Heft 258 März 2012
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Mogunzius

Mogunzius, Stadtschreiber DES MAINZERs

Mainz auf dem Weg zu einem »Wut-Oberbürgermeister«?


Wie schnelllebig ist diese Welt! Urplötzlich steht das Land ohne Bundespräsident da und macht es sozusagen Mainz nach, das seit geraumer Zeit ohne OB und damit »führungslos« ist. Aber vielleicht war dies die rheinland-pfälzische Landeshauptstadt schon seit längerem, obwohl der OB-Stuhl noch besetzt war. Jetzt schaffen, wie auch in der Stadt Frankfurt die Wähler - egal ob Wut-Bürger, Mut-Bürger, Normalos oder Bauchwähler - Fakten und bestimmen ihren neuen Chef. Eine Chefin wird's garantiert nicht werden. Mainz zeigte sich schon in der Kandidatenwahl maskulin bis chauvinistisch, was ohne Wenn und Aber eine strategische Niederlage für die politischen Weichensteller von Mainz ist.

So warten wir ab, welcher Mann am Ende das Rennen macht. Am Abend des 25. März wissen wir mehr, weil unter Garantie eine Stichwahl über die Zukunft des wichtigsten Mainzer Amts entscheiden wird.

Feder Bis 2020 darf der neue OB dann wirken und zeigen, was er politisch, gestalterisch und - ja - intellektuell drauf hat. Die Liste der Herausforderungen, Aufgaben und Zielvorgaben ist so lang, als hätte die altehrwürdige Kultusministerkonferenz an einem neuen Berufsbild gefeilt. Kurzum: Eine spaßige Angelegenheit wird die erste Amtszeit für den neuen OB unter keinen Umständen.

Denn: Er hat kein Geld, und die Quellen, um an welches heranzukommen, sind versiegt. Er hat viel Lärm um die Ohren, und die Proteste gegen den Frankfurter Goliath müssen erst mal aus Sicht des Mainzer David greifen. Er hat ein uraltes heruntergekommenes Kaufhaus an der »Lu«, das offenbar keiner mehr will, aber auch irgendwie in einer verblendeten nostalgischen Verliebtheit niemand abreissen will. Und er hat die geballte Meute der Hundebesitzer gegen sich aufgebracht, weil die tiefer in die Tasche greifen müssen, um Fiffi weiterhin den Befehl geben zu können: »Mach Sitz, wenn Du Mainzer bist!«

Das zeigt aber den ganzen Ernst der Aufgabe. Mit der Erhöhung der Hundesteuer lässt sich kein Haushalt, in dem ein Loch von einer Milliarde klafft, sanieren. An der Spirale bei Preisen, Gebühren und Eintrittsgeldern ist bis zur Grenze des Ertragbaren gedreht. Was etwa die Schwimmbäder in teils bedauernswertem Zustand nicht besser macht. Was das desolate Rathaus mit einem Sanierungsbedarf in schwindelnder Höhe nicht repräsentativer oder einladender macht. Traurig. ­Haben Sie schon mal mit offenen Augen die »Beamtenlaufbahn«, also den Übergang vom Brand zum Rathaus, begutachtet? Noch ein Paar Jährchen, und dann hat auch diese eigentlich lukrative Innenstadtzone so viel bauliche Patina angesetzt wie heute schon die bereits beschriebene Ludwigsstraße.

Das zeigt: Der neue OB muss seinen Kampfgeist entdecken. Wir brauchen ein Wut-Oberbürgermeister. Wir brauchen Wut-Städte. Die die Dinge anprangern, die in deutschen Landen das Kernproblem sind. Wie können Bund und Länder voller Belieben ihren Kommunen jede Menge Sozialausgaben überstülpen und ihnen somit sukzessive jedwede Gestaltungsmöglichkeit nehmen? Und da Mainz nicht in Sachsen-Anhalt oder Thüringen liegt, gibt es auch keine Fördermittel für die innerstädtische Frischzellenkur.

Was nur heißen kann. Ran an die Entscheider, die die Kommunen unter den Belastungen der Hartz IV-Zahlungen ächzen lassen. Im Städtetag muss es nur so vor Protestnoten knallen. Weg mit der Konsenspolitik. Die Kommunen müssen um ihrer eigenen Fähigkeit zum Überleben willen politisch Kante zeigen - und dies fernab von Parteibüchern. Sie müssen deutlich machen, dass ansonsten das föderale System in Deutschland vor dem mittelfristigen Aus steht. Alles auf Protest, die Kommunen auf verbalem Kriegsfuß. »K 21«!!! Und der neue Wut-OB aus Mainz mittendrin. Hoffentlich...

Mogunzius