Heft 256 Januar 2012
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Frühstückstest Teil 25

DER MAINZER testet Frühstückslokale und Cafés Teil 25

WOHIN MORGENS?


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Zum Jahreswechsel mal ein paar ganz ungewöhnliche Frühstückstipps: Wie wäre es mit einem Morgenmahl auf dem Markt?

Für die Leser des MAINZER waren unsere Frühstückstester an ein paar Markttagen im Schatten des Domes unterwegs. Auf eine Punkt-Wertung wurde diesmal verzichtet, weil das Angebot zu unterschiedlich war. Satt freilich wurden unsere Tester immer.

Ort: Mainzer Wochenmarkt, Di, Fr und Sa 7-14 Uhr

Haxenwirt - Bauernhofmetzgerei Odenwald


Haxenwirt marktfrühstück

»Marktfrühstück« verheißt das große Pappschild, das uns neugierig macht. Als Standbetreiber ist ein Werner Vollhardt aus Michelstadt im offiziellen Marktverzeichnis registriert. Sein alter, weißer Mercedes-Bus aber trägt ein Rüdesheimer Kennzeichen. Dafür hängen die bunten Zugplakettchen der letzten Jahre gebündelt mitten im Fahrerhaus. »Fleisch und Wurst, saisonbedingt auch Wild«, bietet er zum Verkauf an. Heiße Schweinebäckchen gibt es zum Frühstück, eine Portion Kesselfleisch, Mettbrötchen oder heißen Leberkäse. Wir testen das Marktfrühstück für 2,50 €: eine große Portion Fleischwurst samt Weck, dazu ein Heißgetränk.

Marktstand Haxenwirt

Kaffee und Wurstsuppe stehen zur Auswahl. Kaffee im Metzgerladen? Dann doch lieber Wurstsuppe, die im mit Weihnachtsmotiven dekorierten Glühweinbecher serviert wird. Der Senf steht im großen Plastikbecher auf dem Tisch, da kann jeder selbst dosieren. Die Wurstportion ist mehr als reichlich, macht auf alle Fälle satt. Und durstig: schließlich hat man an Gewürzen nicht gespart. Wie Mainzer Fleischwurst jedenfalls schmeckt die Odenwälder nicht! Fett und heiß ist die Wurstsuppe, auf der ein paar Fettbrocken schwimmen. Die fettlosen Teile liegen am Boden. Es ist die Bestätigung des physikalischen Gesetzes, dass Fett in Wasser immer oben schwimmt. Das ist der Bildungsauftrag beim Haxenwirt denke ich, schlürfe noch ein bisschen am Süppchen und ziehe dann satt und durstig weiter.

Metzgerei Peter Ditt Mainz-Ebersheim


Marktstand Metzgerei Peter Ditt

Mittags um Kurz vor Eins treten wir zum späten Frühstück am Ditt-Stand an. Eine letzte Herbst-Wespe zieht ihre Kreise um den Speck. Anscheinend weiß sie, was schmeckt. Wir setzen bei unserem Frühstück (2,35 €) erneut auf Fleischwurst, die hier neben Bäckchen und Rindswurst zu den Bestsellern gehört - und auf eine Wurstsuppe, die leider schon aus ist. Das spricht für ihre Qualität, hoffentlich! Zurück ist der leere Weck-Eintopf geblieben. Auch die Fleischerhaken ringsum sind leer. Zu haben ist noch Leber aller Art, gefüllte Kartoffelknödel, Schweinesteaks und andere Leckereien. Gütenachweise hängen zudem an der Wand der rollenden Metzgertheke, Qualitätsurkunden in Gold und Bronze. Statt der Wurstsuppe trösten wir uns mit einer Flasche Wasser, Rossbacher klassisch aus dem Kühlschrank. Die Wurst ist gut und pfiffig gewürzt. Dafür hat das Brötchen schon deutliche Ermüdungserscheinungen, hat wahrscheinlich schon Stunden im Körbchen hinter der Theke verbracht. Auch das Senftütchen hat seine Macken, lässt sich nicht öffnen. Ich schiebe das auf meine Untüchtigkeit im Umgang mit Plastikbehältnissen, tröste mich aber mit Blick auf meine Nachbarin, die ebenfalls vergeblich am Senftütenverschluss nestelt. Ihr Gatte kann ihr auch nicht helfen, der am benachbarten Brotstand noch ein paar Backwaren erstanden hat. Geschmeckt hat es auch ohne Senf und das Urteil am Nebentischchen klingt mir noch immer in den Ohren: »Billiger kann man kaum zu Mittag essen!«

