Heft 255 Dezember 2011
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Stadtteile

Marienborn

»Fahrbarer Laden« als Ersatz?


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Seit der Spar-Markt Ende 2008 aus Altersgründen geschlossen wurde, konnte noch kein anderer Betreiber gefunden werden.

Ein Bäcker, ein Metzger, ein Lotto-Toto-Laden, eine Apotheke und ein Friseur - Marienborn leidet seit langer Zeit unter einem Mangel an Geschäften. Seit Juli gibt es noch nicht einmal mehr eine Bank in dem zweitkleinsten Stadtteil von Mainz. »Ich kann die Entscheidung der Sparkasse ihre Filiale in Marienborn zu schließen zwar nachvollziehen, aber trotzdem war das ein harter Schlag für uns«, erklärt Ortsvorsteher Bernd Noll. »Aber auch eine Bank ist ein Unternehmen und muss wirtschaftlich arbeiten.«

Vor einigen Jahren gab es noch ein reges Geschäftsleben in Marienborn, heute muss man, um an das Nötigste zu kommen ein Stück weit fahren. »Wir haben in der Nähe - direkt hinter der Autobahn - einen Aldi, einen Lidl, den Neukauf. Aber man braucht, um dort einzukaufen ein Auto.« Eine Schwierigkeit für die älteren und behinderten Marienborner. »Aus diesem Grund fährt jeden Mittwoch ein Bus des Roten Kreuzes mit einigen Interessierten - das sind meistens fünf bis sechs ältere Damen - zum Einkaufen. So ist wenigstens der wöchentliche Einkauf dieser Senioren abgedeckt.« Weil das aber noch nicht reicht, spielt Noll mit einer anderen Idee. »Wir überlegen, ob es nicht möglich wäre, einen fahrbaren Laden dazu zu bekommen, wenigstens einmal in der Woche nach Marienborn zu kommen. Das klappt bei vielen kleinen Dörfern ja auch.« Für die Bankkunden kann der Ortsvorsteher aber nur wenig tun. Immerhin gibt es einen Geldautomaten. »Der immer wieder geäußerte Wunsch, die Sparkassen-Filiale könne doch zumindest für einige Stunden in der Woche öffnen, ist unrealistisch. Das würde für die Bank noch mehr Aufwand bedeuten als vorher.« Und so müssen die Marienborner für ihre Bankgeschäfte in die Stadt.

Die Großen Ketten winken ab


Für den Großteil der dortigen Bevölkerung auch kein Problem. »Viele der jungen Familien und Studenten kaufen sowieso in der Stadt ein. Deshalb gibt es ja bei uns auch immer weniger Geschäfte - diese wären einfach nicht konkurrenzfähig. Und allein von einem vergessenen Einkauf, kann niemand leben.« Die großen Ketten winken also gleich ab und selbst ein Cap-Markt - laut eigener Werbung genau für solche Orte wie Marienborn geeignet - will sich hier nicht ansiedeln. »Es ist ein Problem, aber ich sehe zurzeit keine Chance daran etwas zu ändern.«

Das größte Manko sieht Noll allerdings nicht beim täglichen Einkauf, sondern in der fehlenden Kommunikation. »Dadurch geht der dörfliche Charakter des Ortsteils auch ein Stück weit verloren. Früher hat man mit der Kassiererin immer noch ein Schwätzchen halten können, sich über die neuesten Neuigkeiten informieren können.« Auch wenn die paar Läden noch da sind, weiß keiner wie lange noch. Die fehlende Bank-Filiale war nicht der Anfang und wird auch nicht das Ende des Ladenschwunds in Marienborn sein.

Daniela Tratschitt