Heft 254 November 2011
Die Tester
Guiseppe Dato
Guiseppe Dato
Günther Jertz
Günther Jertz
Melitta Soost
Melitta Soost
Katja Mailahn
Katja Mailahn
Ewald Dietrich
Ewald Dietrich
Thomas Jung
Thomas Jung
Achim Weitzel
Achim Weitzel
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Titelstory

Pizzalieferdienste im Vergleich

Wenn der Pizzamann zweimal klingelt


Die Siegerpizza

Samstagabend, der Kühlschrank gibt keine anständige Mahlzeit mehr her, und das Tiefkühlfach ist auch geplündert. Was nun? Jeder hat irgendwann einmal in seinem Leben vor einer solchen Situation gestanden, und wer keine Lust hat Essen zu gehen, greift zwangsläufig zum Telefon und bestellt sich des Deutschen liebstes Lieferprodukt: eine Pizza. Ob aus Hunger, aus Faulheit, aus Gewohnheit oder mit Freunden zum Fußball, eine Pizza zur Tür gebracht zu bekommen, ist ein gerne in Anspruch genommener Luxus, vor allem unter den Jüngeren. Aber kaum ist der Telefonhörer in der Hand, kommt die Kardinalfrage: Wo bestelle ich? Dieses Problems hat sich in diesem Monat DER MAINZER angenommen und präsentiert den Test der Mainzer Pizza Lieferdienste!

Im Oktober trafen sich im Büro des MAINZERs sorgfältig ausgewählte Personen aus Mainz und allesamt Pizzafreunde: Guiseppe Dato, Inhaber des Incontro, Al Cortile und des Pizza Pepe in der Augustinerstraße in Mainz als fachkundiger Pizza-Fachmann, Günther Jertz, Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer, Melita Soost, Leiterin des Haus Burgund, Katja Mailahn, Inhaberin des Privatrestaurants und der Kochschule »Fachwerk Im Eulengarten« in Vendersheim, Ewald Dietrich, Geschäftsführer des Mainzer Unterhauses, Thomas Jung, Inhaber des Möbelgeschäfts Jung und Achim Weitzel, Geschäftsführer des Saturn Mainz.

Aus der großen Masse an Lieferdiensten in Mainz haben wir für den Anfang eine zufällige Auswahl von zwölf Diensten getroffen und werden demnächst die anderen testen. Wir bestellten zum besseren Vergleichen nur normalgroße Salamipizzen für Punkt 18 Uhr: drei Lieferdienste kamen zu früh, einer genau Punkt 18 Uhr, drei bis zu zehn Minuten, weitere drei bis zu 20 Minuten und zwei sogar eine halbe Stunde zu spät. Die Pizzen wurde blitzschnell fotografiert, vermessen und mit einer Ziffer anonymisiert. Die Juroren sahen pro Pizza nur eine Ziffer, die Herkunft der Pizzen waren somit den Juroren unbekannt.

Die Siegerpizza Von unseren zwölf bestellten Pizzen waren nur zwei so groß wie beschrieben, immerhin eine sogar größer als angegeben. Die Preise lagen zwischen 5-10 ?, erhöht durch den manchmal verlangten Mindestbestellwert. Unsere Bewertungskriterien waren Aussehen, Geruch und Geschmack. Es ist eine erstaunliche Erkenntnis, dass nur vier Pizzen eine Wertung erhalten haben, bei der man sagen kann: »Hier würde ich noch einmal bestellen«. Nach hitzigen Diskussionen und viel verspeister Pizza sind unsere Juroren also zu folgendem Ergebnis gelangt:

Unser Sieger ist Pizzeria Roma (Große Langgasse 6, Tel: 06131 600 77 44, 10 ? Mindestbestellwert). Die Pizza wurde pünktlich geliefert und überzeugte im ersten Eindruck durch Aussehen und Geruch. Geschmacklich glänzte sie mit einer überaus würzigen Tomatensauce die definitiv einiges an Oregano gesehen hat - sie gewann somit souverän.

Nur knapp geschlagen auf dem zweiten Platz: La Bella Heimservice (Kurfürstenstr. 12, Tel: 06131 14 31 589, 8 ? Mindestbestellwert). Die Pizza wurde zehn Minuten zu früh geliefert, war genau so groß wie beworben und überzeugte hauptsächlich mit einer ansehnlichen Optik und einem schön aufgegangenen Hefeteig, war aber sehr käselastig. Unser dritter Platz geht an Baba (Weintorstr. 6, Tel: 06131 4985083, 10 ? Mindestbestellwert aber für 6 ? geliefert). Die Pizza kam 27 Minuten zu spät und war zwei Zentimeter kleiner als beworben, hat aber durch guten Geschmack und einen guten Teig den schlechten Einstieg wettgemacht und sich sogar unter den besten Drei platziert. Wir gratulieren den Gewinnern sehr herzlich und wünschen unseren Lesern viel Spaß und guten Appetit bei der nächsten Bestellung.



Tabelle Wertung Pizzalieferdienste

Qualität und Preis
Um eine Pizza zu einem konkurrenzfähigen Preis anbieten zu können, müssen beinahe zwangsläufig bei der Qualität der Produkte Abstriche in Kauf genommen werden. Immer wieder tauchen in den Medien Debatten über den sog. »Analogkäse« auf, der im Grunde nichts anderes als in Käseform gebrachtes Fett und Eiweiß ist. Formfleischvorderschinken sind gepresste Fleischreste, und Vorsicht ist auch bei Salami angebracht, die mit einer kleinen Ziffer markiert ist, die darauf verweist, dass Farbstoff enthalten ist.

Diese Salami ist oft im Grunde nur Fett, das eingefärbt wie eine Wurstscheibe aussieht und sich beim Backprozess soweit auflöst, dass die Pizza entweder in Fett schwimmt oder extra viel Käse benötigt wird, um das überschüssige Fett aufzusaugen. Diese Maßnahmen sehen leider viele Betriebe als notwendig an, um einen Preis veranschlagen zu können, um auf dem Markt zu bestehen. Wir als Verbraucher sollten daher nicht so vermessen sein und für unsere paar Euro eine Top-Qualität erwarten. Aber allzu schlecht ist auch nicht attraktiv. Zu dem günstigen Preis kommen die Fahrtkosten hinzu und ein neues Problem.

Jeder Betrieb wird vom Gesundheitsamt kontrolliert, aber wer kontrolliert die Autos, in denen die Pizzen geliefert werden? Wer garantiert dem Verbraucher, dass nicht im selben Auto ein paar Stunden vorher beispielsweise ein Hund mitgefahren ist? Viele Pizzadienste verwenden private Autos zum Ausliefern ihrer Pizzen.

Und eine Pizza mit krossem Boden an die Tür gebracht zu bekommen, ist beinahe unmöglich, da die dampfend heiße Pizza selbst dafür sorgt, dass ihr Boden bei der Ankunft durchweicht ist. Abgesehen davon, dass es eine kleine Kunst ist, den Hefeteig richtig »gehen« zu lassen und ihn nicht zu »töten«.

Wem diese Pseudo-Schreckensszenarien nichts ausmachen, muss sich nur noch damit abfinden, dass nur bei wenigen Lieferdiensten wirklich nur eine Pizza bestellt werden kann. Manche Pizza-Lieferan- ten fordern einen Mindestbestellwert, der meist deutlich über dem Preis einer einfachen Pizza liegt, sodass ein Getränk oder eine weitere Speise mitbestellt werden müssen.

MHO