Heft 258 März 2012
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Frauen + Jubiläum

Weltfrauentag und 25 Jahre Frauenbüro Mainz

Bewusstseinswandel ist das Ziel


Frauenbüro
Bewusstsein schaffen - für die Ungerechtigkeit gegen Frauen und für die Chancengleichheit von Frauen. Das ist eine Aufgabe des Frauenbüro-Teams (v.li.) Christine Neher, Martina Trojanowski und Eva Weikart.

»Solange wir einen Frauentag feiern müssen, bedeutet das, dass wir keine Gleichberechtigung haben. Das Ziel ist die Gleichberechtigung, damit wir solche Tage nicht mehr brauchen.« Dies sagte 2008 die luxemburgische EU-Kommissarin für Justiz, Grundrechte und Bürgerschaft Viviane Reding über den Weltfrauentag, der jedes Jahr am 8. März begangen wird.

Fast hundert Jahre zuvor (1910) hatte ihn die deutsche Sozialistin Clara Zetkin auf dem II. Kongress der Sozialistischen Internationale in Kopenhagen ins Leben gerufen, auf dem sie die Gleichberechtigung für Frauen forderte und betonte: »Keine Sonderrechte, sondern Menschenrechte«.

Die Idee dazu kam aus den USA, wo Frauen der Sozialistischen Partei Amerikas (SPA) zwei Jahre zuvor ein Nationales Frauenkomitee gegründet hatten, das einen besonderen nationalen Kampftag für das Frauenstimmrecht initiierte. Am 19. März 1911 gingen erstmals Frauen in Deutschland, Österreich, Dänemark und der Schweiz zum Frauentag auf die Straße, um für ihr Wahlrecht und die Teilhabe an der politischen Macht zu demonstrieren.

Die Vereinten Nationen erklärten 1977 den 8. März per Resolution zum international anerkannten Tag für die Rechte der Frau. Meilensteine wurden für die Stellung und Rechte von Frauen seit den ersten Protesten erreicht, vor allem in Europa. Doch jede Zeit birgt ihre Herausforderungen. Deshalb richten Fraueninitiativen, Organisationen und Politik jährlich an diesem Termin ihren Fokus sowohl auf neue, aber auch auf immer noch bestehende Missstände wie Diskriminierung, Gewalt und fehlende Gleichberechtigung gegenüber Frauen in verschiedenen Lebens-, Arbeits- oder Bildungsbereichen.

Ins Geschehen einbinden

Buchcover McSex
Für die Gleichstellung von Frauen und Männern in Verwaltung, Wirtschaft und Gesellschaft setzt sich auch das Frauenbüro der Stadt Mainz ein, und das seit bereits 25 Jahren. Am 2. Februar 1987, vier Jahre nach einem einstimmigen Stadtratsbeschluss, nimmt das erste Team mit Martina Hassel, Martina Trojanowksi, Anne Knauf und Gabi di Paolo die Arbeit auf. Mainz war damit dem Vorbild anderer Kommunen gefolgt, eine eigenständige Stelle für frauen- und gleichstellungspolitische Anliegen zu schaffen.

»Natürlich gab es auch Skeptiker, die das Büro als völlig überflüssig ansahen«, beschreibt die Anfänge dessen Leiterin seit 1998 Eva Weikart. Aber das Team geht seinen Weg und mobilisiert 1988 für das Großprojekt »Gegen unseren Willen« zu Gewalt gegen Frauen. Zahlreiche Frauenorganisationen und Einzelpersonen beteiligen sich mit Veranstaltungen und Ausstellungen. Seit diesem Zeitpunkt werden die Probleme kontinuierlich thematisiert.

Im März 2001 startet die Kampagne »Mainzer Männer machen mit«, in der 126 Männer aus allen gesellschaftlich relevanten Bereichen mit ihrem Bild und persönlichen Zitaten ihr »Nein« zu Gewalt an Frauen zum Ausdruck bringen. Mit körper. kult. kontraste läuft von 2003 bis 2005 zudem eine Aktion, die sich unter Beteiligung vieler Organisationen mit Körperbildern, Schönheitsidealen und Essstörungen auseinandersetzt und explizit auch Bürgerinnen zur Teilnahme aufruft.

Ob Frauenförderpläne, sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz, geschlechtergerechte Verkehrsplanung oder der alljährlich erscheinende Kalender über bewegte Lebensgeschichten weiblicher Mainzer Persönlichkeiten - die Palette an Themen, die das Büro seit seiner Gründung aufgreift, um auf einen »Bewusstseinswandel« abzuzielen, ist breit. »Wir versuchen uns ständig in das städtische Geschehen einzubinden«, erklärt Weikart.

Kommunale Pflichtaufgabe


Dafür sei die Kooperation mit Organisationen aus allen Bereichen wichtig, und, dass das Frauenbüro zur Verwaltungsstruktur gehört und somit direkt eingebunden ist in deren Informationswege. 1400 kommunale Büros und Gleichstellungsstellen gibt es bundesweit, Mainz ist eine von zwölf kreisfreien Städten in Rheinland-Pfalz, die diese Stellen hauptamtlich besetzen muss.

Seit 1994 steht in der Gemeindeordnung, dass die Gleichberechtigung von Mann und Frau kommunale Pflichtaufgabe ist. Vor vier Jahren hat das Frauenbüro erreicht, dass die Landeshauptstadt offiziell der Europäischen Charta für die Gleichstellung von Frauen und Männern auf lokaler Ebene des Rates der Gemeinden und Regionen Europas (RGRE) beigetreten ist. Mit der Unterzeichnung verpflichtet sich die Kommune, einen Gleichstellungsaktionsplan zu erarbeiten und darin Ziele für die künftige Entwicklung der Gleichstellung von Frauen und Männern festzulegen. Das sei ein entscheidender Schritt, um das Thema immer wieder neu bei Beschlüssen zu untermauern, bemerkt Weikart. »Noch haben wir die Zielvorgaben nicht erreicht, aber wir werden auch das schaffen.«

KH

Infos: www.mainz.de/frauenbuero, Veranstaltungen zum Weltfrauentag: McSEx - Die Pornofizierung unserer Gesellschaft, Lesung mit der Buchautorin Myrthe Hilkens: 7. März, 18 Uhr, Ratssaal im Rathaus. Sexismus in der Werbung, Wanderausstellung, Rathaus, linke Seitenlobby: 3. Februar bis 17. März.