Heft 260 Mai 2012
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Mobilität (Teil 1)

Carsharing in Mainz

Mobil in der Stadt ohne Parkplatzsuche


Carsharing in Mainz
Die meisten Carsharing-Plätze sind in innenstädtischen Lagen zu finden wie hier an der Rheinstraße.

Wer in der Stadt wohnt, braucht oft kein eigenes Auto. Zu Fuß und mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ist man in der Innenstadt meist schneller unterwegs. Die Parkplatznot in den dicht besiedelten Kernstadtteilen macht es dem Autohalter zudem nicht eben leichter. So mancher Bewohner von Neu- und Innenstadt hat aber auch schlicht kein Budget für ein eigenes Auto.

Trotzdem wäre manchmal ein Auto sehr hilfreich. Etwa, um den Wasserkasten vom Einkauf zu transportieren. Und nicht alle Orte, zu denen man will, haben eine gute Anbindung an den Nahverkehr.

Hier liegt der Gedanke an Carsharing nahe. Das Auto-Teilen wurde in den 1980er Jahren in Deutschland zunächst bei Privatinitiativen populär. Doch schon Ende des Jahrzehnts gab es die ersten kommerziellen Anbieter mit einer Auswahl an verleihbaren Autos.

Schnell und unkompliziert?


Der Carsharing-Anbieter mit dem größten Netz an verfügbaren Autos im Rhein-Main-Gebiet ist book-n-drive. In Mainz kooperiert die Mainzer Verkehrsgesellschaft seit 2008 mit book-n-drive Carsharing. An 15 Stationen, die meisten in Innenstadt, Altstadt und Neustadt, stehen überwiegend Kleinwagen. An mehreren Plätzen kann man jedoch auch Kombis und am Kaiser-Wilhelm-Ring auch zwei Transporter ausleihen. book-n-drive verspricht einen schnellen und unkomplizierten Weg zum Auto für ein paar Stunden. Das ruft nach einer Probe aufs Exempel.

Die Reservierung eines Autos geht übers Internet - für ganz eilige auch über eine Telefon-Hotline. Sofort nach dem ersten Klick ins Auto springen kann man aber leider nicht. Zuerst muss man sich registrieren, und das dauert einige Tage.

Carsharing in Mainz
Erst anmelden, dann losfahren: Im Internet wird angezeigt, wo gerade Carsharing-Autos frei sind.
Nach der ersten Kontaktaufnahme im Internet ruft einige Stunden später ein Mitarbeiter von book-n-drive an. Er macht einen Termin zum persön­lichen Gespräch aus.

Am nächsten Tag kommt er vorbei und bringt einen Haufen Unterlagen mit. Er lässt sich Führerschein und Personalausweis zeigen und macht dann den Vertrag fertig. Damit bekommt der Kunde eine Chipkarte, mit der er Zugang zu den Autos erhält. Die Anmeldung kostet einmalig 50 Euro. Das Geld, erklärt der Mitarbeiter, werde monatsweise umgelegt und bei Nutzung eines Fahrzeugs verrechnet. Nachdem der Vertrag unterschrieben und die Kundenkarte übergeben ist, kommt am nächsten Tag das Passwort per Email. Jetzt kann es eigentlich losgehen.

Schon bald steht bei der Neukundin ein dringender Termin an, für den sie ein Auto braucht. Jetzt kann book-n-drive gleich zeigen, was es kann. Mit Kundennummer im Internet eingeloggt gibt sie ihre Wünsche ein: Von wann bis wann sie das Auto braucht, welche Größe es haben soll. Die Kundin wählt das kleinste Modell, man muss ja nichts transportieren.

Mindestens 15 Minuten vor der geplanten Abfahrt muss man einen Wagen reservieren. Und siehe da: Schon am nächstgelegenen Standort am Natürlich-Supermarkt in der Josefsstraße ist ein Citroen C1 frei. Er wird direkt für zwei Stunden gebucht. Am Standort angekommen, sogar nur zehn Minuten später, wird die Kundenkarte auf ein Magnetlesegerät in der Windschutzscheibe gelegt. Klack, das Auto geht auf. Autoschlüssel und eine Kopie des Fahrzeugscheins liegen im Handschuhfach. Das Auto aus der engen Parkreihe zu manövrieren ist ein bisschen kompliziert, doch dann kann es losgehen.

Alternative für Gelegenheitsfahrer?


Der Termin dauert doch etwas länger als erwartet. Jetzt ist Eile geboten, denn wenn das Auto zu spät abgegeben wird, muss man Strafe zahlen. Gerade noch rechtzeitig kommt es wieder zurück auf seinen Platz. Glück gehabt. Und etwas gelernt: Das Auto lieber eine halbe Stunde länger ausleihen, um nicht hetzen zu müssen. Außerdem muss man, wenn der Tank höchstens noch halbvoll ist, das Auto vor der Abgabe auftanken. Dafür liegt eine Tankkarte im Auto bereit - selbst bezahlen muss man das Benzin nicht.

Die Rechnung kommt im nächsten Monat. Abgerechnet werden die Zeit, die gefahrenen Kilometer und eine Buchungspauschale. Macht mit dem kleinsten Wagen bei zwei Stunden und 22 Kilometern 10,40 Euro inklusive Mehrwertsteuer.

Es gibt in Mainz auch private Anbieter, die ihre Autos verleihen. Mehrere von ihnen findet man bei der Internetbörse tamyca.de. Dort kann man auch seinen eigenen Wagen anbieten. Hier gibt es für Mainz und die nähere Umgebung ein gutes Dutzend Angebote, vom Golf bis zum Mercedes. Sie werden für Pauschalen zwischen 17 und 29 Euro pro 100 Kilometer inklusive Versicherung angeboten. So schnell wie über book-n-drive kommt man an die Privatautos nicht heran, die meisten Anbieter wollen eine mehrtägige, mindestens aber mehrstündige Voranmeldung.

Fazit: Wer nicht täglich ein Auto braucht, etwa um zur Arbeit zu fahren, für den ist Carsharing eine Alternative. Zum einen wegen der Geldersparnis: Wer zum Beispiel einmal pro Woche ein Auto ausleiht, um in der näheren Umgebung damit zu fahren, dürfte - alles inklusive, auch Sprit - mit rund 500 Euro pro Jahr auskommen. Zum anderen ist das Leihauto gerade in Innenstadt, Altstadt und Neustadt praktisch, weil es seinen festen Parkplatz hat - der oft näher an der eigenen Wohnung ist, als der Parkplatz, den man trotz Anwohnerparkschein mit seinem eigenen Auto nach langem Suchen findet.

Alice Gundlach

Info:
www.book-n-drive.de

Carsharing-Stationen in Mainz
Altstadt: Altenauergasse 1, Eisgrubschule, Rathaus, Rheinstraße 64
Bretzenheim: Am Ostergraben
Gonsenheim: Gleisbergweg 50
Hartenberg/Münchfeld: George-Washington-Straße 2
Hechtsheim: Am Schinnergraben
Innenstadt: Hauptbahnhof, Große Langgasse 16
Neustadt: Bismarckplatz, Josefstraße - Natürlich Bioladen, Kaiser-Wilhelm-Ring 7, Rheinallee 69, Wallaustraße 80
Oberstadt: Zitadelle am Südbahnhof

Private Auto-Anbieter:
www.mainz.de/nhm