Heft 255 Dezember 2011
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Weihnachten feiern

Mainzer feiern international

Gutes Essen ist Trumpf


Cristina Geades
Stockfisch ist das typische portugiesische Essen für Heiligabend, sagt Cristina Geades von der »Casa Algarve«.


Rosaria Marsico
Der Panettone-Kuchen gehört zur italienischen Weihnacht wie der Christstollen zur deutschen und kommt auch bei Rosaria Marsico auf den Weihnachtstisch.


Mariusz und Beata Pluta
Mariusz Pluta küsst seine Frau Beata unter dem Mistelzweig (der eigentlich ein Stechpalmenzweig ist) - in Polen eine sehr beliebte Weihnachtstradition.


Adriana Zima (r.) und ihre Nichte Anca Svistea
Adriana Zima (r.) und ihre Nichte Anca Svistea tragen an Weihnachten rumänische Stick­hem­den und singen rumänische Weihnachtslieder.

Weihnachten ist ein Familienfest und daher immer auch ein Stück Heimat. Wer im Ausland wohnt, nimmt seine Weihnachtsbräuche deshalb oft mit. So wie viele Mainzer aus anderen Ländern, die Weihnachten feiern.

Natürlich Fisch. Was sonst kommt an Weihnachten bei Portugiesen auf den Tisch? Der eingesalzene Stockfisch bacalhau geht vor Weihnachten im portugiesischen Spezialitätengeschäft »Casa Algarve« kiloweise über die Theke. Die Inhaber Antonio und Cristina Geadas essen ihn mit ihren Kindern natürlich auch selbst am Heiligen Abend. Der bacalhau wird eher einfach zubereitet: mit gekochten Kartoffeln und couve do natal, Weihnachtskohl. »Meistens bleibt davon noch viel übrig, deshalb kommen Fisch, Kartoffeln und Kohl am ersten Weihnachtsfeiertag abends noch einmal in Olivenöl gebraten und mit Knoblauch gewürzt auf den Tisch«, erklärt Cristina Geadas.

Der eigentliche Weihnachtsfeiertag ist für die Portugiesen der 25. Dezember, erst dann gibt es für die Kinder die Geschenke - eigentlich. »Mittlerweile dürfen die Kinder aber schon am Heiligabend auspacken, damit sie nicht so herumquengeln«, sagt Cristina Geades lächelnd. Portugiesischen Kindern bringt übrigens ganz klar das Christkind und nicht der Weihnachtsmann die Geschenke, betont sie.

An Heiligabend wird es bei Rosaria Marsico, die das Spezialitätengeschäft »Bestes aus Italien« betreibt, zu Hause richtig voll. Neben ihrem Mann, ihren beiden erwachsenen Töchtern und ihrem Schwiegersohn versammeln sich auch ihre Schwester und ihr Bruder mit ihren Familien um die Weihnachtstafel. Bei den Italienern wird schon am Heiligen Abend reichlich geschlemmt. Sieben Gänge bringt Rosaria Marsico dann auf den Tisch. »Es gibt Nudeln, Gemüse und Fisch in verschiedenen Varianten, aber nie Fleisch,« erklärt sie. Das sei aber ein typisch süditalienischer Brauch.

Der klassische Weihnachtsfisch der Kalabresen ist, ebenso wie in Portugal, der Stockfisch baccalà. Am ersten Weihnachtsfeiertag gibt es den klassischen italienischen Weihnachtskuchen, den panettone. Am Abend gibt es bei Rosaria Marsico noch einmal ein großes Weihnachtmenü, mit Lasagne und danach Lamm- oder Kaninchenbraten. Am zweiten Feiertag erholt sie sich dann mit ihrem Mann von den turbulenten Festtagen, »wenn sich kein Besuch aus Italien angekündigt hat.« Der endgültige Abschluss der Feiertage ist die Nacht vom 5. auf den 6. Januar. Dann feiern die Italiener epifania. An diesem Tag kommt die Hexe Befana - die dem italienischen Volksglauben zufolge das Weihnachtsfest verpasst hat - und schenkt den Kindern Süßigkeiten. Dafür kennen sie das Nikolausfest am 6. Dezember nicht.

