Heft 256 Januar 2012
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Kinder und Jugendliche

Die Welt ein Stück besser machen:

Jeder kann seinen Teil dazu beitragen


Claudia Dahmen, Thomas Cocos, Susanne Seither, Benedikt Drockur, Sonja Baumann (v.li.)
Die Mainzer WELTfairÄNDERER vor dem Pariser Eifelturm: Claudia Dahmen, Thomas Cocos, Susanne Seither, Benedikt Drockur, Sonja Baumann (v.li.)


Susanne Seither, Thomas Cocos, Claudia Dahmen, Sonja Baumann und Benedikt Drockur bei der UNESCO
Bei der UNESCO in Paris nahmen Susanne Seither, Thomas Cocos, Claudia Dahmen, Sonja Baumann und Benedikt Drockur den Sonderpreis »Ideen Initiative Zukunft« für ihr Projekt entgegen (v.li.).

Verbraucht ein Musik-Down­load am Computer mehr Energie als ein Wasserkocher? Unter welchen Arbeitsbedingungen werden Turnschuhe im Ausland hergestellt? Wie verhalte ich mich gegenüber meinen Mitmenschen? Mit solchen und ähnlichen Fragen sollen Kinder und Jugendliche in Schulen spielerisch bei Werde WELTfairÄNDERER dafür sensibilisiert werden, wie sie mit sich, mit anderen und mit der Umwelt umgehen. Ziel des 2010 gestarteten Projektes vom Bund der deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) und Bischöflichen Jugendamtes (BJA) in Mainz ist es, junge Menschen darauf aufmerksam zu machen, dass Ressourcen auf unserem Planeten nicht unerschöpflich sind und jeder einen Teil dazu beitragen kann, die Welt ein Stück besser zu machen.

»Viele Jugendliche konsumieren und nutzen täglich Dinge, von denen sie nicht wissen, wie sie entstehen, woher sie kommen oder wie sie unsere Natur belasten«, erläutert Sascha Zink, Referent für Jugend und Schule beim BDKJ/BJA, das Konzept. »Wir möchten sie aber nicht nur informieren, sondern sie ermutigen zu handeln, für Nachhaltigkeit und fairen Umgang miteinander.« Ganz bewusst richte sich das Projekt an elf- bis 18-Jährige in Haupt- und Realschulen im ländlichen Raum, da sie es generell schwieriger hätten, an Bildungsprojekten teilzunehmen als Gleichaltrige in der Stadt, denn das Angebot sei nicht vorhanden. Diese Lücke wolle man schließen. Eine andere Idee dahinter ist zudem ein neuer Ansatz für kirchliche Jugendarbeit. »Um Kinder anzusprechen, die sich normalerweise nicht für Kirche interessieren, müssen wir verschiedene Zugangswege offerieren. Damit geben wir jungen Menschen die Möglichkeit uns wahrzunehmen, als Kirche und als Bildungsanbieter neben der Schule«, so der Diplom-Pädagoge.

Bei jeder Werde WELTfairÄNDERER-Aktion wird für eine Woche auf dem Schulhof ein großes achteckiges Zelt mit Platz für 40 Personen aufgestellt, die so genannte Jugendzeltkirche des Bistums. In diesem befinden sich neben einer Ausstellung mit Stationen zu verschieden sozialen und ökologischen Themen der heutigen Zeit ein Lern- und Werkbereich. Hier setzen sich einzelne Schulklassen mit der Aufgabe auseinander, wie sie ganz konkret durch ihr Denken und Handeln die Welt nachhaltig, zukunftsfähig gestalten und verändern können.

Anstöße zum Umdenken

Luftballons mit Postkarten
Luftballons mit Postkarten, auf denen ihre Botschaften stehen, lassen die Schülerinnen und Schüler am Ende jeder Aktionswoche steigen.

Außerdem gibt es eine Chill-Out-Ecke mit fair gehandelten Produkten wie Kakao und Tee. Zusätzlich werden zehn Workshops angeboten, die thematisch auf die jeweiligen Interessen der 5. bis 10. Klassen ausgerichtet sind. Am Ende der von einem sechsköpfigen Team geleiteten Aktionswoche findet ein Fest mit Spielen und Diskussionen statt, bei dem die Schüler Postkarten mit ihren Adressen und Botschaften an Luftballons steigen lassen. »Diese können von den Findern zurückgeschickt werden, oder sie können ebenfalls beginnen, die Welt zu verändern«, sagt Sascha Zink lächelnd. Wichtig sei abschließend jedoch zu beobachten, dass die Kinder etwas von diesem Projekt für sich mitnehmen, so dass es nicht nur einen Kurzzeiteffekt hat. »Unsere Aktion hat eine initiatorische Wirkung und stößt zum Umdenken an. Ich vertraue den Schülern und glaube an die Kraft, dass Menschen, die sich mit diesen Themen beschäftigt haben, sie auch weiterverfolgen.« Deshalb werde überlegt, das erkennbare Engagement der Kinder und Jugendlichen nach der Projektphase an den Schulen in Kooperation mit den Lehrern fortzuführen.

In 2011 wurden in zwei Schulen für jeweils eine Woche das Projektzelt aufgeschlagen und somit insgesamt 1 200 Kinder plus Eltern erreicht, während es in 2010 zwar nur in einer Schule mit dennoch fast 1 000 Schülern stand. Für dieses Jahr sind Aktionen in drei Schulen im hessischen Teil der Mainzer Diözese geplant. Finanziert wird das gesamte Projekt vom Bistum sowie mit Landeszuschüssen aus Rheinland-Pfalz und Hessen. Laut Sascha Zink werden derzeit außerdem noch Großsponsoren wie Unternehmen und private Förderer gesucht, da das Projekt weiter wächst.

Zwei Mal wurde das Projekt Werde WELTfairÄNDERER bereits prämiert: Zum einen gewann es einen der drei Sonderpreise des deutschlandweiten Wettbewerbs »Ideen Initiative Zukunft«, den die Deutsche UNESCO-Kommission und die dm-Drogeriemarkt-Kette ausgerufen hatten und an dem sich über 4.500 Projekte beteiligten. Zum anderen erhielt es die Auszeichnung der UN-Weltdekade »Bildung für nachhaltige Entwicklung«, da das Konzept mit seinen ökologischen, sozialen und ökonomischen Aspekten das Anliegen der weltweiten Bildungsoffensive der Vereinten Nationen umsetzt. Diese rief die Weltdekade für die Jahre 2005 bis 2014 aus und will dazu beitragen, die Prinzipien nachhaltiger Entwicklung weltweit in den nationalen Bildungssystemen zu verankern. Die deutsche Umsetzung der Dekade steht unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten und wird von einem einberufenen Nationalkomitee der Deutschen UNESCO-Kommission koordiniert.

KH

Infos: www.bistummainz.de/bistum/menschen/jugend/bdkj