Heft 255 Dezember 2011
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Stadt der Wissenschaft

Zum Abschluss eine Bilanz und ein großes Fest

Der Sprung aus dem » Elfenbeinturm« ist geglückt


Stadt der Wissenschaft Plakat

Oberbürgermeister Jens Beutel und Professor Dr. Gerhard Muth, Präsident der Fachhochschule Mainz und Sprecher der Mainzer Wissenschaftsallianz, blicken auf das Jahr als Stadt der Wissenschaft zurück.

Werten Sie das Jahr als Stadt der Wissenschaft als Erfolg? Wenn ja, warum?

Professor Dr. Gerhard Muth: Eindeutig Ja. Und ich muss sagen, dass ich das nicht in diesem Ausmaß erwartet habe. Es sind Kooperationen zwischen Akteuren der Wissenschaftsallianz entstanden, die so in keiner Weise vorhersehbar waren. Bestes Beispiel dafür ist für mich das LyrikLabor, bei dem sich Innenarchitekten der Fachhochschule und Germanisten der Uni zusammengetan haben und diese Kooperation auch verstetigen wollen.

Stadt der Wissenschaft 2
Foto: Johannes Gutenberg-Universität Mainz/Peter Pulkowski

Oberbürgermeister Jens Beutel: Auch für mich ist das Jahr als Stadt der Wissenschaft ein großer Erfolg. Wir haben es geschafft, die Euphorie, die bei der Bekanntgabe der Gewinnerstadt geherrscht hat, das ganze Jahr mitzunehmen. Das gilt nicht nur für wissenschaftsaffine, sondern für alle Bürger der Stadt. Über 300 Projekte, 500 Veranstaltungen und viele Studien belegen die Vielfalt der Aktion. Wir haben in diesem Jahr wirklich vieles auf den Weg gebracht.

Worin sehen Sie die positivsten Resultate des Projekts?

Beutel: Es gab eine sehr, sehr gute Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten: Wissenschaftsallianz, Stadt, Land, Wirtschaft und Kulturschaffenden. Dadurch konnten wir eine Vielfalt in das Projekt hineinbringen, die für mich zum allerpositivsten Resultat geführt hat: Diejenigen Menschen für Wissenschaft zu begeistern, die sonst kaum mit Themen dieser Art in Berührung kommen.

Stadt der Wissenschaft
»skop-Kommunikationslabor für Wissenschaft und Gestaltung«

Muth: Die Möglichkeiten, Wissenschaft in der Öffentlichkeit zu präsentieren, sind heute stärker als zu Beginn des Jahres. Wir sind aus unserem »Elfenbeinturm« raus­gekommen. So können wir dem Steuerzahler, der ja im Endeffekt die Wissenschaft finanziert, endlich zeigen, welche positiven Dinge mit diesem Geld umgesetzt werden.

Worin lag die größte Schwierigkeit?

Beutel: Ich habe anfangs befürchtet, dass die Finanzierung Schwierigkeiten macht. Dass sich manch einer nur den Titel an die Brust heftet, aber nichts dafür macht. Aber das ist nicht eingetroffen. Jeder der Unterstützer hat sowohl Geld als auch Fähigkeiten eingebracht.

Muth: Es ist erstaunlich wie schnell, unbürokratisch und glatt die ganze Sache über die Bühne ging. Ich persönlich kann auch nicht von größeren Schwierigkeiten berichten. Klar, es gab immer wieder kleinere Teilprobleme, etwa die Statik der zeit.fenster-Würfel, aber letztendlich hat alles geklappt. Natürlich war es ein ständiges Anrennen gegen die Zeit. Manchmal bin ich zwei Tage vor einer Vernissage in eine unserer Ausstellungen und hab gedacht: Das schaffen wir nie. Aber irgendwie sind wir immer fertig geworden.

Ein wichtiger Aspekt ist die Nachhaltigkeit - welche Projekte werden weitergeführt und welche haben einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen?

