Heft 255 Dezember 2011
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Alltagsfragen

Nadelbäume:

Auch im Winter grün


Fichtengrün
Fichten sind zwar das ganze Jahr über grün, ihre Nadeln sind im Winter aber blasser als im Sommer.

Ein Weihnachtsbaum mit vertrockneten Nadeln oder kahlen Ästen? Ein Unding! Zum Glück gibt es Tannen und Fichten, die auch in der kalten Jahreszeit schön grün sind. Nur, wieso sind Nadelbäume das ganz Jahr über grün? DER MAINZER hat im botanischen Garten der Uni Mainz nachgefragt.

»Um zu verstehen, warum Nadelbäume im Winter ihr Laub behalten, muss man sich zunächst ansehen, wo sie ursprünglich herkommen«, meint Ralf Omlor, Kustos des Botanischen Gartens und erklärt weiter: »Bis ins 18. Jahrhundert hinein gab es in unseren Breiten nämlich tatsächlich, bis auf wenige Ausnahmen, nur Laubbäume.« Wer Tannen oder Fichten zu Gesicht bekommen wollte musste ins Gebirge oder in die großen Nadelwälder Skandinaviens oder Russlands fahren. »In diesen Gegenden ist das Klima kälter und die Sommer sind recht kurz. Die Bäume dort müssen also eine Strategie wählen, bei der sie die kurze Vegetationsperiode möglichst optimal nutzen können. Und das geht am besten in dem sie die Blätter das ganze Jahr über behalten«, weiß Omlor.

Der Vorteil dieser Taktik liegt auf der Hand: Die Bäume können die ersten Frühlingsstrahlen voll ausnutzen, da sie bereits über Blätter verfügen, die mit Hilfe des Chlorophylls die Sonnenenergie in chemische Energie umwandeln. Laubbäume müssen dagegen im Frühling erst neue Blätter austreiben. Eine heikle Phase, besonders wenn sie durch plötzlichen Frost wieder abgebremst wird. Im Spätherbst verhält es sich ähnlich: Hier fangen die Nadelbäume noch die letzten Sonnenstrahlen ein, während manch ein Laubbaum schon seine ganzen Blätter abgeworfen hat. »Man könnte also sagen, dass die Nadelbäume die Übergangsphasen Frühling und Herbst optimieren, während die Laubbäume eher den Sommer voll ausnutzen können«, fasst Omlor zusammen.

Tannengrün
Die Nadeln der Immergrünen sind mit Wachsen überzogen, das schützt vor dem Austrocknen

Bliebe noch die schwierige Zeit des Winters: »Die größte Gefahr für die Bäume ist in dieser Jahreszeit, die des Austrocknens«, erklärt Omlor. Da die Böden gefroren sind, können die Bäume kein Wasser aufnehmen. Für den Baum ist es daher wichtig, das vorhandene Wasser nicht mittels Verdunstung zu verlieren. »Die Nadeln, durch die das Wasser am leichtesten verdunsten könnte, sind stark imprägniert und mit Wachsen überzogen. Auf diese Weise soll der Feuchtigkeitsverlust minimiert werden.« Und noch eine Vorsichtsmaßnahme ist im Winter nötig: »Viele Nadelbäume reduzieren ihr Chlorophyll. Sie sind dann zwar immer noch grün, aber nicht mehr ganz so grün wie im Sommer.«

Hintergrund: Das Chlorophyll in den Nadeln dient dazu, die Sonnenenergie in chemische Energie umzuwandeln. Dieser Prozess findet immer statt, wenn die Sonne scheint. In einem zweiten Schritt muss diese chemische Energie aber noch in Zuckerverbindungen umgewandelt werden - dazu bedarf es einer bestimmten Mindesttemperatur. Wird diese nicht erreicht, kann der Prozess nicht in Gang gesetzt werden und es kommt zu einem Energiestau, der Schäden in den Nadeln hervorrufen kann. Durch weniger Chlorophyll wird dieser Gefahr entgegen gewirkt.

Katrin Henrich