Heft 256 Januar 2012
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Einkaufszentren

Trotz Einkaufszentrum in der Ludwigsstraße

»Mainz bleibt Mainz«


ECE-Entwurf Bischofsplatz
In der Diskussion: der erste ECE-Entwurf für das Einkaufscenter rund um Karstadt. (Ansicht Bischofsplatz)

Das Karstadt-Gebäude in der Ludwigsstraße ist sanierungsbedürftig. Schon lange. Die Stadt Mainz hat kein Geld, um die städtebauliche Aufwertung an dieser Stelle zu stemmen. Es braucht einen Investor. Soweit der Konsens. Seit der Projektentwickler ECE als Investor feststeht, kursieren Befürchtungen: Wer bezahlt bestellt! Was in einer freien Marktwirtschaft durchaus üblich ist. Allerdings sind hier vielerlei Interessen unter einen Hut zu bringen. Das weiß auch ECE. Die Stadt Mainz hat das Baurecht in der Hand. Die katholische Kirche besitzt einige der maßgeblichen Gebäude, die im ersten Entwurf von ECE »verschluckt« wurden. Überhaupt dieser Entwurf. Klotzig und überdimensioniert, als Stadt in der Stadt erscheinend. Ablehnung allenthalben. Seither wird diskutiert und gestritten.

Die Quadratmeterzahl ist ein Zankapfel: ECE meint, unter 30.000 qm könne das Einkaufszentrum nicht die gewünschten zusätzlichen Kunden nach Mainz locken. Die sind unbedingt nötig. Damit ECE Geld verdienen kann. Damit die Stadt Mainz mehr Gewerbesteuern einnimmt. Damit der innerstädtische Einzelhandel mehr umsetzt. Die Blickachse zum Dom ist in Gefahr. Wer vom Schillerplatz durch die Bäume auf der Ludwigsstraße schaut, sieht das Mainzer Wahrzeichen. Daran soll sich nichts ändern. Fuststraße und Eppichmauergasse sollen befahrbar bleiben. Damit die dort lebenden Menschen weiterhin mit dem Auto zu ihrer Wohnung kommen. Damit der Anlieferverkehr für die umliegenden Geschäfte funktioniert. Damit die St. Johanniskirche weiterhin Konzerte durchführen kann.

Entwürfe Offenes Wohn- und Einkaufsquartier an der Ludwigsstraße
Architektur-Studierende der Fachhochschule Mainz legten Ende Dezember eigene Entwürfe für ein Offenes Wohn- und Einkaufs­quartier an der Ludwigsstraße vor.

Außerdem ist zu berücksichtigen:?Mehrere Ausgänge sollen direkte Zugänge in die angrenzenden Bereiche der Altstadt ermöglichen; der Bischofsplatz soll seinen Platzcharakter behalten; die Polizeiinspektion I hat hier einen guten Standort in der Altstadt; ein Architektenwettbewerb ist auszuschreiben; es dürfen nicht zu viele zusätzliche Geschäfte in das Einkaufszentrum einziehen, sonst ist der Einzelhandel in der Innenstadt bedroht; zusätzliche Parkplätze sind zu schaffen; die An- und Abfahrtswege für die vielen zusätzlichen Kunden, die nach Mainz kommen sollen, sind zu bedenken; ob der ÖPNV seine Kapazitäten erweitern muss, ist zu klären.

Ziemlich viele Wünsche, Forderungen. Kein Wunder. Es handelt sich um ein riesiges innerstädtisches Bauprojekt. Das den Charakter der Innenstadt maßgeblich verändern wird. Die Bürger lässt das nicht kalt. Die reden mit. In und mittels der Bürgerinitiative Mainzer Ludwigsstraße, die nun einen Trägerverein gründet. In den Ludwigsstraßenforen. Vier dieser Foren sind zwischenzeitlich über die Bühne gegangen. Der Sachverstand, den viele Bürger einbringen, ist erfrischend. Und die Verwaltung reagiert geduldig, geht ein auf die Anregungen und Bedenken. ECE als Projektentwickler, so lesen sich die entsprechenden Aussagen in den Mainzer Medien, hat begriffen. Wenn das was werden soll, dann besser mit den Bürgern. Von Anfang an. Man habe in 2012, 2013 und sogar in 2014 noch Zeit, um in aller Ruhe ein Konzept zu entwickeln, war in der AZ zu lesen. Gleichzeitig sieht sich Baudezernentin Marianne Grosse als »Dame des Verfahrens« und will selbstbewusst mit dem Investor zu einer Einigung kommen. Das wird spannend. Dann zeigt sich, wie die Interessen der Stadt, der Bürger und des Geldgebers austariert werden.

SoS