Beutel: Da gibt es einige. Zum Beispiel die Transferstelle Bildung, das LyrikLabor sowie viele Studien, deren Ergebnisse nun in die weitere Arbeit einfließen. Viele der Akteure werden auch künftig zusammenarbeiten und einige Erfolgsmodelle weitermachen. Bei manchem wurde 2011 eine Liebe entfacht.

Muth: Aus Sicht der Wissenschaftsallianz ist es ganz wichtig, dass die Dynamik, die in diesem Jahr in Gang gesetzt wurde, nicht erlahmt. Der Plan ist, die Wissenschaftsallianz auf eine funktionale Basis zu stellen, ihr eine Rechtsform, einen Etat und eine Geschäftsstelle zu geben. Das Transfercafe soll als Einrichtung der Mainzer Wissenschaftsallianz über das Jahr 2011 bestehen bleiben. Ein weiteres Vorhaben ist die Einrichtung eines hochschulübergreifenden Gründungsbüros, dessen Ziel u. a. in der Förderung technologieorientierter akademischer Ausgründungen liegt. Es sollte bewusst kein Feuerwerk der Events abgebrannt werden, die nach 2011 alle vorbei sind, sondern unser Konzept war auf Nachhaltigkeit angelegt. Es wird eine Evaluation des Jahres geben, die wertvolle Hinweise liefern wird, welche Projek­te bleiben werden und in welcher Form.

Beutel: Genau das ist es. Wir haben ja auf bestehenden Strukturen aufgebaut und nicht im luftleeren Raum angefangen. 2011 wurden viele eindrückliche und augenfällige Projekte ins Leben gerufen und manche davon werden weitergeführt.

Hatten Sie ein persönliches Highlight unter den ganzen Veranstaltungen?

Beutel: Eines zu nennen, hieße andere zu vergessen. Aber ich mochte besonders gerne solche, die im Stadtraum verankert waren, wie etwa skop oder die zeit.fenster. Ich fand einfach diesen Mitmach-Effekt überzeugend.

Muth: Ich sehe das jetzt mal aus der Sicht des Präsidenten der Fachhochschule. Mir hat besonders die Zusammenarbeit der FH mit den Museen gefallen. Ich war wirklich bei jeder Ausstellung. Zur Eröffnung - und dann noch mal in aller Ruhe später. Das gilt übrigens auch für die Spektrale und das Wissenschaftslabor skop.

Wie viel Geld wurde letztendlich für das Jahr als Stadt der Wissenschaften in die Hand genommen?

Beutel: Es gab einen gemeinsamen Topf von 1,4 Millionen Euro. Darin war das Preisgeld von 250.000 Euro, ein genauso hoher Anteil der Stadt, 400.000 Euro vom Land und über 500.000 Euro von Sponsoren der Wissenschaftsallianz. Allerdings hat jedes Mitglied der Wissenschaftsallianz für die eigenen Projekte noch weiteres Geld dazugegeben, also noch etwa 750.000 Euro. Also insgesamt wurden 2,15 Millionen Euro in die Hand genommen. Außerdem muss man sagen, dass das Geld nicht ausgegeben wurde und jetzt weg ist. Aufgrund der Nachhaltigkeit vieler Projekte haben wir noch lange etwas davon, das sieht man zum Beispiel im Gutenberg-Museum.

Muth: Überhaupt war das Jahr als Stadt der Wissenschaft ein großer Imagegewinn. Der Bekanntheitsgrad der Stadt und der Bildungseinrichtungen ist unglaublich gestiegen. Es hat sich also gelohnt.

Daniela Tratschitt



Stadt der Wissenschaft
Bourbon Street Orchestra
INFO

Abschlussveranstaltung »Ausgestochen gut«, mit einem Konzert des Projektes »Chorpädagogik als Sozialarbeit«, dem Bourbon Street Orchestra, einer Chemie-Experimentalshow, mit einem unterhaltsamen Vortrag über Computer, dem Theaterstück mainz­1184, dem Lyrik-Labor, dem Medizin-Impro-Kracher des placebotheaters, ..
Samstag, 17. Dezember, 16-22 Uhr
Phönix-Halle

Eintritt frei
www.emz2.de