Messen, Mistelzweige und Lieder

In Polen geht es katholisch zu. Das ist kein Klischee, zumindest, wenn es um Weihnachten geht. Das ist auch bei Mariusz und Beata Pluta so. Der Bauingenieur und die Lehramts-Anwärterin stammen aus Schlesien, haben sich aber in Mainz kennen gelernt. Selbst wenn sie an Weihnachten einmal nicht bei den Eltern in Polen verbringen, die typischen Bräuche wahren sie. Am Heiligabend wird ordentlich aufgetischt - doch auch die Polen verzichten hier noch auf Fleisch.

»Dafür gibt es zwölf verschiedene Gerichte, die alle auf einmal auf den Tisch kommen. Dann muss während des Essens keiner mehr aufstehen«, sagt Beata. Dazu gehören mehrere Suppen, zum Beispiel mit Pilzen oder mit getrockneten Beeren, Fischgerichte wie Karpfen oder saurer Hering und Krautsalate. Gedeckt wird immer für eine Person mehr, als anwesend sind. »Falls doch noch jemand kommt, den man dann direkt an den Tisch bitten kann«, sagt Mariusz Pluta. Stroh, das unter die Tischdecke gelegt wird, erinnert an die Geburt Jesu im Stall. Und natürlich gehen alle in die Christmette. Und in die Weihnachtsmessen am 25. und am 26. Dezember. Ob man will oder nicht. »Ich bin eigentlich nicht sehr gläubig, aber meine Eltern gehen nicht aus dem Haus, bis ich mich auch für die Kirche fertiggemacht habe«, sagt Mariusz Pluta.

Den in Polen sehr beliebten Brauch, sich unter dem Mistelzweig zu küssen, praktizieren auch die Plutas mit Begeisterung. »Man küsst aber nicht nur seinen Liebsten, sondern auch zum Beispiel seine Eltern oder Geschwister«, erklärt Beata Pluta. In Rumänien ist der 24. Dezember bestimmt vom Weihnachtslieder singen, dem acolinda. »Man geht zu Freunden und Verwandten, singt vor der Tür, und danach trinkt man zusammen ein Glas«, berichtet Adriana Zima. Auch sie erwartet jedes Jahr nach der Kirche ihre Nichte Anca Svistea und ihre Familie, die ihnen im Türrahmen ein Ständchen bringen.

Sind alle da, kommt für die Kinder der Weihnachtsmann, dem die Kinder etwas vorsingen, sonst gibt es keine Geschenke. Beim Weihnachtsessen nach der Bescherung dürfen auf keinen Fall Kohlrouladen (sarmale) fehlen. Während am 24. Dezember noch im kleinen Kreis gefeiert wird, kommt bei Adriana Zima am 1. Weihnachtsfeiertag dann die Großfamilie mit mehr als 30 Personen zu Besuch. »Zum Weihnachtsfest braucht man doch viele Gäste, sonst spürt man die Feier nicht«, sagt sie.

Alice Gundlach

Muttersprachliche Weihnachtsgottesdienste in Mainz:

Italienisch: 24. Dezember, 17 und 24 Uhr, St. Emmeran, 25. Dezember: 9 Uhr, Herz Jesu (Mombach), 11.30 Uhr und 16 Uhr St. Emmeran, 26. Dezember: 9 Uhr Herz Jesu (Mombach), 11.30 Uhr, 18.30 Uhr St. Emmeran

Kroatisch: 24. Dezember, 22 Uhr und 25. Dez.: 12 Uhr, St. Bonifaz

Polnisch: 24. Dezember, 9 Uhr, St. Emmeran, 24 Uhr: St. Ignaz, 25. und 26. Dezember: 11.30 Uhr, St. Ignaz

Portugiesisch: 25. Dezember, 10 Uhr, St. Antonius

Rumänisch: 25. Dezember: 11.30 Uhr, St. Quintin

Spanisch: 25. Dezember, 12 Uhr, Liebfrauenkirche (Neustadt)

Deutsch-Afrikanische Christmette (Deutsch, Englisch, Französisch) 24. Dezember: 24 Uhr, Liebfrauenkirche (Neustadt)