Heft 259 April 2012
Wie wird bewertet


  • 5 Punkte - Das macht gerade mal ein bisschen satt, schmecken muss es eh nicht!
  • 6 Punkte - Das könnte besser sein! Lasche Brötchen, matter Kaffee, Billig-Belag. Das Bemühen um Qualität ist nur schwer erkennbar!
  • 7 Punkte - Das einfache und gute Frühstück: frische Brötchen oder Brot, ein oder zwei Scheiben Wurst und ein warmes Getränk, das schmeckt!
  • 8 Punkte - Höchste Bewertung für ein perfektes Frühstück, Zutaten und Zubereitung auf allerhöchstem Niveau!
  • 9 Punkte - Da stimmt einfach Alles: Die Zutaten von hoher Perfektion, absoluter Frische und Qualität. Und auch das Auge sollte hier auf seine Kosten kommen!
  • 10 Punkte - Besser kann man es kaum machen: An Frische und Güte gibt es nichts auszusetzen, nur Waren von allerhöchster Markenqualität kommen zum Einsatz! Das Frühstück wird zum Ereignis...
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Frühstückstest Teil 27

DER MAINZER testet Frühstückslokale und Cafés Teil 27

WOHIN MORGENS?

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Antoniettas Bistrodays

Große Bleiche 49-51
(Landesmuseum)
55116 Mainz
Tel. 0176-62839112
www.bistrodays.de
Di. 10.30-19, Mi.-So. 10.30-16.30 Uhr Frühstück: 3,90-5,90 €

Bistrodays

Ein Ständer vor dem Landesmuseum interessiert den Frühstückssuchenden. Eine leckere Tasse Cafe zeigt er, also dann nichts wie rein ins Museums-Bistro. Einfache, weiße Plastikstühle stehen dort in großer Vorhalle vor barocken Marienfiguren. Grüne Servietten liegen auf den kleinen Tischen, darauf Zucker-, Salz- und Pfefferstreuer. Durch die große Glasscheibe fällt der Blick in den trostlosen Innenhof mit ein paar kahlen Platanen. Bunt dagegen ist die Karte. Drei Frühstücke finden sich dort. »Französisch« nennt sich das einfachste: ein knuspriges Croissant und Brötchen, dazu Butter und Marmelade nach Wahl. Und ein Heißgetränk nach Wahl, das auch zum »Italienischen Frühstück gehört«, auf das wir Lust haben. »Zwei knusprige Brötchen« verspricht es, frischen Parmaschinken, mageren Hinterschinken, frische Scheiben Mozzarellakäse, Butter und eine »fruchtige Honigmelone«. Das eine oder andere von den Zutaten, erklärt der junge Mann, der mich bedient, sei heute leider nicht da. Also einigen wir uns, statt der Honigmelone einen »frisch gepressten« Orangensaft zu servieren, der Bestandteil des dritten Frühstücksangebots »Della Casa« ist. Der wird auch kurz darauf mit einem Strohhalm serviert, allerdings nicht frisch gepresst wie auf der Karte ausgewiesen, sondern aus der Großmarkttüte.

Auch der Cappuccino schmeckt grauenhaft bitter, schwimmen irgendwelche schwarzen Kakaoteilchen auf der Oberfläche. Die beiden Brötchen, zwischen denen die Mozzarellascheiben klemmen, sind ebenfalls wie das Wurstangebot aus der Abteilung »Billiger geht's nimmer«. Krönung aber ist das Plastikpäckchen Butter, das sich als Halbfett-Margarine entpuppt und Mitte Januar mit dem Ablaufdatum vom 7.11.2011 serviert wird. Da packt den Gast das Grausen, der nicht weiß, ob man im Museumsbistro bewusst beschissen wird, oder ob das alles nur eine Verkettung ungünstiger Umstände ist, gepaart mit Unwissenheit und Desinteresse. Ins Bild passen schließlich auch die Billiglöffel beim Besteck, deren Spülflecken unübersehbar sind. Wie heißt es doch so schön auf der Bistrokarte: »Qualität sieht man nicht, man schmeckt sie«.


Tabelle

KAFF-TEE

(Kaffee- und Teegenuß)
Frauenlobstraße 27
55118 Mainz
Tel. 06131-676753
Mo.-Sa. 6-19 Uhr

Eigentlich ist immer Betrieb in dem Laden, wo sich Bopp- und Frauenlobstraße kreuzen. Teekannen und Tassen stehen in den großen Schaufenstern zum Verkauf, in alten Blechdosen hinter der Theke stapeln sich die Teeblätter. Im Kühlschrank warten Wasser und Softgetränke auf Kunden, zwei große Öfen gilt es mit Teiglingen zu füttern. Schon morgens um sechs kann man hier frühstücken. Kein Wunder, dass vieles nicht mehr da ist, wenn man gegen elf zum Frühstück kommt. Statt eines Schokoteils gibt es deshalb ein Käsebaguette-Brötchen, das wenig später mit ein paar Salatblättern, Gurken- und Tomatenschnitzen an den Tisch gebracht wird.

