Heft 254 November 2011
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Laufen

Felder als Laufstrecke sind überschaubarer

»Renntiere« verlassen den Wald


Laufen
Im Winter laufen die »Renntiere« lieber im Feld als im Wald: Da ist es dank der Lichter der Stadt länger hell.

Die Stadtränder von Mainz bieten eine große Auswahl an Wegen für den Querfeldeinlauf. Die meist ebenen Feldwege können im Winter eine Alternative zu Laufstrecken im Wald sein, weil dort zumindest teilweise gestreut wird. Trotzdem sollten sich die winterfesten Läufer auch für die Runden dort vorbereiten.

Jörg Leinweber ist ein passionierter Langstreckenläufer. Schon an die 40 Marathons hat er absolviert, seine Bestzeit liegt bei drei Stunden und zwei Minuten. Mit seinem Bruder Ralf hat er vor zehn Jahren die »Renntiere« gegründet, eine private Laufgruppe für Sportler mit Wettkampf-Ambitionen. Im Sommer laufen sie im Gonsenheimer Wald, doch ab Oktober weichen die Läufer auf die Feldwege zwischen Gonsenheim und Bretzenheim aus. »Im Wald ist es im Winter einfach zu dunkel«, sagt Leinweber. Auf das Feld aber strahlen die Lichter der Stadt und der nahen Coface-Arena noch lange. »Manchmal laufen wir auch eine Stadtrunde in Richtung Universität. Da ist es noch einmal heller. Aber der Vorteil des Feldes ist: da gibt es keine Autos, auf die man zusätzlich achten muss. Da kann man entspannter laufen.«

Langsamer laufen und Kondition erhalten


Die Laufrunde beginnen die »Renntiere« um 18.30 Uhr am Gonsenheimer Juxplatz. Von dort ist es über die Budenheimer Straße nicht weit bis zum ersten Feldweg. Um diese Uhrzeit sind auf den Feldern für gewöhnlich keine Traktoren mehr unterwegs. Allerdings, sagt Leinweber, können die Landmaschinen am Tag schon die Felder umgegraben haben: »Dann sind auf den Wegen viele Matschpfützen, auf denen man ausrutschen kann.« An solchen Tagen weiche die Gruppe dann eben doch lieber auf die Stadtstrecke aus.

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Jörg (links) und Ralf Leinweber haben vor zehn Jahren die »Renntiere« gegründet.

Während das Frühjahr die Zeit zum Leistungsaufbau sei, werde im Winter eher langsam gelaufen, um die Kondition zu erhalten. »Wenn es dunkel ist, kann man einfach nicht so schnell rennen, da steigt die Verletzungsgefahr«, sagt Leinweber.

Im Frühjahr und Sommer bilden sich innerhalb der Laufgruppe mehrere Untergruppen, die auf verschiedenen Niveaus laufen. In der dunklen Jahreszeit bleiben alle zusammen. »Auch wenn bisher noch niemandem bei uns etwas passiert ist, ist es doch sicherer so«, sagt Leinweber. Vor allem für die beiden Damen, die sich im vergangenen Jahr der Gruppe angeschlossen haben, um für den Marathon zu trainieren. Eine von ihnen ist Katja Ettlich. Sie ist in Mainz schon zweimal den Halbmarathon gelaufen, im nächsten Mai will sie die ganzen 42,195 Kilometer schaffen. »Als ich noch in Bretzenheim gewohnt habe, bin ich abends meistens auf dem Uni-Sportplatz gelaufen, wo es beleuchtet ist und auch noch lange Leute sind«, sagt Ettlich. Aber nur die Bahnen zu laufen, wurde ihr dann zu langweilig. Deshalb schloss sie sich den »Renntieren« an. »Alleine irgendwo im Dunkeln zu laufen, das wäre mir zu unsicher«, sagt sie.

Laufschuhe für Matsch und Schnee

Wer auf unbefestigten Wegen und matschigem Gelände läuft, dem sind Trail-Laufschuhe empfohlen. Diese Spezialschuhe, die jedes gut sortierte Laufgeschäft führt, halten sogar Läufe in alpinem Gelände aus. Möglich machen das wasserabweisende, aber atmungsaktive Materialien und ein sehr starkes Profil auf der Sohle. Eine besonders flache Zwischensohle, die für ein besseres Gefühl für den Untergrund sorgt und eine robuste Fersenkappe, mit der die Ferse stabilisiert wird, verhindern Umknicken auf unebenen Strecken.

Auf der anderen Seite von Gonsenheim erstreckt sich zum Stadtteil Hartenberg hin das Gonsbachtal. Eine ebene und abwechslungsreiche Strecke vorbei an Gemüsefeldern, Schrebergärten und Wildblumenwiesen verspricht bei moderaten Temperaturen einen entspannten Lauf. Doch Teile der Wege sind unbefestigt und werden so im Herbst und Winter zur Hindernislaufpiste mit entweder matschigen oder zugefrorenen Pfützen. Wer seine Knochen schonen will, sollte hier - der ländlichen Idylle mitten in der Stadt zum Trotz - bei kaltem und nassem Wetter lieber nicht laufen.

Wenn es zu glatt wird: Training in der Halle


Der Lauftreff vom TV Laubenheim hat im Oktober seinen jährlichen Halbmarathon-Kurs »Von 0 auf 21« begonnen. Wenn die Läufer unter Trainer Harry Trost nicht gerade einen Abstecher in den Volkspark machen (DER MAINZER 10/2011), geht es geradewegs über den Neuen Polder am Rhein bei Laubenheim. Das Gebiet, das angelegt wurde, um die Höhe des Rheins bei Hochwasser zu regulieren, sei ideal zum Joggen, sagt Trost: »Auch bei frisch gefallenem Schnee kann man hier wunderbar laufen.« Allerdings gebe es auch Wintertage, an denen es selbst dort zu glatt werde. »Dann gehen wir in die Halle und machen dort Konditions- und Kraftübungen«, sagt der Lauftrainer. Wenn es wieder Frühling wird und der Schnee abgetaut ist, trainiert die Gruppe auch in den Weinbergen über Laubenheim. Das sei ein ganz anderes Training, sagt Trost: »Auf den Bergetappen werden ganz andere Muskelgruppen als sonst trainiert.« Und möglichst umfassend trainiert zu sein, sei natürlich gut für den Wettkampf. Für die Abendrunde im Herbst und Winter sind die Weinberge mangels Beleuchtung aber nicht geeignet. »Deshalb laufen wir hier auch nur sonntags nachmittags«, sagt der Lauftrainer.

Alice Gundlach