Heft 256 Januar 2012
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Demonstration

Demonstration am Frankfurter Flughafen

»Müde Kinder lernen nicht!«


Mädchen mit Lärmschutzkopfhörern

12. Dezember 2011, Montagsdemonstration, die vierte: Wir sind erstmals auf dem Weg zum Frankfurter Flughafen. Mit der S-Bahn, Abfahrt vom »Römischen Theater«. Viele Gleichgesinnte stoßen hinzu, mit Bannern und Schildern, auf denen Parolen gegen den Fluglärm und für ein dauerhaftes Nachtflugverbot stehen. Schon im Zug ist die Dynamik und Motivation der Menschen, die ein Ziel vereint, wahrzunehmen. Am Terminal 1 in der Abflughalle B erwartet uns eine große Zahl von Demonstrationsteilnehmern und eine unglaubliche Stimmung. Schätzungsweise 3000 Protestler, mehrheitlich im Alter ab 40 Jahre, aus zahlreichen rheinland-pfälzischen und hessischen Orten, teils ganz nah, teils etwas weiter weg vom Flughafen. Darunter Mainz-Weisenau, Mainz-Oberstadt und Nierstein, Niederrad, Flörsheim und Gelnhausen. Alle demonstrieren mit ihrer Anwesenheit, dass sie die Situation nicht hinnehmen, sondern mit aller Kraft ändern wollen. Wir reihen uns ein in die Menge und rufen im Chor: »Die Bahn muss weg«, und meinen damit die Stilllegung der neuen Landebahn. Pauken, Tröten und Rasseln untermalen lautstark unsere verbalen Forderungen während wir durch das Terminal ziehen. Die Reden der Sprecher verschiedener Initiativen gehen weitgehend unter im Lärm, was allerdings niemanden zu stören scheint. Das Gefühl, dass Tausende Menschen mit ihrer Präsenz für ihre Interessen an einem Strang ziehen, ist viel wichtiger. Nach anderthalb Stunden löst sich die Demonstration langsam auf und wir verabschieden uns wie selbstverständlich mit dem Satz »bis nächsten Montag«. Noch auf der Rückfahrt ist das Solidaritätsgefühl spürbar, alle reden mit Feuereifer über die Aktion, und für mich steht fest: In einer Woche bin ich wieder dabei, und das nicht zum letzten Mal, denn am 4. Februar findet die nächste Großdemonstration statt, am selben Ort.

KH

Gesundheitsschäden: 1,2 Milliarden Euro

Nachdem die Lufthansa und auch Fraport regelmäßig im Wirtschaftsteil verschiedener Tageszeitungen von Millionenverlusten auf­grund des Nachtflugverbotes sprechen, macht es in diesem Zusam­men­hang durchaus Sinn, die eingesparten Kosten im Gesundheitswesen daneben zu stellen. Überträgt man die von Professor Greiser erzielten Ergebnisse der Nachtfluglärmstudie Köln/Bonn (die vom Umweltbundesamt durchgeführt wurde) auf die Rhein-Main Region so ergibt sich, dass durch den Nachtfluglärm pro Jahr zusätzlich ca. 6.000 Schlaganfälle bzw. 16.000 Fälle von koronaren Herzerkrankung (KHK) verursacht werden. Der Mainzer Kardiologe und Gesundheitsexperte Professor Dr. Thomas Münzel hat die dadurch entstehenden Kosten für das Gesundheitssystem berechnet. Geht man von lebenslangen Kosten von 43.129 Euro pro Schlaganfallpatient (ohne indirekte Kosten durch Ausfall der Arbeitsproduktivität bzw. Frühberentung) bzw. 60.000 Euro pro Herzpatient (inklusive indirekte Kosten bedingt durch Arbeitsausfall und Frühberentung) aus, so ergeben sich Kosten von ca. 260 Millionen zur Behandlung des Schlaganfalles bzw. 960 Millionen Euro zur Behandlung der koronaren Herzerkrankung, also insgesamt ungefähr 1,2 Milliarden Euro. Diese Kosten zahlen nicht die Lärmverursacher sondern die Solidargemeinschaft über die Krankenversicherungen. Neben den direkten Gesundheitsfolgen verursacht Fluglärm, vor allem bei Nachtflügen, unzweifelhaft auch noch eine ganze Reihe an Zusatzerkrankungen wie Depressionen oder Schlafstörungen und evtl. auch Tumorerkrankungen und, dies ist gesichert, Entwicklungsstörungen bei Kindern. Erkrankungen, die zusammen sicher noch viel höheren Schaden bei Mensch und Wirtschaft verursachen. Wichtig ist, dass viele wirtschaftliche Belastungen durch veränderte Strukturen und neue Technologien lösbar sind, gesundheitliche Schäden sind allerdings nur sehr begrenzt und mit großem (finanziellen) Aufwand reversibel. In Anbetracht dieser Zahlen sprechen wirtschaftliche Aspekte nicht für eine Öffnung der Landebahn in der Nacht sondern ganz eindeutig für ein Nachtflugverbot!

WHO