Heft 254 November 2011
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Stadtteile

Der Offizierspark in Gonsenheim

Pilanthropischer Lebenstraum?


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Der Durchgang durch das inzwischen leere Studentenwohnheim wird zum Zankapfel.

Dass Mainz mehr Platz für seniorengerechtes Wohnen braucht, steht außer Frage. Jede Stadt in Deutschland ist von dieser Problematik betroffen. Auch bei der ansonsten eher veränderungsscheuen Menschengattung der »Anwohner« gibt es im Grunde nichts, was gegen eine Nachbarschaft mit Senioren spricht - kein Lärm, kein Trubel, keine Autokolonnen. Es kommt allerdings immer darauf an, wie eine »gute Nachbarschaft« beginnt. In Gonsenheim gibt es schon Zoff, bevor die neuen Nachbarn überhaupt eingezogen sind. Der Rheingauer Investor Sandro Bellomo hat mit seiner Firma Centuis AG das, etwas in die Jahre gekommene, Studentenwohnheim an der Canisiusstraße gekauft und möchte daraus für 270 Rentner ein »Fünf-Sterne-Hotel für Senioren« machen - mit eigenem Wellness.Bereich, Koi-Teich, schicken Zimmern, Theater-Saal, Atelier und sieben Roboter-Figuren, die zu »einer echten Sehenswürdigkeit« werden sollen. Im Monatspreis für die Ein-Zimmer-Appartements ab 1590 Euro sollen Miete, Vollpension, Betreuung sowie Nebenkosten enthalten sein.

Zugang versperrt?

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Wenn es nach Sandro Bellomo geht, schließen die Türen der Kita BurgUnibunt so schnell wie möglich.

Dafür will er das Gelände nach außen hin absperren. Genau hier liegt das Problem: Mitten durch den, von Bellomo so getauften, »Offizierspark« läuft ein öffentlicher Weg, der den ca. 4000 Bewohnern der Siedlung am Großen Sand als Zugang zur Straßenbahn dient - und damit auch zur Breiten Straße, zur Kirche, in die Innenstadt. Bellomo möchte in den bislang offenen Torbogen unter dem Uhrenturm einen Glaskasten einbauen. Das wie er es nennt »Herzstück« seines »Lebenstraums«. Nur so könne verhindert werden, dass das Gelände vermüllt, Fahrradfahrer wild durch den geplanten Park fahren und die Senioren bedrohen. Bedrohlich wären laut Bellomo auch die 18 Kinder, die zurzeit noch die Kita Burg Unibunt bevölkern. Aus eigener Erfahrung wisse er, dass alte Menschen Angst vor Kindern hätten. Immerhin könnten die Kleinen einen der Senioren beim Herumtollen umrennen und so dessen Gesundheit gefährden. Aus diesem Grund flatterte der Elterninitiative, die die Kita betreibt, im August eine fristlose Kündigung ins Haus. Er könne sein Projekt nicht mit der, inzwischen seit 15 Jahren dort ansässigen, Kita vereinbaren. Dumm nur, dass der Spielplatz der Kinder nicht in den Innenhof des Offizierspark geht und es sogar eine Mauer gibt, die den Auslauf begrenzt. Trotzdem müssen die Eltern schnellstmöglich neue Räume finden, für die 18 Kinder, die zwei Erzieher, den FSJler und die beiden Haushaltskräfte. Auch Ortsvorsteherin Sabine Flegel kann auf die Schnelle nicht helfen: »Ich habe es versucht, aber ich kann leider nichts einfach so aus dem Hut zaubern.« Die Initiative hat inzwischen Einspruch gegen die Kündigung eingelegt und jetzt schachern die Anwälte um die genauen Bedingungen des Auszugs. Wie es weitergeht, ist wahrscheinlich erst Anfang November raus.

Gute Nachbarschaft?

Auch mit seinen anderen Mietern ist Bellomo nicht gerade pfleglich umgesprungen. Bei einer Informationsveranstaltung, die von der Ortsvorsteherin Ende September initiiert wurde, kam heraus, dass viele der inzwischen längst ausgezogenen Studenten bis dahin ihre Kaution noch nicht zurück bekommen hätten. Grund sei der Vandalismus einiger Ex-Bewohner. »Wer uns allerdings schriftlich versichert, er sei daran unschuldig, bekommt sein Geld.« Einer der Studenten an diesem Abend wartet seit über sechs Monaten auf sein Geld und ist lange vor den Vorfällen ausgezogen. »Ein Missverständnis«, meint der ehemalige Vermieter. Dieses Problem hat alte Wurzeln. Schon seit langer Zeit galt die »Studentenburg« als heruntergekommen. Vor fast vier Jahren gab es aufgrund verschmutzten Trinkwassers eine Legionellen- Epidemie unter den Bewohnern und Anfang 2011 war das Gesundheitsamt schon wieder vor Ort. Spitzname des Wohnheims war lange Zeit »Alcatraz«. Bellomo, der das Gelände im Spätsommer 2010 vom Studentenwerk gekauft hatte, versprach damals eine Verbesserung der Zustände. Was kam, war die Kündigung. Für sein neues Projekt »Offizierspark« sucht der Hattenheimer übrigens wieder Studenten. 30 sozial engagierte Studenten sollen 15 Stunden die Woche in dem Seniorenheim arbeiten und dafür kostenfrei auf dem Gelände wohnen dürfen. Insgesamt soll der Offizierspark also 300 Menschen beherbergen. Die Zahl der geplanten Parkplätze beläuft sich auf 66. Ursula Stenner , ehemalige Gonsenheimer Ortsvorsteherin und Sprecherin der Gebäudewirtschaft Mainz, hält das für viel zu wenig. Zudem seien die Planungen schwierig. Da die Gonsenheimer nicht mehr durch das ehemalige Kasernentor können, müssten sie rechts und links am Offizierspark vorbei. Fußgängerwege sind allerdings auf dem von Bellomo an diesem Abend präsentierten Modell nicht zu sehen. Der Start in eine gute Nachbarschaft sieht anders aus. Keine der Seiten will weichen, wobei der Stand der Centuis AG weniger gefestigt ist. Ein Verschließen des Durchgangs würde nämlich einer Änderung des Bebauungsplanes bedürfen - und die geht nur durch, wenn keiner dagegen Einspruch einlegt. Einen Bauantrag hat Bellomo noch gar nicht eingereicht. Aber er habe die Zusage vom Bauamt, dass das mit dem öffentlichen Weg kein Problem sei. Wer ihm das gesagt hat, bleibt unklar. Zum Schluss der Informationsveranstaltung zieht Bellomo seinen letzten Trumpf: Wenn er den Zugang nicht verschließen dürfe und wenn er nicht Anfang nächsten Jahres mit dem Umbau anfangen könne, dann würde er das Projekt andernorts realisieren und billige Wohnungen in die Gebäude setzen. So schnell wird aus einem angeblich philanthropischen Lebenstraum sozialer Wohnungsbau.

Daniela Tratschitt