Kaff-Tee Individualität ist hier Trumpf, belegt der Mann hinter der Theke Baguette- oder Kaiserbrötchen je nach Wunsch mit Salami, Putenfleisch, Lachs, Ei oder Käse. Um die zwei Euro kosten die belegten Brötchen, ein frisch gekochtes Ei schlägt mit 50 Cents zu Buch. Dazu lasse ich mir einen Latte Macchiato (2,10 €) schmecken, Espresso (1,70 €) oder Cappuccino (1,80 €) wären die Alternative. Mit dem Ambiente ist nicht viel zu punkten, aber es passt in die multikulturelle Neustadt. So sitzen zu meiner Linken zwei Türken beim Tee ins Gespräch vertieft, zu meiner Rechten verplaudern zwei deutsche Handwerker ihre Mittagspause. Und hinten in der Ecke ist eine Frau beim Milchkaffee in ein Buch vertieft. Nicht ganz so passend ist die Musik, hämmern schon morgens Technoklänge. Sie aber, so scheint es, sind die Lieblingsmusik des Ladenchefs, der Brötchen schmiert und Kaffee kocht, Tee serviert und die Kasse im Griff hat.

Ein Mann für alle Fälle, der für seine Gäste immer Zeit hat. So betrachtet ist das kleine Ecklädchen eine riesige Wohnstube für die Neustädter, die im Sommer auch gern an den Stehtischen vor der Tür Station machen.

Alles Im-Biss


(Fleischer-Einkauf Mz/Wi)
55120 Mainz, Rheinallee 197
Tel. 06131-620178
Mo.-Fr. 8-15 Uhr
(Frühstück bis 10.30 Uhr)
Frühstück: 2,80 - 5,50 €

Alles Im-Biss

Wo Mainz ästhetisch nicht gerade verwöhnt ist, im Industriegebiet zwischen Mombach und der Ingelheimer Aue, frühstückt man deftig und herzhaft. Gegenüber dem Real Markt liegt der Fleischer-Einkauf mit eigenem Im-Biss. Eine Stätte der Fresser und Schlemmer, die sich schon früh morgens hier fette Haxen reinschieben und sich ihr Metzgerbier aus dem Allgäu in modischer Bügelflasche schmecken lassen. Stammtische treffen sich zum Vertilgen ganzer Wursthaufen, Spießbraten und Leberkäse, über denen sich Berge von Pommes türmen. Den Frühstückstester hat es hierher verschlagen, weil er den Geldbeutel vergessen hatte und mit den 3,10 € auszukommen hatte, die er noch aus beiseite gelegtem Parkrückgeld aus dem Handschuhfach zusammenkratzte. Neben einem kleinen Gastraum vor der Theke, hinter der eine fleißige Mannschaft die Töpfe und Fritteusen bedient, gibt es einen größeren, ganz in blau-weiß gestrichenen Wintergarten vor dem Eingang. Einfachst möbliert bietet er dem Frühstücksgast ebenfalls Unterschlupf.

Im Angebot sind vier Frühstücksvarianten. Süß ist das »Mumbacher Frühstück« (4,00 €): Croissant, Brötchen, Butter und Marmelade. Ortsüblich und deftig gibt sich das »Metzgerfrühstück« (5,50 €) mit heißer Fleischwurst, Blut- und Leberwurst, Schwartenmagen und zwei Brötchen. Drei Spiegeleier mit Speck auf gebackenen Bohnen sind zusammen mit einem Paar Wiener Würstchen und zwei Brötchen beim »Truckerfrühstück« auf dem Teller. Immer im Preis inbegriffen ist »Kaffee ohne Ende«, der in großen Kannen überall herumsteht. Wir entscheiden uns für ein frisches Schweinemettbrötchen (1,60 €) und eine Tasse Kaffee (1,50 €). Lasch ist der Weck, dafür knackig frisch das Mett mit ganz viel groben Zwiebeln. Lecker! Eher Durchschnitt ist der Kaffee. Trucker und Handwerker sind hier gern zu Gast, Leute mit meist großem Hunger und kleinem Geldbeutel. Das muss wissen, wer ins Industriegebiet zum Frühstücken fährt! Essen und Trinken holt man sich am Tresen ab, weshalb auch der Service nicht richtig punkten kann!