Heft 255 Dezember 2011
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Weihnachtsgeschichten

Erzählend eingestimmt auf das Fest der Liebe

Von besinnlich bis skurril


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»O. Tannenbaum und die Weihnachtskugel« ist bis zum 28. Dezember in den Mainzer Kammerspielen zu sehen.

Die Adventszeit ist eine besinnliche Zeit. Mit Plätzchen, Lebkuchen, Kerzen - und schönen Geschichten. Dass es von letzteren jede Menge gibt, die auf Weihnachten einstimmen, zeigt ein Blick in die Buchhandlungen: Skandinavische Weihnachtsmärchen, Weihnachtskrimis oder Adventskalendergeschichten - dem Geist der Weihnacht sind keine Grenzen gesetzt. Und auch in den Theatern scheint alles unter dem Stern von Bethlehem zu stehen. DER MAINZER hat einige Geschichten unter die Lupe genommen und ist zu einem vielfältigen Ergebnis gekommen.

Action, Spannung und große Gefühle rund ums Fest der Liebe findet man in diesem Jahr in den Mainzer Kammerspielen. Seit nunmehr 15 Jahren bringt das Mainzer Kinder- und Jugendtheater in der Adventszeit ein Weihnachtsmärchen auf die Bühne. In diesem Jahr dreht sich alles um eine Weihnachtskugel, die Kinder Emma und Tobi und den etwas wunderlichen Herrn Tannenbaum. »Das Stück spielt in der Weihnachtszeit und ich habe versucht auch den Weihnachtsgedanken im weitesten Sinne mit einzubinden«, erzählt Otto Senn, der das Stück für das Jugendtheater geschrieben hat und selbst mitspielt. Bei »O. Tannenbaum und die Weihnachtskugel« geht es um Freundschaft, Vertrauen und darum, anderen zu helfen wenn sie in Not sind. Und in Not geraten einige Protagonisten im Verlauf des Stückes: Da wäre zum Beispiel die kleine Emma, die die Weihnachtskugel ihrer Mutter zerbricht und sich ein schönes Weihnachtsfest ohne diese Kugel partout nicht vorstellen kann. Zum Glück wohnt im Hinterhaus Herr Tannenbaum, der den Eindruck erweckt zaubern zu können: Immerhin lebt er in einem Haus, das jede Menge Überraschungen birgt und hört den ganzen Tag Opern. Doch auch Herr Tannenbaum scheint diese Weihnachten kein Glück zu haben, denn sein Haus soll einer Garage weichen. Emma und ihr Freund Tobi sind jedoch fest entschlossen Herrn Tannenbaum zu helfen »und am Ende gibt es doch noch ein richtig kitschiges Weihnachtsfest«, lacht Senn. (www.mainzer-kammerspiele.de)

Wie ein solches Weihnachtsfest in Schweden abläuft lässt sich hervorragend bei Astrid Lindgren nachlesen. In zahlreichen Erzählungen gibt die schwedische Kinderbuchautorin Einblicke in die festlich geschmückten Häuser von Pippi Langstrumpf und Co und entführt ihre jungen Leser in eine Welt, die nach Pfefferkuchen und Kerzenwachs zu duften scheint. Immer noch sehr beliebt seien diese Geschichten bei Kindern, weiß Kristina Niedermüller von der Kinder- und Jugendbücherei der öffentlichen Bücherei Anna Seghers: »Oft sind sie schon Anfang November ausgeliehen.« Ein weiterer Weihnachtsklassiker findet sich dieser Tage in den meisten Buchhandlungen. »Eine Weihnachtsgeschichte« von Charles Dickens erzählt von dem geizigen Geschäftsmann Ebernezer Scrooge, dem an Heiligabend die Geister der vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Weihnachten erscheinen, und ihn dazu bringen sein Leben zu ändern.

Auch bei Elke Heidenreich dient der Heiligabend dazu, sich mit seinem bisherigen Lebensweg auseinander zu setzen. In der Geschichte »Erika oder der verborgene Sinn des Lebens« macht sich Elisabeth auf den Weg nach Italien, um dort mit ihrem Exfreund Weihnachten zu feiern. Doch dann tritt unvermittelt Erika in Elisabeths Leben. Erika ist ein mannsgroßes Plüschschwein, das Geborgenheit vermittelt, die Menschen zum Lachen bringt und Elisabeth schließlich in eine kleine Pension lotst um dort ein feucht-fröhliches und dennoch besinnliches Weihnachtsfest zu feiern - ohne Exfreund versteht sich.

Wem das alles zu weihnachtlich-festlich klingt, der findet bei Terry Pratchett eine Weihnachtsgeschichte der skurrilen Art. In seinem Roman »Hog­father« muss immerhin der Tod höchstpersönlich antreten, um zusammen mit seiner Enkelin den Weihnachtsmann zu befreien. Da letzterer entführt wurde, steigt nun statt eines netten Weihnachtsmannes der knochige Sensemann durch den Kamin. Wie nicht anders zu erwarten, stellt sich dieser wegen mangelnder Erfahrung in Sachen Festlichkeit dabei ein wenig ungeschickt an.

Gänzlich unfeierlich gestalten sich die zahlreiche Weihnachtskurzkrimis, die sich in fast allen Mainzer Buchhandlungen finden. Hier dienen Scheren selten Bastelzwecken und unter dem Nikolauskostüm steckt nicht immer derjenige, den man erwartet.

Katrin Henrich