»Der Streit um dieses Gebäude war unser Aufhänger, um mit den Verantwortlichen in den Dialog zu kommen«, erklärt Alexander Chatzigeorgiou. »Wir mussten den übrigen Layenhöfern etwas geben, das sie kennen, um sie zur Mitarbeit zu bewegen. Jetzt wollen wir konstruktiv mit den Entscheidern zusammenarbeiten, um aus dem Layenhof etwas einzigartig Schönes und Gutes zu machen!«

Die Wünsche und Hoffnungen auf dem Layenhof sind genauso zahlreich wie die Quadratmeter Land, auf denen die kleine Siedlung am Rande von Mainz-Finthen steht. Ganz so viel sind es wahrscheinlich nicht, immerhin gehören zum Layenhof rund 140 Hektar, sprich 1,4 Millionen m². Trotzdem hat jeder Bewohner, Benutzer oder Betroffener eine eigene Meinung, eigene Ansprüche, eigene Träume. Manches lässt sich zwar auf einen Nenner bringen, wenn man einfach alle, die mit dem Layenhof zu tun haben, kategorisiert, trotzdem bleibt immer noch ein ganzer Wust an Begierden. Die Künstler wollen ausreichend Platz und Licht, die Musiker bezahlbare Proberäume, die Bewohner Ruhe und Freiheit, die Kinder Spiel und Spaß, das Gewerbe Sicherheit und Entfaltungsmöglichkeiten, die Natur will wahrscheinlich ihren Frieden, der Luftfahrtverein will mehr Flugbewegungen, der Eigentümer vertreten durch den Zweckverband Layenhof/Münchwald will Ordnung, .

Seit Anfang des Jahres streitet man sich in aller Öffentlichkeit und auch im Geheimen darüber, was mit dem Konver­sions­gelände passieren soll. Immer wieder stehen Meldungen in den Tageszeitungen, dass dieses oder jenes Gebäude auf dem Layenhof abgerissen werden soll, Menschen tun ihre Angst vor einem Rausschmiss kund oder Wirtschaftlichkeit wird gegen Menschlichkeit abgewogen. Wie kommt's? Der Layenhof wird schon seit 20 Jahren von Mainzern bewohnt, beschallt, beflogen, bemalt, begrünt, bespaßt und bewirtschaftet.

Bunt und frei


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Im ungenutzten Keller der Schule für Clowns sprießt der Schimmel, das gesamte Gebäude soll abgerissen werden.

Als die Amerikaner 1993 vom Layenhof abgezogen waren, ging die Zeit der Träume los. Schon mit der Übergabe des Geländes an das Bundesvermögensamt (BVA) sollte es einen echten Masterplan geben. Der Layenhof sollte 10.000 Menschen beherbergen, sollte einen Mix aus Wohn- und Gewerbefläche beinhalten, sollte alles bieten, was Mensch braucht und wünscht, sollte mit einer Gedenkstätte an die Außenstelle der KZ Hinzert erinnern, sollte, sollte, sollte, . Stattdessen wohnen heute circa 450 Menschen auf dem Layenhof, 700 Musiker proben in den alten Gemäuern, hier und da hat sich Gewerbe angesiedelt, der Flugplatz hat vor 30 Jahren den Papst empfangen, es fährt nur ein Bus alle Stunde, man kann Kart fahren und lernen, wie man ein guter Clown wird.

