Heft 258 März 2012
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Mainzer im Ausland

Mainzer Uni-Absolventin lebt ihren Traum in Südafrika

»Irgendwie haben beide Welten etwas Schönes«


Barbara
Barbara auf einer ihrer Reisen in Südafrika. Die Mainzer Uni-Absolventin hat in ihrer Zeit in Südafrika viel über sich gelernt, sagt sie.

Die Welt wächst zusammen - das ist schon lange nichts Neues mehr. Unter Studierenden ist es mittlerweile üblich, ein Semester im Ausland zu verbringen und auch viele Absolventen werden von der Abenteuerlust gepackt und ziehen beruflich in die weite Welt.

Barbara ist eine von ihnen. Die ehemalige Mainzer Studentin hat sich dazu entschlossen ihren Lehreralltag ins sonnige Südafrika zu verlegen und scheint in erster Linie begeistert. Mit der Entscheidung am südlichsten Zipfel Afrikas zu arbeiten habe sie sich einen Jugendtraum erfüllt, meint sie und fügt hinzu: »Das Land fasziniert mich schon seit Langem. Ich wollte unbedingt mehr darüber erfahren. Als ich dann mit dem Referendariat fertig war, dachte ich: Wenn ich jetzt nicht die Gelegenheit nutze und ins Ausland gehe, mache ich das wahrscheinlich nie.«

Erlebnisse Wie aus dem Bilderbuch


Kurzerhand reichte sie eine Bewerbung beim Amt für Auslandsschulwesen ein und wurde angenommen. Seit knapp eineinhalb Jahren unterrichtet die 28-Jährige an einer deutschen Schule in Hermannsburg (Provinz KwaZulu-Natal) und lernt das Leben von einer anderen Seite kennen: »Ich habe mich hier eigentlich sofort wohl gefühlt und wurde sehr familiär aufgenommen«, erinnert sie sich. »Ich hatte auch richtig viel Glück in meinen ersten Wochen im Land. Ich habe direkt am Anfang Elefanten und Wale gesehen - Südafrika aus dem Bilderbuch gewissermaßen.

Das waren tolle Erlebnisse, die mir irgendwie bestätigt haben, dass meine Entscheidung hierher zu kommen richtig war.« Mittlerweile habe sie sich gut eingelebt und nehme viele Dinge lockerer: »Gerade am Anfang hatte ich das Gefühl, dass in Südafrika der Leistungsdruck nicht ganz so hoch ist wie in Deutschland. Das finde ich sehr entspannend. Allerdings dauern hier manche Sachen auch ein bisschen länger, so nach dem Motto ,Kommst du heut nicht, kommst du morgen'.

Da hat es schon eine Zeit gebraucht, bis ich verstanden habe, dass man die Leute ein bisschen nerven muss, wenn man etwas sofort erledigt haben will«, lacht sie. Generell sagt sie, habe sie in ihrer Zeit in Südafrika sehr viel gelernt, auch über sich selbst: »Ich glaube ich hatte früher vor vielen Dingen Angst, mit denen ich dann hier in Südafrika konfrontiert wurde, und sei es nur die Angst vor Spinnen. Die Konfrontation hat mir gewissermaßen gezeigt, dass meine Grenzen gar nicht da sind, wo ich sie ursprünglich vermutet habe, sondern dass sehr viel mehr in mir steckt. Das ist ein schönes Gefühl.«

Argumente gegen alltgälichen Rassismus

Südafrika
Die eigenen Grenzen überschreiten und über sich selbst hinaus wachsen, all das sind positive Erfahrungen, die Barbara aus Südafrika mitnimmt. Durch die rosarote Brille betrachtet sie ihre neue Heimat allerdings nicht: »Auch wenn ich in dieser Hinsicht zum Glück noch keine eigenen Erfahrungen gemacht habe, hat man doch immer im Hinterkopf, dass die Kriminalität in Südafrika sehr hoch ist. Ich trage also selten Schmuck und achte darauf, keine Wertgegenstände offen zur Schau zu tragen.« Doch auch das seien Maßnahmen, an die man sich recht schnell gewöhnt.

Nicht gewöhnen kann sie sich indes an den Rassismus, der immer noch weite Teile der Bevölkerung fest im Griff zu haben scheint: »Wenn ich höre, dass Schwarze dumm und faul sein sollen, platzt mir immer noch die Hutschnur. Da kann ich dann auch nicht an mich halten und muss dagegen halten. Diese Diskussionen sind allerdings immer sehr frustrierend, weil ich das Gefühl habe, mit meinen Argumenten einfach nicht durchzukommen. Um ehrlich zu sein ist dieser doch noch sehr präsente Rassismus ein Grund, warum ich mir nicht vorstellen könnte, hier dauerhaft zu leben.«

Rückkehr in die alte Heimat


Bereut habe sie ihre Entscheidung nach Südafrika zu ziehen dennoch keine Sekunde. Allerdings freut sie sich auch wieder darauf im Dezember dieses Jahres in die alte Heimat zurück zu kehren und im Rhein-Main Gebiet einen Neuanfang zu wagen. »Irgendwie haben beide Welten ihre schönen Seiten, und beides kann man leider nicht haben«, meint sie.

Am meisten freut sie sich darauf Freunde und Familie wiederzusehen: »Es ist eben doch etwas anderes, ob man mit jemanden am Telefon oder persönlich spricht.« Als Geschichtslehrerin fehlt ihr außerdem die Mainzer Altstadt mit ihren alten Fachwerkhäusern und die Tatsache, Geschichte unterrichten zu können: »Hier in Südafrika unterrichte ich nämlich nur Deutsch.«

Und noch etwas vermisst sie: »Die Mainzer Kneipenkultur oder generell ausgehen zu können fehlt mir hier. In Mainz ist es absolut kein Problem auszugehen, oder einfach mal spontan ins Kino zu gehen.« Ein Kinobesuch, ein Nachmittag im Café, ein Abend in der Kneipe, für Barbara gehört das momentan nicht zum Alltag: »Ich lebe hier in der Pampa, die nächste Stadt mit Kino und Kneipen ist eine Stunde entfernt. Ich war also schon eine Ewigkeit nicht mehr im Kino, oder in einem Café. Das vermisse ich auf jeden Fall.«

Katrin Henrich