Heft 256 Januar 2012
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Vorsorgen

Patientenverfügung als Mittel der Selbstbestimmung?

Mein Wille geschehe!


Stethoskop auf einer Patientenverfügung

Was man schon immer mal erledigen wollte - jetzt in diesem Jahr könnte man es endlich angehen. Vorsorge zu leisten, zum Beispiel. Für den Fall der Fälle. Den in seiner Tragik unvorstellbaren. Vor dem die allermeisten Menschen viel Angst haben: Der eigenen Entscheidungsfähigkeit beraubt, hilflos dem Handeln, den Entscheidungen anderer ausgesetzt. Die Patientenverfügung ist eine Möglichkeit, den eigenen Willen zu artikulieren und bekannt zu machen. Aber das ist keine Sache, die mal eben so nebenbei abgehandelt werden kann. Textbausteine des Bundesjustizministeriums, Vordrucke von der Humanistischen Union, Beratungsgespräche mit dem Arzt seines Vertrauens: Wie soll eine Patientenverfügung aussehen? In Mainz ist das Zentralarchiv für Betreuungsverfügungen, Patientenverfügungen (auch Patiententestament genannt) und Vorsorgevollmachten ansässig, beim Ortsverein Mainz des Deutschen Roten Kreuzes. Jutta Wernet arbeitet in der Geschäftsstelle und beantwortete die Fragen des MAINZERs.

Gibt es eine gesetzliche Grundlage, auf der eine Patientenverfügung abgefasst werden sollte?

Jutta Wernet: Seit September 2009 gibt es eine solche Grundlage im §1901a BGB. Eine wirksame Patientenverfügung ist vom Arzt und gegebenenfalls auch vom Richter zu beachten. Eine Rechtsberatung zu diesem Themenbereich gibt es bei niedergelassenen Anwälten.

Wer sollte an der Abfassung einer Patientenverfügung beteiligt sein?

Wernet: Derjenige, der eine Verfügung erstellen möchte. Falls er dazu Beratung benötigt - eventuell ein Anwalt, Arzt oder der Hausarzt. Angehörige sollten unbedingt über eine Patientenverfügung informiert werden.

Es gibt zahlreiche Vordrucke im Internet: Ist es egal, welchen Vordruck man verwendet?

Wernet: Der Vordruck sollte auf die Bedürfnisse desjenigen zugeschnitten sein, der eine Patientenverfügung erstellt. Nur er/sie weiß, was er/sie mit einer Patientenverfügung für sich festlegen möchte. Außerdem sollten die verwendeten Begriffe und die Situation, in der eine Patientenverfügung greifen soll, so konkret wie möglich benannt werden.

Was sollte eine Patientenverfügung auf jeden Fall beinhalten?

Wernet: Wenn eine Patientenverfügung benötigt wird, ist der Verfügende ja meist nicht mehr in der Lage, seinen Willen oder seine Lebensvorstellungen klar zu äußern. Eine Patientenverfügung sollte das beinhalten, was man einem Arzt noch sagen möchte, wenn man es noch könnte. Das heißt, es sollten Hinweise auf eine optimale Schmerzbekämpfung enthalten sein und die Behandlungsmaßnahmen aufgeführt werden, die man ablehnt, z.B. wenn man keine lebensverlängernde Maßnahme möchte und/oder dass man im Falle einer dauerhaften Bewusstlosigkeit, wahrscheinlicher schwerer Dauerschädigung des Gehirns oder des dauernden Ausfalls wichtiger Körperfunktionen mit einer lntensivtherapie oder Wiederbelebung nicht einverstanden ist. Man kann natürlich auch schreiben, dass man explizit unter allen Umständen solange wie möglich leben möchte.

Ist es erforderlich oder sinnvoll eine Patientenverfügung regelmäßig zu bestätigen, um sicherzugehen, dass der einmal geäußerte Wille auch viele Jahre später noch als gültiger Wille anerkannt wird?

Wernet: Vorgeschrieben ist dies nicht. Eine Überprüfung des Willens ist jedoch erforderlich, da man im Laufe des Lebens über viele Fragen seine Meinung ändert. Auch sollten regelmäßig die Adressdaten oder Telefonnummern überprüft werden bzw. ggf. auch der Hinterlegungsstelle mitgeteilt und somit aktualisiert werden.

Ist eine notarielle Beglaubigung erforderlich?

Wernet: Nein. Wir halten aber eine Bestätigung der Unterschrift durch die Bank für sinnvoll. Diese Bestätigung ist kostenlos. Bei einer öffentlichen Behörde ist das auch möglich, es kann aber ein geringer Kostenbeitrag erhoben werden. Bei einer Hinterlegung im DRK-Zentralarchiv kann die Bestätigung mit veranlasst werden und ist in der Hinterlegungsgebühr von 60 Euro enthalten.

Sollte eine Patientenverfügung hinterlegt werden?

Wernet: Wird die Verfügung im DRK-Zentralarchiv eingelagert, bekommt der Verfügende eine Ausweiskarte für den Notfall, die er immer mit sich führen sollte. So ist im Bedarfsfalle ein schneller Zugriff auf die Verfügung gewährleistet. Die eingelagerte Verfügung kann vom behandelnden Arzt oder dem Vormundschaftsrichter über die Notrufnummer (rund um die Uhr - also auch an Feiertagen) unter Mitteilung der Verfügungs-Nummer und des Namens abgerufen werden. Der Bereitschaftsdienst überprüft die Identität des Anrufers, hinterlassene Ruf- und Archiv-Nummer. Danach nimmt der Bereitschaftsdienst des Archivs Kontakt mit dem Arzt oder Richter auf und versendet die Verfügung umgehend per Fax.

Sind Ihnen Fälle bekannt, wo eine solche Verfügung nicht anerkannt wurde und was waren die Gründe dafür?

Wernet: Das Archiv wurde 1996 gegründet und es liegen uns bis zum heutigen Tage keine Fälle vor, bei denen Verfügungen nicht anerkannt wurden. Im Gegenteil uns erreichen Briefe von Angehörigen, die sich bei uns bedanken, dass der Ablauf unkompliziert stattgefunden hat und sie dies als Erleichterung empfunden haben.



Aufgezeichnet SoS

Infos: www.zentralarchiv.info
Hinweis: In der Februar-Ausgabe des MAINZERs lesen Sie, wie das »Rheinhessische Modell zur ärztlichen Patientenverfügung« funktioniert.