Heft 257 Februar 2012
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Mogunzius

Mogunzius, Stadtschreiber DES MAINZERs

Der Wahlkampf ist erst das Warmlaufen


»Wulffst« Du schon oder argumentierst Du noch? Der Wahlkampf um das höchste Amt der Stadt Mainz ist in vollem Gang und verlangt allen Kandidaten eine gewisse Wendigkeit in ihren Auftritten ab. Zumal es nicht leicht ist, politische Programmatik mitten in Pausenempfängen von närrischen Sitzungen zu erläutern, geschweige denn zu platzieren. Dennoch sind nicht zuletzt die drei aussichtsreichsten Kandidaten von CDU, Grünen und SPD (alphabetische Reihenfolge!) auch fastnachtlich unterwegs, um bei Besuchern und der vielfältigen närrischen Klientel in eigener Sache die Wahlkampftrommel zu rühren.

Mit unterschiedlichstem Erfolg. In konservativen Kreisen hat zweifelsohne Grünen-Bewerber Günter Beck den schwierigsten Stand. Wo er doch auch noch bekennender Alternativ-Fastnacher der »Meenzer Drecksäck« ist und als heutiger Finanzdezernent ausgerechnet in früheren Zeiten mit seinem gastronomischen Ausflug in der Alten Patrone finanziell eine Bauchlandung hingelegt hat. Das behält sich das konservative Lager gerne und zieht das Argument immer dann aus der Tasche, wenn es zu passen scheint. Mit seinem Slogan »Holt Euch Euer Mainz zurück« hat sich Beck aber ein sehr offensives und originelles Wahlkampfmotto ausgeguckt, das vor allem seinem Parteiumfeld schmecken dürfte.

Feder Am Ende müssen aber alle Kandidaten in fremden Gewässern erfolgreich sein und auch Wähler der jeweils anderen Strömungen überzeugen, um Oberbürgermeister von Mainz zu werden.

Michael Ebling (SPD) ist der klare Favorit, weil er eloquent und volksnah aufzutreten weiß und zudem politisch durch seine Ämter gut geschult ist. Der Staatsekretär hat sich frühzeitig von seinem Amtsvorgänger Beutel thematisch abgesetzt und sich damit freigeschwommen. Weil sich keiner der Bewerber momentan eine distanzierte Meinung zum Thema Fluglärm und Flughafen Frankfurt leisten kann, muss auch Ebling hier die Protestwelle der lärmgestressten Mainzer aufgreifen. Selbst eine Verfassungsklage hält der SPD-Mann für denkbar, der damit auch die große Keule schwingen will. Das Wort Jobmotor Flughafen nimmt er am liebsten erst gar nicht in den Mund, um nicht anzuecken. Dies wiederum passt überhaupt nicht in das Bild der Landes-SPD, die sich jetzt als Wirtschaftspartei geriert, um damit den Grünen und der grünen Wirtschaftsministerin Paroli zu bieten. Aber Unterschiede zwischen kommunaler und auf das Bundesland ausgerichteter Politik sind so alt wie das politische Business selbst.

Bleibt noch Lukas Augustin als CDU-Kandidat. Selbst der vermeintlich konservative Bewerber stellt sich dem Protest der lärm-gestressten Mainzer und sieht eine mögliche Lösung in Verhandlungen auf »Chefebene« mit dem hessischen Ministerpräsidenten. Für Augustin wird der Wahlkampf sicher an Fahrt gewinnen, wenn das zweite Reizthema - der Bau des Einkaufszentrums an der Ludwigsstraße - intensiver diskutiert wird. Hier wird der Christdemokrat punkten können, weil seine Argumente am ehesten vom Einzelhandel, Einkaufskunden und der heimischen Wirtschaft nachzuvollziehen sind. Klar ist schon heute, dass der künftige Oberbürgermeister von Mainz als erste große Herausforderung genau dieses Projekt zu stemmen hat. Mit der gesamten Begleitmusik aus Kritik, utopischen Vorstellungen und partikularen Interessen, die in unserem Land seit der Protestwelle um »Stuttgart 21« bei jedem Projekt und jeder Veränderung baulicher Art aufkeimen. Kommunalpolitik ist somit nicht unbedingt einfacher geworden, weil das Anspruchsdenken der Bevölkerung noch einmal zugenommen hat. Wo es doch in früheren Jahrzehnten schon sehr ausgeprägt war. Alle OB-Kandidaten wissen um diese Erkenntnis. Insofern ist es mutig, für das wichtigste Amt von Mainz anzutreten. Der Wahlkampf ist also erst das Warmlaufen für spätere Konflikte, die es unter Garantie geben wird. Und mit »wulffen« kommt man da nicht weiter.

Mogunzius