Heft 258 März 2012
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Alltagsfragen

Morgendlicher Muntermacher

Wie wirkt Koffein?


Kaffee
Ein Leistungsschub durch Kaffeebohnen: Koffein steigert die Konzentrationsfähigkeit und wirkt direkt auf das zentrale Nervensystem. Der tägliche Genuss von zwei bis drei Tassen Kaffee sei unbedenklich, sagt Professor Lieb von der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Mainz.

Ein Morgen ohne Kaffee? Für viele undenkbar. Schließlich sorgt der Kaffee dafür, dass man in Schwung kommt und wach in den Tag startet, so zumindest die allgemeine Annahme. Doch macht Kaffee tatsächlich munter und wie genau funktioniert das Koffein in unserem Körper? DER MAINZER hat bei Professor Klaus Lieb von der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Mainz nachgefragt: »Das im Kaffee enthaltene Koffein hat auf jeden Fall Auswirkungen auf den Körper«, weiß Lieb und fügt hinzu: »Zunächst wird das zentrale Nervensystem stimuliert und die Herzfrequenz und der Blutdruck minimal gesteigert. Versuche haben diesbezüglich gezeigt, dass der Genuss von Koffein zu schnelleren Reaktionen führt und die Konzentrationsfähigkeit zunimmt.«

»Müde-Macher« Blockade


So weit so gut. Verantwortlich für die aufmunternde Wirkung des Koffeins ist darüber hinaus seine blockierende Wirkung auf sogenannte Müde-Macher, wie beispielsweise das Adenosin. Adenosin ist ein Botenstoff im Gehirn, der dort Rezeptoren besetzt und somit für Müdigkeit sorgt. Nimmt man Koffein zu sich, blockiert das Koffein die Rezeptoren, die normalerweise vom Adenosin belegt werden und verhindert so ein Andocken der Müde-Macher an die entsprechenden Rezeptoren im Gehirn. Das Ergebnis: Die Müdigkeit verschwindet.

Ein Mechanismus, der zunächst einmal nicht bedenklich sei, meint Lieb und erläutert: »Solange man einen weitestgehend normalen Kaffeekonsum von zwei bis drei Tassen täglich hat, sind die vom Koffein in Gang gebrachten Reaktionen unbedenklich. Ich würde sogar sagen, dass Koffein das sicherste und effektivste Mittel ist, um die geistige Leistungsfähigkeit zu verbessern.« Allerdings, betont Lieb, sei Koffein durchaus mit Vorsicht zu genießen: »Es gibt ja einen gewissen Grund, warum Botenstoffe wie Adenosin an die Rezeptoren im Gehirn andocken wollen.

Maß halten


Es ist also wenig förderlich die Müdigkeit ständig mit Koffein einzudämmen. Der Körper braucht auch seine Ruhephasen und die sollte man ihm auf jeden Fall gönnen.« Ein übermäßiger Koffeinkonsum kann außerdem zu gewissen Gewöhnungserscheinungen führen: Für den Müde-Macher Adenosin werden einfach neue Rezeptoren geschaffen. Möchte man jetzt noch eine aufmunternde Wirkung durch das Koffein erzielen, muss man mehr Kaffee trinken als die Menge, an die sich der Körper bereits gewöhnt hat. Eine Suchtgefahr sieht Lieb in diesen Reaktionen und Mechanismen allerdings nicht gegeben: »Wie gesagt, wenn man bei zwei bis drei Tassen Kaffee am Tag bleibt, kann man das Ganze unbedenklich genießen.« Also ist auch beim Kaffee die Mäßigung das Maß aller Dinge.

Katrin Henrich