Heft 256 Januar 2012
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Laufen

Waldläufe wenn es duster und rutschig ist

Eigenverantwortung ist Trumpf


Andreas Kattus
Andreas Kattus weiß, wie es geht: Erst stretchen, dann laufen. Im Winter sowieso. Und gerne am Dehnbalken vor der Laufrunde im Gonsenheimer Wald.

Für den Freizeitläufer Andreas Kattus geht nichts über seine 10-Kilometer-Runde im Gonsenheimer Wald. »Nirgendwo sonst ist die Luft so gut«, schwärmt der 45-jährige Software-Architekt. Zwei- bis dreimal pro Woche macht er sich auf den Weg zum Training, früh morgens vor der Arbeit oder am Sonntagmittag mit einem Bekannten. Darauf verzichtet er auch im Winter nicht. »Damit ich an Weihnachten nicht so viel Fett ansetze«, grinst er. Die zahlreichen Lauftreffs, die sich den Gonsenheimer Wald als Trainingsgebiet ausgesucht haben, weichen in der kalten Jahreszeit für gewöhnlich auf die Felder am Stadtrand oder auf die Stadtteile aus. Der Grund dafür liegt auf der Hand: die Laufgruppen treffen sich zumeist abends unter der Woche zwischen 18.30 Uhr und 19 Uhr. Da ist es im Wald stockfinster, denn dort gibt es keine Laternen an den Wegen. Kopfleuchten sind im Wald zwar erlaubt, bringen aber wenig, wenn man läuft. Das schaukelnde Licht hilft kaum dabei, Wurzeln, Steine oder andere unfallträchtige Hindernisse schnell genug zu erkennen.

Wer morgens oder mittags läuft, findet aber auch im Winter im Wald - zumindest bei nicht extremen Wetterverhältnissen - einen guten Trainingsort. »Die Bäume bieten einen guten Schutz vor kaltem Wind«, hat Andreas Kattus beobachtet. Manchmal läuft er auch auf dem Feld zwischen Gonsenheim und Bretzenheim. Das sei aber gerade an nassen Tagen sogar gefährlicher als im Wald. »Auf den Feldwegen gibt es viele Pfützen, die zufrieren können und auf denen man ausrutschen kann.« Im Gonsenheimer Wald ist der Boden sehr sandig. »Da bilden sich nicht so schnell Wasseransammlungen«, weiß Kattus. Auch bei Schnee sei es auf freier Flur unangenehmer als im Wald. »Wenn viel Schnee gefallen ist, kommt es im Feld immer wieder zu Schneeverwehungen, die kniehoch sein können. Da durchzulaufen, ist vielleicht ein gutes Krafttraining, aber auf Dauer nicht so angenehm«, so der Freizeitsportler. Im windgeschützten Wald verwehe der Schnee nicht so schnell.

Die 14-Nothelfer-Kapelle
Die 14-Nothelfer-Kapelle am Rande des Gonsenheimer Waldes ist ein beliebter Treffpunkt für Läufer.

Auch Burkhard Woerth schwört auf den Gonsenheimer Wald. Immer am frühen Sonntagmittag trifft er seinen Laufkumpel an der 14-Nothelfer-Kapelle am Eingang des Waldes. »Um spätestens 15 Uhr sollte man losgelaufen sein, sonst wird es zwischendurch zu dunkel«, rät der 42-jährige Bankkaufmann. Im Hellen wiederum könne man sich im Gonsenheimer Wald sehr gut orientieren, sagt er und lobt die Streckenmarkierungen, die im April 2011 auf den Laufstrecken neu angebracht worden sind. Wenn es geschneit hat, bleibe er auf den großen Wegen, die auch im Winter viel von Spaziergängern frequentiert werden. Doch auf den großen Wegen kann es bei Schnee ebenfalls gefährlich werden, warnt Jürgen Koch, Förster im Ober-Olmer Wald: »Wo viele Fußgänger vorbeikommen, wird der Schnee festgetreten und kann am folgenden Tag vereisen.« Dann sind die Hauptwege durchaus mal spiegelglatt - und auf Naturwegen wird natürlich nicht gestreut. Auch die teilweise asphaltierten Wege, die im Wegenetz des Ober-Olmer Waldes eingebunden sind, bleiben ungestreut. »Im Winter hat man eine höhere Eigenverantwortung, wenn man in den Wald geht«, sagt Koch. »Man sollte die Bedingungen vernünftig einschätzen und im Zweifel lieber auf die Laufrunde verzichten.« Generell sei es wichtig, nur auf den Wegen zu laufen und nicht querfeldein, auch nicht über die Wiese am Ober-Olmer Wald bei der ehemaligen Raketenbasis. Zum einen wegen des Verletzungsrisikos, zum anderen, um die Waldtiere nicht aufzuschrecken.

Wer im Dunkeln im Wald mit Stirnlampe läuft, stört die Waldbewohner. »Wenn es dunkel wird, kommen die Tiere zur Ruhe. Stress durch Störungen kostet sie viel Energie«, erklärt Stefan Dorschel, Förster im Gonsenheimer Wald. Besonders im Winter können sie zusätzlichen Stress schlecht gebrauchen: »Dann haben sie weniger Kraftreserven, weil das Futterangebot kleiner ist. Gerade für Jungtiere ist das sehr belastend.« Der Förster rät Läufern deshalb, im Winter die Laufrunde auf die Mittagspause oder auf das Wochenende zu verlegen. Natürlich kommen im Winter deutlich weniger Läufer in den Wald als an warmen Tagen. Das haben auch Woerth und Kattus beobachtet. »Aber mittags ist man nie allein«, betont Woerth. Man brauche keine Angst zu haben, verletzt liegen zu bleiben oder gar überfallen zu werden. Auch seine Frau Tanja läuft mit einer Freundin tagsüber gerne im Wald. »Da habe ich keinerlei Befürchtungen«, sagt sie. Kattus gewinnt der verringerten Läuferdichte im Winter auch noch einen anderen positiven Aspekt ab: »Dann findet man viel leichter einen Parkplatz am Waldrand.«

Alice Gundlach