Heft 259 April 2012
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Rheinhessen

Großes Potenzial im Regionalpark-Projekt

Allein der Politischer Wille reicht nicht


Vogelbeobachtung
Aussichtpunkte zur Vogelbeobachtung könnten zum Verweilen einladen.
Illustrationen: BIERBAUM.AICHELE.landschaftsarchiteken

Er soll einen »Beitrag zur Erhöhung der Lebensqualität« leisten, seine »zentralen Elemente sind landschaftliche und regionale Besonderheiten, Traditionen und Sehenswürdigkeiten sowie der Erhalt und die Entwicklung der Freiräume«. So steht es im Masterplan für den Regionalpark Rheinhessen, der als Entwurf bei der Abschlussveranstaltung am 21.01.09 im rheinland-pfälzischen Landtag vorgestellt wurde. Seit 2002 hatten die Planungsgemeinschaft Rheinhessen-Nahe, die Stadt Mainz, der Landkreis Mainz-Bingen mit seinen Städten, Gemeinden in Initiativen und Bürger-Workshops gestaltet und geplant. Im Konsens verständigte man sich in der »Mainzer Erklärung« (s. Kasten) darauf, die Umsetzung des Regionalparks anzugehen.

Das ist drei Jahre her. Seitdem hat sich nichts weiter getan. Leider zeigten auch die Stadt Worms und der Landkreis Alzey-Worms kein Interesse mehr, sich dem Projekt anzuschließen.

Vom Projektziel überzeugt


»Man war damals primär inspiriert vom Regionalpark Rhein-Ruhr und Rhein-Main. Grundlegende Motive sind die Beibehaltung der Attraktivität der Landregion und Bereitstellung von Ausflugszielen in Rheinhessen«, erläutert Ralph Heinrichs, der sich selbst als Koordinator für die Umsetzung des Masterplans bezeichnet, die Ideenentwicklung. Der Verwaltungsangestellte beim Landkreis Mainz-Bingen ist vom Projektziel, die Region Rheinhessen als »Ganzes vorwiegend den Bürgern bewusst zu machen als interessantes Gelände für Naherholung, Sport und Freizeitgestaltung« überzeugt. Denn damit verbunden sind für ihn weitere Bestrebungen: Der Park soll der Landflucht entgegenwirken, die seit langem zu beobachten ist, sowohl bei Älteren, die sich in der Stadt besser versorgt sehen, als auch bei Jüngeren, denen urbane Angebote mehr Abwechslung bieten. Außerdem soll eine Erhöhung der Attraktivität der Region Menschen anregen, sich dort neu anzusiedeln. Der Geburtenrückgang hat den Bevölkerungsstand reduziert. »Im Zuge des Plans wird in der Landschaft jedoch nichts gebaut, sondern vorhandene Gegebenheiten werden betont und einzelne Stationen innerhalb der Erlebnisrouten miteinander verbunden.« Hierzu gehören Landschaftsrahmen und -schaukeln, Infotafeln und Aussichtspunkte - ungefähr 150 Projekte sind im Masterplan festgehalten. Was aber verhindert seine Umsetzung? »Es fehlt an Geld für die weiteren Schritte und Ausführungen«, bemerkt Heinrichs vorsichtig, denn finanzieren sollten den Park das Land Rheinland-Pfalz und die Kommunen, die, je nach Gemarkung betroffen sind und anteilsmäßig zur Kasse gebeten werden würden. Der Aufwand sei eben »immens«, und der Masterplan ein »Gedankenkonstrukt ohne personelle und finanzielle Ausstattung.« Dann erzählt er, dass der Landkreis seit kurzem drei Projekte in Arbeit hat: Der zum Wandern geeignete Rhein-Höhen-Weg von Worms nach Laubenheim mit Querverbindungen zu Ortslagen wird bis 2013 neu beschildert. Ein Zuschuss von der Europäischen Union ist bewilligt.

Die Plateau-Wander-Route soll bis 2015 ebenfalls mit Beschilderungen und Querverbindungen fertig gestellt sein. Sie ist eine Fortführung des Gonsbachtals vorbei am Höllenberg und Wackernheim über den Rochusberg nach Bingen. Der 68,4 Kilometer lange Stadt-Land-Fluss Wander- und Radweg verläuft von Bingen durch das Nahe-Tal über das Oberhilbersheimer-Plateau, entlang eines namhaften Vogelschutzgebietes, und endet in Nierstein. Er erhält »zeitnah« Markierungen und Plaketten. Vorhaben, die andere Projekte vielleicht anstoßen werden, so Heinrichs, schließlich kann man etwas vorweisen. »Jetzt sind die Gruppen mit ihren Projekten gefordert, die Initiative muss von vor Ort kommen.«

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Eine gute Idee harrt der Umsetzung:?Rahmen in der Landschaft.

Es braucht einen »Kümmerer«


Der Meinung ist Landschaftsarchitekt Klaus-Dieter Aichele nicht. Mit seinem Büro Bierbaum.Aichele war er in die Entwicklung involviert, moderierte die Bürger-Workshops, erarbeitete den Masterplan. »Der Regionalpark ist umsetzbar, wenn der politische Wille da ist und jemand, der es koordiniert, das heißt, Sponsoren und Gemeinden anspricht, sozusagen ein Kümmerer.« Es werde allerdings schwierig, wenn man diese Aufgabe als Verwaltungsangestellter nebenbei macht, kritisiert er. »Wir haben angeboten, Betreuung und Umsetzung zu übernehmen. Alternativ könnte man einen Zweckverband oder Verein gründen, was auch schon diskutiert wurde.« Zusammen mit Bürgern und engagierten Menschen wurden die Wege abgefahren, um die Stationen zu klären. Wertvolle Lebensräume für Flora und Fauna sind mit Schutzkonzepten »weitgehend gut gelöst« worden. Aichele sieht großes Potential in dem »überregionalen und interkommunalen Projekt«, das ebenso mit seiner Weinkultur, Winzern und Straußwirtschaften interessant für den Tourismus und darüber hinaus ein Standortfaktor für Firmen ist, die Mitarbeiter mit dem Regionalpark als Lebensraum anwerben könnten. Der Landschaftsarchitekt arbeitet seit drei Jahren an der Umsetzung einer Idee aus dem Masterplan, dem neun Kilometer langen, nach dem Schriftsteller Wilhelm Holzamer benannten Literatur-Weg rund um Nieder-Olm mit verschiedenen Stationen, die einen Bezug zu dem dort Gebürtigen herstellen. »Wir sind auf die Gemeinde zugegangen und haben mit Frau Dr. Katharina Weisrock, die das gleichnamige Archiv betreut, unser Projekt vorgeschlagen«, sagt er und ergänzt: »Weitere Aktivitäten müssen jetzt von der Gemeinde kommen.«

KH