Heft 259 April 2012
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Mainzer Automobil Club

JOCHEN RINDT

Der vergessene Mainzer


Rindt
Jochen Rindt (© Gloris)


Jochen RINDT, Formel 1- Weltmeister von 1970, hätte am 18. April 2012 seinen 70. Geburtstag gefeiert. Er starb aber mit nur 28 Jahren, am 05. September 1970, bei einem Trainingsunfall auf dem Hochgeschwindigkeitskurs in Monza. Auch über 40 Jahre nach seinem Tod streiten zwei deutschsprachige Nationen um den genialen Rennfahrer: War Jochen Rindt nun Deutscher oder Österreicher? In der Alpenrepublik ist er noch immer ein gefeierter Volksheld, über seine deutschen Wurzeln ist dagegen wenig bekannt. In Mainz, wo er geboren wurde, ist er in Vergessenheit geraten. Vom 19.-28. April 2012 wird mit einer Ausstellung an den berühmten Sohn der Stadt erinnert. Sie trägt den Titel »Jochen Rindt - Mainzer Spuren« und wird vom Mainzer Automobil Club veranstaltet.

Neue Heimat Österreich


Karl Jochen Rindt, so sein vollständiger Name, wurde am 18. April 1942 um 17.25 Uhr im Städtischen Krankenhaus in Mainz geboren. Er verbrachte sein erstes Lebensjahr mit seinen Eltern Karl und Ilse Rindt in Mainz. Doch im Juli 1943 geschah ein tragisches Unglück: Auf einer Geschäftsreise nach Hamburg starb das Ehepaar Rindt durch einen Luftangriff der Alliierten. Jochen wurde mit nur 15 Monate Vollwaise, aber auch Alleinerbe der Gewürzmühle seiner Eltern. Jochen fand sein neues Zuhause bei seinen Großeltern in Graz. Österreich wurde zu seiner neuen Heimat. Nach einer unbeschwerten Kindheit und einer turbulenten Teenagerzeit, beschloss er kurz vor dem Abitur Rennfahrer zu werden. Die Initialzündung dazu hatte er beim Formel 1 - Grand Prix von Deutschland am Nürburgring, den er mit seinem Schulkameraden Helmut Marko besuchte. Nach dem Abitur sollte Jochen Rindt eigentlich die Gewürzmühle in Mainz führen und damit das Erbe seiner Eltern antreten. Aber das Interesse am Motorsport war größer.

Rindt
Rindt im Lotus 72 (© Walitsch)
1961 begann seine Rennfahrer-Karriere und es folgte der unaufhaltsame Aufstieg bis in die Königsklasse. Nach Grand-Prix-Siegen in Monaco, Niederlande, Frankreich, Großbritannien und Deutschland, führte er die Weltmeisterschaftswertung mit 45 Punkten an. Als Favorit auf den Titel reiste er zum Grand Prix von Italien nach Monza. Hier hätte er mit einem Sieg den vorzeitigen Gewinn der Weltmeisterschaft klar machen können. Doch sein Leben endete so tragisch, wie es angefangen hat: Er starb nach einem Unfall im Samstag-Training in den Trümmern seines Lotus. Da kein Fahrer seinen Punktevorsprung in den noch ausstehenden Rennen einholen konnte, wurde er - als bisher Einziger - posthum zum Formel 1-Weltmeister ernannt.

Bis heute machen die Österreicher Jochen Rindt gerne zu ihrem Landsmann. Er hatte seine Kindheit und Jugend in Graz verbracht, sprach steirischen Dialekt und sein Ehrengrab ist auf dem Grazer Zentralfriedhof zu finden. Was ihn aber zum ersten österreichischen Formel 1 - Weltmeister macht ist die Tatsache, dass er mit österreichischer Rennlizenz fuhr. Nur einen Umstand vergessen die Österreicher immer gerne: Jochen Rindt hatte bis zu seinem Tod den deutschen Pass. Sein Großvater, ein Rechtsanwalt, hatte ihm dazu geraten. Zum Thema Nationalität befragt, antwortete Jochen: Ich bin Europäer. Die Ausstellung »Jochen Rindt - Mainzer Spuren«, die der Mainzer Automobil Club vom 19. - 28. April 2012 im Mainzer Rathaus veranstaltet, zeigt einen charismatischen Menschen mit all seinen Facetten: Den Mainzer, den Geschäftsmann und den Rennfahrer.

Verbundenheit mit Mainz


Im Mainzer Rathaus werden u.a. teilweise unveröffentlichte Privatfotos und Dokumente zu sehen sein, die belegen, dass Jochen Rindt immer mit der Stadt verbunden war. Jochen's Original - Rennhelm aus den Jahren 1967/1968 ist ebenso ausgestellt, wie seine Rennanzüge aus den Jahren 1966 und 1970. Weitere Exponate sind u.a. seine letzte Siegerschleife vom Deutschland-Grand-Prix in Hockenheim und besagte österreichische Rennfahrer-Lizenz. Ausserdem konnten Reliquien der Klein & Rindt Gewürzproduktion aus verschiedenen Epochen beschafft werden, so können die Mainzer verschiedene Gewürztütchen und eine Original-KLERI-Blechdose bewundern.

Ann-Iren Ossenbrink