Metzgerei Hamm Stadecken-Elsheim


Hamm Frühstück

Metzgerei Hamm steht groß in grüner Schrift auf rotem Untergrund am rollenden Marktständchen. Die »warme Theke« empfiehlt Fleischwurst in rot und weiß, Rindswurst, Breslauer und Wurstsuppe, die im Plastikbecher samt Firmenaufschrift serviert wird. Diesmal haben wir uns für ein Stück Weißwurst entschieden, das wir samt Brötchen und einer Wurstsuppe bestellen. 1858 wurde der Metzgereibetrieb gegründet, dessen Außenstelle zu den wichtigsten Anlaufstellen auf dem Markt gehört. Fleischmagen offeriert er in Dosen, Blutmagen als Wurstbelag. Mein Gegenüber kaut so vergnügt auf einem Fleischmagenbrot. Auch wir lassen uns unser Frühstück (2,45 €) schmecken.

Marktstand Hamm

Ohne Tadel ist die Weißwurst, mild und gaumenkitzelnd, grandios die Wurstsuppe, die ihren Namen verdient. Da kommen Erinnerungen an manches Schlachtfest! Besonderes Lob gilt auch dem Brötchen, das auch nach 12 Uhr noch frisch schmeckt. Die Freude trübt nur der Senf, der im Plastiktütchen serviert wird, was kaum zu handhaben ist. Mir täte es gut, wenn ich den Senf aus einem Eimer dosieren könnte. Dann könnte ich würzen, wie ich es mag. Zum anderen würde der Plastikmüll weiter reduziert, was in diesen Zeiten auch umweltfreundlich ist. Insgesamt aber haben wir uns wohlgefühlt zwischen all den Mitmenschen an den weißen Tischchen, die hier ebenfalls frühstückten - oder zu Mittag aßen, wie die großen Portionen nebenan suggerierten.

Fischzucht Schaeffer Bolanden


Fischfrühstück

Wer keine Lust auf Fleisch hat, für den gibt es auf dem Wochenmarkt auch einen mobilen Fischstand. Fischzucht Schaeffer im pfälzischen Bolanden aber züchtet schon lange nicht mehr. Heute hat man sich auf den Verkauf der Wassertiere spezialisiert, macht das fahrbare Kühlhaus mit Kühltruhe und Friteuse dreimal wöchentlich zwischen Dom und Gutenbergmuseum Station. Im Angebot sind neben frischen Salz- und Süsswasserfischen Räucherlachs und Matjes, Rollmops und Salzhering, aber auch Hering in Gelee und Bratrollmops. Zu essen gibt es Fischbrötchen (2,00-4,00 €), die je nach Wunsch unter anderem mit Bismarkhering oder Nordseekrabben belegt werden. Wir haben Lust auf ein Stück Fisch und müssen uns zwischen Seelachs und Tilapia entscheiden, einer Art Buntbarsch, der warmes Süßwasser liebt.

Marktstand Fischzucht Schaeffer

Wir entscheiden uns für den Seelachs samt Kartoffelsalat (5,00 €), den man aus einem Eimer schöpft. Nicht unbedingt lecker, aber sättigend. Das Filet kommt kurz in die Friteuse, aus der es wenig später auf einem Stück Pappe über den Tresen gereicht wird. Leider hat das Filet noch ein paar Gräten, was nicht gerade zur Frühstücksfreude beiträgt. Dafür schmeckt er auch wirklich nach Seelachs - also nach Dorsch, denn Seelachs gibt es ja eigentlich gar nicht, wird von der Fischindustrie nur so genannt, weil sich der Köhler, wie er richtig heißt, so besser verkauft. Zu Trinken gibt es nichts am Fischstand - nur den Hinweis, das um die Ecke der Weinstand offen sei.