Heft 260 Mai 2012
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Rheinhessen

Ausflug nach Worms

Eine Zeitreise ins Mittelalter


Sagenumwoben und geschichtsträchtig - Worms ist eine Reise wert, und zwar nicht nur wenn die Nibelungenfestspiele tausende von Besuchern in die Stadt locken. Denn neben den Legenden um Siegfried, Hagen und Brunhild lädt die Stadt das ganze Jahr über zu Entdeckungstouren in die Vergangenheit ein.

Die Kelten sollen die ersten gewesen sein, die das schöne Fleckchen am Rhein für sich entdeckt haben. Es folgten Römer, Merowinger, Franken und Salier und hinterließen ihre Spuren in der Stadt. Insgesamt blickt Worms somit auf eine Geschichte von über 2.000 Jahren zurück. Eine Tatsache, die die Stadt am Rhein mit der alten Römerstadt Trier in Konkurrenz setzt: Beide Städte behaupten jedenfalls von sich, die älteste Stadt Deutschlands zu sein. Doch Superlativ hin oder her: Die Eindrücke, die ein Spaziergang durch die Innenstadt von Worms hinterlassen sind vielfältig und interessant.

Groß und bedeutend

Der jüdische Friedhof in Worms
Der Friedhof »Heiliger Sand« ist der älteste jüdische Friedhof Europas.


Über die deutschen Grenzen hinaus ist Worms vor allen Dingen für seine über 900-jährige jüdische Geschichte bekannt. »Warmaisa«, so der hebräische Name, war bereits im 11. Jahrhundert recht groß und etablierte sich im Mittelalter zu einem philosophischen und theologischen Zentrum am Rhein.

Wer sich einen Eindruck von der Größe und Bedeutsamkeit der jüdischen Gemeinde in Worms machen möchte, besucht am besten den jüdischen Friedhof »Heiliger Sand«. Das älteste Grab stammt aus dem Jahr 1076 und macht den Friedhof zum ältesten jüdischen Friedhof Europas. Einer der größten dürfte er auch sein - ein Streifzug zwischen den teils eingesunkenen Grabsteinen mutet wie ein Spaziergang im Park an, so weitläufig ist das Gelände.

Da grenzt es fast an ein Wunder, dass der Friedhof die Jahre des Nationalsozialismus ohne große Beschädigungen überstanden hat, eine Tatsache, die auf die alte Synagoge leider nicht zutrifft: Sie wurde in der Pogromnacht 1938 vollständig zerstört.

Dass man sie heute dennoch besichtigen kann, ist den Wormser Bürgern zu verdanken, die die Synagoge in den 50er Jahren weitestgehend originalgetreu wieder aufgebaut haben. Heute steht sie Besuchern täglich offen, ebenso wie der Friedhof, männliche Besucher werden lediglich gebeten, eine Kopfbedeckung zu tragen.

Wer sein Wissen über das jüdische Leben in Worms, die Bedeutung der Gemeinde im Mittelalter oder die jüdischen Bräuche weiter vertiefen möchte, findet im jüdischen Museum neben der Synagoge Antworten und auch ein Spaziergang durch die mittelalterliche Judengasse lässt erahnen, dass das jüdische Leben in Worms sehr vielfältig gewesen sein muss.

Das Mittelalter mit seinen Sagen und Legenden war also eine Blütezeit für die Stadt Worms und auch heute scheint die Zeit der Ritter und Spielleute die Stadt fest im Griff zu haben. Zumindest könnte dieser Eindruck entstehen, wenn man sich vom 18. bis 20. Mai ins Wormser Wäldchen verirrt. Der Mittelaltermarkt »Spectaculum« ist in dieser Zeit in vollem Gange und lädt die Besucher zu einer Zeitreise ins Land der Ritter ein. Geschichte zum Anfassen und Miterleben.

Gaukler, Ritter und Spielleute

Lutherdenkmal in Worms
1521 war Luther auf dem Reichstag in Worms. Heute erinnert ein Denkmal an diesen historischen Aufenthalt.


Miterlebt hat Worms dann auch das Ereignis, mit dem das Mittelalter beendet wurde. 1521 fand in Worms der Reichstag statt, auf dem der bereits exkommunizierte Martin Luther seine revolutionären Thesen widerrufen sollte. Bekanntlich tat er nicht, was von ihm erwartet wurde, Kaiser Karl V. ließ ihn verhaften und die Auseinandersetzung zwischen Reformation und Gegenreformation nahm ihren Lauf. Heute erinnert ein recht großes Reformationsdenkmal an die bedeutenden Tage des Wormser Reichstags - spaziert man an der ehemaligen Stadtmauer entlang in Richtung Dom kann man es nicht verfehlen.

Letzteres gilt im Übrigen für die meisten Wormser Sehenswürdigkeiten: In der gesamten Innenstadt sind Wegweiser aufgestellt, die sogar die Entfernungen zu den einzelnen Stätten ausweisen. Wer nicht so gut zu Fuß ist, kann sich die touristischen Ziele auch aus dem Zug ansehen: Das Nibelungenbähnchen bietet Rundfahrten zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten an, Ausgangspunkt ist der Lutherplatz.

Ob zu Fuß oder per Bahn, fest steht: Worms hat viel zu bieten und ist auf jeden Fall einen Ausflug wert.

Katrin Henrich

Infos:
Von April bis Oktober bietet die Tourist Information eine öffentliche Stadtführung zum Thema »Jüdisches Worms« an (jeden 1. Sonntag im Monat, Treffpunkt Synagoge)
Ausführliche Infos zu den Sehenswürdigkeiten in Worms: www.worms.de