Das Leben auf dem Layenhof ist bunt und frei. Auch jetzt noch, nachdem das Gelände im Dezember 2008 an den Zweckverband überging. Der besteht aus acht Mainzer- und vier Wackernheimer Politikern - ein Teil des Geländes liegt nämlich auf Wackernheimer Gemarkung. Treuhänder des Zweckverbandes ist die Grundstücksverwaltungsgesellschaft der Stadt Mainz (GVG), an deren Spitze Geschäftsführer Franz Ringhoffer und Prokurist Ferdinand Graffé stehen. Ringhoffer ist übrigens auch Geschäftsführer der Mainzer Aufbaugesellschaft und ehemaliger Wirtschaftsdezernent der Stadt. »Als wir 2008 den Layenhof gekauft haben, wollten wir das Gelände erst mal sichern«, erklärt Ringhoffer. »Manches war wirklich in Wildwest-Manier: Mieter, die keine Miete zahlten, Bewohner ohne Mietverträge, Lagerräume, die als Wohnungen genutzt wurden, Strom- und Gas-Diebstahl. Seit zwei Jahren arbeiten wir das auf, was die BVA lange hat schleifen lassen. Und wir sind noch nicht fertig.« Genau das macht den Layenhöfern Angst.

Zweifel am Gutachten


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Auch das Gebäude 5819, in dem heute noch das Jugendzentrum des Lionshof e.V. beheimatet ist, soll abgerissen werden. Trotz Bitten und Protesten der Verantwortlichen Oliver Haara und Andreas Müller (hintere Reihe, 3. und 4. v.li.), ist die Kündigung inzwischen offiziell. Wo die Jugendlichen dann hin sollen ist nicht klar.

Bei einer Sitzung des Zweckverbandes im November 2011 wurde ein Projektdatenkatalog vorgelegt, der Basis eines weiteren Masterplans werden sollte. Darin enthalten sind Zustandsberichte eines jeden Gebäudes mit Empfehlungen für die Zukunft. In vielen Spalten steht entweder »Abriss beschlossen« oder »Zum Abriss vorgesehen« - darunter die europaweit bekannte Schule für Clowns, Häuser voller Bandräume, der ehemalige Kiosk, das Jugendzentrum Lionshof e.V., ...

Die angegebenen Gründe sind unterschiedlich: marode Bausubstanz, Schimmel, unzureichende Statik, Asbest. Genau das sehen die Layenhöfer nicht ein und zweifeln das Gutachten an. »Ein Beispiel: das Gebäude 5803, in dem sich die Clownsschule, befindet ist nicht komplett von Schimmel befallen«, erklärt Alexander Chatzigeorgiou, Diplom-Jurist, Mediator und einziger Eigentümer auf dem Layenhof. »Wir haben ein weiteres Gutachten erstellen lassen, in dem klargemacht wird, dass sich zwar im Keller viel Schimmel befindet, in den benutzen Räumen oben allerdings nicht mehr als in jedem anderen alten Gebäude.« Der Profi-Streiter und Profi-Schlichter versteht nicht, wie die Kommission auf ihre Ergebnisse kommt. »Unserer Meinung nach muss das alles noch einmal überprüft werden.« Dem schließen sich auch viele der anderen Layenhöfer an. Sie verstehen nicht, wieso fast 20 Jahre lang nichts getan wurde und plötzlich alles im Schnellverfahren erledigt werden soll.

Alle wollen bleiben


»Als Layenhöfer ist man leiden gewöhnt«, klagt Jürgen Sauer. Trotzdem will keiner weg - das merkt man auch bei der ersten Planungswerkstatt Mitte Mai. Neben Polit-Prominenz wie Oberbürgermeister Michael Ebling, Wirtschaftsdezernent Christopher Sitte, der Wackernheimer Ortsbürgermeisterin Sybille Vogt, GVG-Chef Ringhoffer, Ortsvorsteher Herbert Schäfer, ÖDP-Stadtrat Dr. Claudius Moseler und Linke-Stadtrat Dieter Hofem, selbst Layenhöfer, kamen auch ganz normale Betroffene, zum Beispiel Wolfgang Schäfer von der Interessengemeinschaft Layenhof, die einfach wissen wollten, welche Pläne der Zweckverband mit ihrer Heimat hat. Ziel des Tages war, die Wünsche und Hoffnung der Layenhöfer auf Papier zu bannen. Da es derer viele gibt, wird es noch einige weitere Planungswerkstätten geben. Und danach einen weiteren Masterplan.

Daniela Tratschitt