Heft 255 Dezember 2011
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Laufen

Zwei- und Drei-Brücken-Touren:

Vom Licht in den Schatten


Mainz bei Nacht von Kastel aus
Gut beleuchtet und innenstadtnah: Das Mainzer Rheinufer ist auch am Abend geeignet zum Joggen.

Ein Abend unter der Woche auf der Promenade am Rheinufer. Die Turmuhr der Christuskirche schlägt sieben. Obwohl es am Tag noch ungewöhnlich warm für die Jahreszeit war, hat es nun, gut eineinhalb Stunden nach Sonnenuntergang, sehr abgekühlt. Die Promenade ist dennoch gut besucht. Allerdings wird hier nicht flaniert - hier wird gejoggt. Ob allein, zu zweit oder mit dem Lauftreff - um 19 Uhr abends ist es Zeit für die abendliche Runde, das ganze Jahr über.

Das Rheinufer ist eine der beliebtesten Laufstrecken der Mainzer Freizeitsportler. Die Promenade ist von der Innenstadt aus gut zu erreichen, die ebene Strecke mit Blick aufs Wasser verspricht Entspannung beim Training. Dank der Brücken kann man richtige Runden laufen. Beliebt sind der Zwei-Brücken- und der Drei-Brücken-Lauf mit Abstechern auf die andere Rheinseite.

Doch wenn die Tage kürzer werden, bleiben die meisten Läufer lieber auf der Mainzer Seite. Thorsten Leiske aus Weisenau ist ein passionierter Freizeitläufer. Seine Lieblingsstrecke ist das Rheinufer. Dort joggt er mindestens zweimal pro Woche, auch im Winter. »Es macht Spaß, den Wechsel der Jahreszeiten mitzuerleben", sagt der 37-jährige Vermessungsingenieur. Seine Standardstrecke ist die Rheinpromenade von Weisenau bis zum Fischtorplatz und zurück. So lange es draußen noch hell ist, läuft er auch einmal die Drei-Brücken-Tour: Vom Rheinufer vor Weisenau über die Eisenbahnbrücke, durch Gustavsburg, über die Mainbrücke auf die Maaraue, von dort nach Kastel und über die Theodor-Heuss-Brücke zurück nach Mainz.

Die Rheinpromenade und die Brücken sind abends immer beleuchtet, und da sie auch Verkehrswege für Fußgänger sind, streut die Stadt sie bei Schnee. Üblicherweise, muss man einschränkend sagen, denn bei besonders hartnäckigen und lang anhaltenden Schneefällen wie in den vergangenen beiden Wintern haben die Hauptverkehrsstraßen in der Stadt Vorrang.

Anders sieht es auf der Maaraue aus: Hier wird es nach Einbruch der Dunkelheit mangels Laternen stockfinster, und gestreut wird in dem Naherholungsgebiet auch nicht. »Da läuft abends eigentlich keiner mehr«, hat Thorsten Leiske beobachtet. Auch seine Freundin, die mit einer Bekannten auf der Strecke walkt, begnüge sich in der winterlichen Dunkelheit damit, die beiden Rheinbrücken und die Promenade auf der Mainzer Seite abzulaufen.

Ungemütlich

Thorsten Leiske beim Brückenlaufen
Thorsten Leiske läuft häufig die Drei-Brücken-Tour. Im Winter zieht es ihn aber nur dann auf die andere Rheinseite, wenn es noch hell ist.

Die Freunde der Zwei-Brücken-Tour in der Nähe der Neustadt zieht es abends im Winter ebenfalls nicht mehr auf die andere Rheinseite. Zwischen Frauenlob-Brunnen und Theodor-Heuss-Brücke herrscht auch im Dunkeln reger Läufer-Verkehr. Die Strecke ist durchgehend gut beleuchtet: Neben den Laternen spendet die nahe Rheinallee viel Licht. In Mainz ist man eben auch am Rheinufer fast noch mitten in der Stadt. Über die Theodor-Heuss-Brücke kreuzen noch einige Läufer, doch danach ändert sich die Situation schlagartig. Am Kasteler Rheinufer entlang, Richtung Eisenbahnbrücke, die zum Zollhafen führt, ist dies am Tag eine angenehme Strecke; mit einbrechender Dunkelheit wird es dort aber ungemütlich. Der Weg direkt am Rhein entlang ist zwar auch von Laternen gesäumt. Doch zwischen der Promenade und den ersten Wohnhäusern liegt ein gut 50 Meter breiter Streifen Wiese im Stockdunkeln. Da verwundert es nicht, dass in dieser Abgeschiedenheit so gut wie kein Jogger - und vor allem keine Joggerin - unterwegs ist.

Zurück auf der Mainzer Seite - es ist inzwischen fast 20 Uhr - ist die Situation unverändert lebhaft. Die meisten Jogger kündigen sich schon von weitem an: Sie tragen Jacken mit Reflektorstreifen, Stirnlampen oder rote Blinklichter am Arm. Die wenigen Mutigen, die noch kurze Hosen tragen, sind entweder ganz Hartgesottene oder bereuen ihre Entscheidung wahrscheinlich.

An kalten Tagen empfiehlt sich dem Läufer ein Sportdress nach dem Zwiebelprinzip, also mehrere Schichten, die übereinander getragen werden. Nur eine dicke Winterjacke über der normalen Sportkleidung ist nicht zweckmäßig. Auch Kleidung aus Baumwolle eignet sich zum Laufen grundsätzlich nicht, weil sie den Schweiß nur aufsaugt. Durch die feuchte Kleidung kühlt der Körper unnötig aus: Hier droht Erkältungsgefahr. Thorsten Leiske macht es richtig: Er trägt an ganz kalten Tagen am Körper anliegende Funktionskleidung aus Polyamid, darüber eine dünne Fleecejacke und darüber wiederum eine Windjacke.

Richtige Laufhosen liegen eng an den Beinen an, für den Winter nimmt Thorsten Leiske Modelle, die das gesamte Bein bis zu den Knöcheln bedecken. »Manchmal wird es aber selbst mit der Laufhose zu kalt, dann ziehe ich noch eine weite Trainingshose drüber«, erklärt er. Das schützt gegen den manchmal recht scharfen Wind, der an einigen Wintertagen am Rheinufer weht.

Alice Gundlach