Heft 255 Dezember 2011
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Heiraten

Welcher Ehename darf es denn sein?

Die Vielfalt des Namensrechts


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Die Entscheidung zu heiraten trifft mancher relativ schnell. Steht das fest, beginnt die Arbeit. Und dabei geht es nicht nur um die oft aufwendigen Hochzeitsvorbereitungen. Es geht auch darum Entscheidungen zu treffen, die auf das ganze restliche Leben eine Auswirkung haben. Eine davon ist, welchen Nachnamen man später tragen möchte.

Früher war das einfach. Bis 1958 stellte sich die Frage nach dem Ehenamen gar nicht. Da stand im Bürgerlichen Gesetzbuch ganz klar: Der Familienname des Mannes wird zum gemeinsamen Ehenamen. Keine Diskussion - wenigstens bis dahin. Übrigens: Das Wort Nachname gibt es im Amtsdeutsch nicht, da gibt es Familien- und Ehenamen. Mit ersterem wird man geboren, den zweiten nimmt man mit der Ehe (vielleicht) an. Bis 1976 konnten sich die Ehefrauen entscheiden, ihren Namen entweder vor oder nach den Nachnamen ihres Gatten zu stellen. Der Doppelname war geboren. Mann hieß zwar immer noch Müller, aber Frau konnte wenigstens Müller-Schmidt heißen. Für die Kinder war bis dahin der Name des Mannes bindend.

Ab 1976 wurde es verwirrend, denn auch ein Doppelname war als Ehenamen möglich und die Kinder hießen dann zum Beispiel Müller-Schmidt. Nach deren Heirat konnten sie wiederum einen »Doppelnamen« annehmen, der eigentlich ein Dreifach- oder Vierfachnamen war. Bestes Beispiel: die bekannte deutsche Biathletin Simone Greiner-Petter-Memm. Am 1. April 1994 war endgültig Schluss: Das Namensrecht wurde geändert, Dreifachnamen verboten und ansonsten vieles erlaubt.

»Und damit wurde unsere Arbeit noch umfangreicher«, erklärt Sybille Hanspach, Leiterin des Mainzer Standesamtes. »Zu jeder Eheschließung gehört es dazu, dass der Standesbeamte das Braut­paar ausgiebig über seine Möglichkeiten aufklärt. Denn es besteht noch bis zum Jawort die Chance, sich anders zu entscheiden.«

Helene Illenseer
Helene Illenseer hat sich mit ihrem Mann Andreas Illenseer für einen gemeinsamen Ehenamen entschieden: »Es war gar keine Frage, für uns ist das ein verbindendes Element in der Ehe.«

Die Auswahlmöglichkeiten sind groß: Entweder man entscheidet sich ganz traditionell dafür, dass die Frau den Familiennamen ihres Mannes annimmt oder etwas emanzipierter, dass der Mann den seiner Frau annimmt. Dann kann man sich noch für einen Doppelnamen entscheiden, allerdings nur einer von beiden oder man behält seinen Familiennamen. Dasselbe gilt übrigens auch bei Eingetragenen Lebenspartnerschaften. »Die sind in diesem Fall der Ehe gleichgestellt.« Viele der gleichgeschlechtlichen Brautpaare entscheiden sich übrigens dafür, ihre Namen zu behalten.

»Wenn einer der Partner Ausländer ist, wird das Ganze noch komplizierter«, weiß Hanspach. »Denn die Eheleute müssen sich in diesem Fall nicht nur für einen Namen entscheiden, sondern zuerst einmal dafür, nach welchem Recht es geht. Für diesen Fall habe ich einen ganzen Schrank voll mit

Büchern zum internationalen Namensrecht.« Man sollte nicht dem Vorurteil erliegen, Standesbeamter wäre ein entspannter Job. »Wir begleiten die Menschen von ihrer Geburt bis zum Tod. Jede Änderung des Personenstandes wird von den deutschen Standesämtern akribisch festgehalten.« In anderen Ländern läuft das zum Leidwesen der Beamten nicht immer so korrekt. »Bei der Anmeldung einer Eheschließung brauchen wir immer eine aktuelle Geburtsurkunde - denn darin ist alles enthalten. Auf die Echtheit oder Exaktheit ausländischer Urkunden kann man sich allerdings nicht immer verlassen.« Deshalb ist in den Räumen des Mainzer Standesamtes schon manch dunkles Geheimnis enthüllt worden. »Manchmal findet man heraus, dass es diese Person eigentlich gar nicht gibt, bisweilen erfahren Menschen, dass sie adoptiert worden oder unehelich geboren sind und wieder andere merken, dass der zukünftige Partner schon verheiratet war oder ist.«

Wenn alles glattgegangen ist, entscheidet man gemeinsam, wie es namentlich weitergeht. In diesem Jahr haben in Mainz etwa 800 Paare geheiratet, etwa einhundert davon haben keinen gemeinsamen Familiennamen. Von den 700 anderen haben 650 den Namen des Mannes als Ehenamen gewählt, 50 den der Ehefrau. 66 der 700 haben sich zusätzlich für einen Doppelnamen entschieden. Prozentual gesehen nur ein leichter Unterschied zu den vergangenen Jahren. »Bei uns ist es immer noch üblich, dass ein Ehename gewählt wird, im Normalfall der des Mannes. Die Frauen stecken da oft zurück«, erklärt die Standesbeamtin. »Wenn die Männer einen weit verbreiteten oder einen unangenehmen Namen haben, dann nutzen Frauen diese Chance.« Auch die Annahme von Doppelnamen ist nicht mehr oder weniger geworden. »In den 1970er Jahren gab es einen regelrechten Boom, weil wir Frauen endlich die Chance bekommen hatten, unseren Namen zu behalten, aber inzwischen hat sich das eingependelt.«

Daniela Tratschitt