Heft 254 November 2011
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Hochschulen

Studieren und den Lebensunterhalt finanzieren

Stipendien als Finanzspritze


genehmigt Stempel

Studieren könnte so schön sein, wäre da nicht der schnöde Mammon. Rund 760 Euro muss ein Student laut einer Studie des Deutschen Studentenwerks im Monat aufbringen, um seinen Lebensunterhalt zu finanzieren. In Mainz sind es vor allem die relativ hohen Mietpreise, die den hiesigen Studierenden ein Loch in die Geldbörse reißen: Durchschnittlich 330 Euro monatlich müssen hier für die Unterkunft eingeplant werden, errechnete eine im Juli veröffentlichte Studie des Geografischen Instituts der Uni Mainz. Für viele der rund 40.000 Mainzer Studierenden stellt sich hinsichtlich dieser Zahlen die Frage nach einer ausreichenden Studienfinanzierung.

Christian Wölfelschneider von der studentischen Initiative »Arbeiterkind.de« sind diese Sorgen bekannt: »Bei Arbeiterkind versuchen wir alle möglichen Fragen, die das Studium betreffen zu beantworten. Die nach der Finanzierung kommt dabei immer wieder auf.« Der Politik- und Geschichtsstudent spricht aus eigener Erfahrung: »Zur Zeit finanziere ich mein Studium durch zwei Nebenjobs.

Allerdings bewerbe ich mich auch gerade um ein Stipendium.« Auf diese Idee habe ihn seine Freundin gebracht, die bereits Stipendiatin ist. Etwas abschreckend fand er anfangs allerdings die große Anzahl verschiedener Stipendienmöglichkeiten: »Es ist sehr zeitintensiv herauszufinden, was es überhaupt gibt und welches Stipendium für einen selbst in Frage kommt«, erinnert sich Wölfelschneider.

Ein erster Überblick zeigt, dass sowohl die Parteien als auch die Kirchen über verwandte Stiftungen verfügen, die Stipendien an begabte und engagierte Studierende vergeben. »Es gibt zum Beispiel die CDU nahe Konrad-Adenauer-Stiftung, die SPD nahe Friedrich-Ebert-Stiftung oder das Cusanuswerk, das der katholischen Kirche nahe steht«, meint Wölfelschneider. Daneben verfügen auch Grüne und FDP mit Heinrich-Böll- bzw. Friedrich-Naumann-Stiftung über parteinahe Institutionen.

Bewerben kann sich grundsätzlich jeder Student, »allerdings sollte man sich schon mit der jeweiligen Partei oder Institution identifizieren können«, sagt Wölfelschneider. Wem hier die Wahl schwer fällt, kann sich auch bei einer der beiden parteiunabhängigen, großen Stiftungen, der Studienstiftung des deutschen Volkes oder der Stiftung der deutschen Wirtschaft bewerben.

Sehr gute Noten und Engagement

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Christian Wölfelschneider engagiert sich ehrenamtlich bei »Arbeiterkind.de«, eine Initiative, die Schüler/innen nicht-akademischer Herkunft mit praktischen Informationen und einem deutschlandweiten Netzwerk von Mentor/innen zum Studium ermutigt und sie auf ihrem Weg zum erfolgreichen Studienabschluss unterstützt.

Das Bewerbungsverfahren ist von Stiftung zu Stiftung unterschiedlich, die meisten verlangen jedoch neben Zeugnissen einen Lebenslauf und ein Motivationsschreiben. Einige möchten darüber hinaus ein Empfehlungsschreiben vom Dozenten. Vor der Bewerbung ein Gespräch mit seinem Dozenten oder einem der Ansprechpartner der Stiftungen an der Uni Mainz zu suchen, sei generell hilfreich, empfiehlt Wölfelschneider. Er selbst hat sich um ein Stipendium der Stiftung der deutschen Wirtschaft beworben.

Würde ihm ein solches Stipendium zugesprochen, erhielte er einen festen Betrag von 150 Euro im Monat, der jedem Stipendiaten zusteht. Darüber hinaus könnte er noch bis zu 600 Euro monatlich an Unterstützung kassieren. Dieser zweite Betrag richtet sich ähnlich wie das BaföG nach der finanziellen Lage der Eltern und den festen Ausgaben des Studierenden. »Diese Art der Finanzierung ist bei den großen Stiftungen eigentlich überall gleich«, ergänzt Wölfelschneider.

Ein wenig anders verhält es sich bei dem seit Sommer 2011 zu vergebenden Deutschlandstipendium. Dieses wird zur Hälfte vom Bund und zur Hälfte von den Universitäten, bzw. ihren Sponsoren finanziert und vergibt pauschal 300 Euro an seine Stipendiaten. Zum Sommersemester 2011 hat die Uni Mainz auf diese Weise bereits 100 Stipendien vergeben.

Das Bewerbungsverfahren läuft über die Fachbereiche, die ein erstes Ranking möglicher Stipendiaten erstellen und dieses an die Förderabteilung der Uni weitergeben.

Ähnlich läuft das Auswahlverfahren auch bei der Vergabe sogenannter Förderstipendien der Stipendienstiftung Rheinland Pfalz. Diese Zuschüsse werden ausschließlich für das Verfassen von Abschlussarbeiten vergeben und beschränken sich auf einen Förderzeitraum von maximal sechs Monaten.

Voraussetzung für eine Bewerbung sind aber in jedem Fall sehr gute Noten und soziales Engagement. Wie wichtig letzteres ist, unterstreicht auch Wölfelschneider: »Gute Noten sind zwar wichtig, aber ein Ehrenamt kann oft den Ausschlag geben.«

Für ihn heißt es jetzt Daumen drücken: Im November entscheidet sich, ob er ein Stipendium erhält. Doch egal wie die Entscheidung ausfallen mag, Wölfelschneider nimmt es sportlich: »Ich denke es ist auf jeden Fall eine gute Erfahrung, sich um ein Stipendium zu bewerben, und sei es nur um zu testen, wie weit man kommt.«

Katrin Henrich

Infos: Die Initiative Arbeiterkind.de ist eine gemeinnützige Initiative mit bundesweit über 3.000 ehrenamtlichen Mentoren in 80 Ortsgruppen, die Schülerinnen und Schüler aus Familien, in denen noch niemand oder kaum jemand studiert hat, zum Studium ermutigt und sie vom Studieneinstieg bis zum erfolgreichen Studienabschluss unterstützt. Auch an der Mainzer Uni gibt es Arbeiterkind.de (mainz@arbeiterkind.de). Quelle und weitere Infos: www.arbeiterkind.de. An jedem ersten Montag im Monat findet um 19 Uhr ein Stammtisch im Lomo statt.
Infos Stipendien: www.stipendienlotse.de, www.deutschland-stipendium.de;
Infos Stiftungen und Ansprechpartner an der Uni Mainz:
www.uni-mainz.de/studium/163_DEU_HTML.php#L_Begabtenstipendien