Heft 260 Mai 2012
Werbung




Handwerk

Dem Uhrmacher sei Dank:

Sie ticken wieder richtig


Peter-Jesko Buse
Peter-Jesko Buse ist der letzte selbstständige Uhrmachermeister in Mainz.

Für den Mann aus Niedersachsen war Peter-Jesko Buse die letzte Hoffnung. Der Kunde wollte die Fliegeruhr, die zur Ausrüstung seines Großvaters im Zweiten Weltkrieg gehört hatte, endlich wieder zum Laufen bringen lassen. Das Sammlerstück war in einem desolaten Zustand: Das Uhrenglas völlig verkratzt, das Uhrwerk verrostet, mehrere Schrauben gebrochen. Beim Hersteller Wempe in Hamburg winkte man ab, die nötigen Ersatzteile habe man nicht. Wenn ihm jemand helfen könne, hieß es, dann der Uhrmachermeister Buse aus Mainz. »Vier Monate habe ich an der Uhr gearbeitet«, sagt Buse und zeigt die restaurierte Uhr vor. Sogar die Leuchtmasse, die von den Zeigern gebröselt war, hat er neu aufgetragen.

Peter-Jesko Buse ist der letzte selbstständige Uhrmachermeister in Mainz und einer von wenigen in Deutschland. In seiner Werkstatt in der Heidelbergerfassgasse restauriert und repariert der 70-Jährige fast jede historische Uhr, die ihm Kunden bringen. Mit seiner Spezialisierung auf Glashütter Taschenuhren sowie Flieger- und Marineuhren hat er es unter Sammlern zu internationaler Bekanntheit gebracht.

Seine Meisterprüfung hat Buse 1966 in Hamburg mit Auszeichnung abgelegt. Danach arbeitete er zunächst als Angestellter in mehreren Städten von Hamburg bis Frankfurt. 1976 kam er zurück nach Mainz, wo er nach der Flucht aus Pommern mit seiner Mutter und seinen Geschwistern aufgewachsen war. Hier machte er sich selbstständig - in dem Haus, in dem er noch heute wohnt und arbeitet. »Am Anfang stand mein Werktisch neben meinem Bett«, erinnert er sich. Mit seiner Spezialisierung auf Militäruhren stieg sein Bekanntheitsgrad. Insbesondere Uhren der Firma A. Lange & Söhne/Glashütte fand er schon immer faszinierend. »Deutsche Uhren sind einfach konstruiert, aber aus hochwertigen Materialien und von präziser Technologie«, erklärt er seine Vorliebe. Seine eigene Lieblingsuhr, die er fast täglich am Handgelenk trägt, ist ein Glashütter Flieger-Chronograph aus seinem Geburtsjahr.

Dass Herstellerfirmen Kunden zu ihm schicken, ist für Buse nichts Ungewöhnliches. Das liegt nicht nur daran, dass er einer von noch sehr wenigen ist, die die Restauration alter Uhren beherrschen. Er ist auch bekannt für sein riesiges Ersatzteillager, das er sich im Laufe der Jahrzehnte angehäuft hat. »Immer, wenn ich von einem Kollegen erfuhr, der seinen Betrieb aufgegeben hat, habe ich seine Restbestände aufgekauft«, erklärt Buse. So kommt es, dass er heute für annähernd jede historische Fliegeruhr von A. Lange & Söhne, Wempe, Laco, Stowa oder dem Schweizer Hersteller IWC Teile vorrätig hat - im Gegensatz zu den Herstellern. Für die lohnt es sich in aller Regel nicht, neue Unruhs, Federn oder Gläser für die historischen Uhren herzustellen. In Glashütte, berichtet er, würden mittlerweile auch alte Uhren zur Restauration angenommen. »Dann kommt es schon einmal vor, dass ich von dort nach Ersatzteilen gefragt werde.«

Ein teures Erbstück vom Meister restaurieren zu lassen, ist freilich nicht billig. Für die Fliegeruhr des Kunden aus Niedersachsen, an der Buse monatelang arbeitete, wurden insgesamt 4.100 Euro fällig. Die Restauration jüngerer Armbanduhren kostet mindestens 500 Euro.

Wertvolle Stücke in guten Händen


historische Taschenuhr
Zur Buses eigener Uhrensammlung gehört auch eine historische Taschenuhr aus Mainz (um 1810).

In Buses Werkstatt stehen neben Flieger- und Taschenuhren auch historische Tischuhren zur Abholung bereit. Viele davon kommen aus Frankreich, woher auch ein Gutteil der entsprechenden Kunden stammt. Eine Mainzer Kundin, die gerade eine Tischuhr aus Porzellan abholt, hat für die Restaurierung 2600 Euro bezahlt. »Sie ist so ein schönes Stück, ich hätte es schade gefunden, sie einfach nur so herumstehen zu lassen«, sagt sie. Sechs Wochen hat sie darauf gewartet. »Für eine Reparatur setze ich mindestens vier Wochen Abholzeit an, damit ich Zeit habe, um zu kontrollieren, ob sie nach der Reparatur auch nicht vor- oder nachgeht«, erklärt Buse.

Der An- und Verkauf alter Uhren machen einen wichtigen Teil seines Geschäftes aus. Einige Käufe behält der Uhrenliebhaber aber für sich. Wie zum Beispiel seine Main­zer Taschenuhr. Das Sammlerstück mit der Dame im wallenden, purpurnen Gewand auf dem Ziffernblatt, auf deren Uhrwerk die Wor­te »Thirion« und »Mayence« eingraviert sind, stammt nach Buses Schätzung aus der Zeit um 1810. Vor rund 30 Jahren habe er das Erbstück von einem alten Mainzer gekauft. Der habe ihm das Versprechen abgenommen, die Uhr zu behalten, da sie bei ihm »in guten Händen« sei. Seitdem bewahrt Buse sie mit seinen anderen Lieblingsstücken im Banksafe auf.

Doch es gibt auch Uhren, die Meister Buse nicht reparieren kann: neuere Quarzuhren und Chronographen mit Batteriebetrieb. »Das sollen mal lieber meine jüngeren Kollegen machen«, schmunzelt er.

Alice Gundlach

Infos:

Peter-Jesko Buse
Uhrmachermeister - Fachbetrieb für Glashütter Taschenuhren
Heidelbergerfaßgasse 8 - 55116 Mainz
Tel. 06131-23 40 15 - Fax 06131-23 65 94
Email: meister-buse@t-online.de
www.fliegeruhren-buse.de