Heft 254 November 2011
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Hundetraining

Gehorchen will gelernt sein

Hasso ist kein Pförtner


Hundetraining

»Sitz!« und »Platz!« sollte eigentlich jeder können. Bei »Such!« und »Bring!« wird es dann schon etwas schwieriger. Aber viele Hunde versagen vor allem bei den für ihre Umwelt so wichtigen Kommandos wie »Bei Fuß!«, »Bleib!« oder einfach nur »Nein!«. Wobei inzwischen fast jeder weiß, dass in diesen Situationen weniger der Hund versagt als der Mensch. Das propagiert der deutsche »Hundeflüsterer« Martin Rütter immerhin schon seit 16 Jahren im Fernsehen - seit 2008 sogar mit seiner eigenen Sendung jede Woche auf Vox. Wer also seinen Fiffi oder Bello nicht im Griff hat, ist selbst daran schuld. Aber Hilfe naht in Form von Hundetrainern, -psychologen, -vereinen oder -schulen. Derer gibt es hierzulande inzwischen unzählige, alle mit ganz eigenen Methoden, Ansätzen und Ausbildungen. Natürlich kann auch ein bundesweit bekannter Hundeprofi wie Rütter nicht alle Halter und Hunde Deutschlands retten. Aus diesem Grund gibt es in der ganzen Republik Zentren und Trainer, die sich dem D.O.G.S. (Dog Orientated Guiding System = am Hund orientiertes Führungssystem), einer von dem späteren Fernsehstar entwickelten Methode, verschrieben haben. So wie Vera Schmitz - Rütters Stellvertreterin in der Region. Bild mit Unterzeile

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Hundedame Molly hat gelernt folgsam zu sein.

Natürlich braucht es, um ein echter »Rütter« zu werden, auch die richtige Ausbildung. Die begann bei Schmitz 2006. »Ich wollte bei meinem Dobermann Hawk eigentlich von Anfang an alles richtig machen,« erinnert sich die 44-Jährige. »Also bin ich in die Hundeschule, später in den Hundeverein. Wirklich glücklich war ich mit den Methoden dort aber nicht. Mir wurde zum Schluss sogar gesagt, ohne Stachelhalsband würde es bei einem so großen Hund eh nicht gehen.« Das änderte sich mit dem Besuch einer Abendveranstaltung im Finther Bürgerhaus von Martin Rütter. »Was er damals sagte, erschien mir einfach logisch.« Was folgte war ein weiterer Veranstaltungsbesuch und ein Kompaktkurs. »Dann erfuhr ich, dass man sich zum D.O.G.S.-Coach ausbilden lassen konnte und habe neben der Arbeit in meiner eigenen Firma 18 Monate lang in seinem Erftstädter Hundezentrum studiert.« Als sie 2007 ihr Zertifikat erhielt, eröffnete sie eines der ersten Zentren nach Art der Hundeprofis in Deutschland.

Wie vielen Hunden und Herrchen Schmitz seit dem geholfen hat kann sie gar nicht mehr so genau sagen. Wer möchte, kann sich schon vor der Entscheidung für einen speziellen Hund beraten lassen. Auch das Tierheim Mainz nimmt das Wissen von Schmitz an, wenn es darum geht, wohin ein Hund vermittelt wird. »Es ist ganz wichtig, dass beide Parteien zueinander passen«, betont die Hundetrainerin. »Rasse, Alter und Vorgeschichte spielen eine große Rolle.« Allerdings kommen nur die wenigsten schon im Frühstadium. »Häufig werde ich erst gerufen, wenn es schon beinah zu spät ist.« Das bedeutet meistens viel Arbeit für die Hundetrainerin. Immerhin reicht das Spektrum von dauerbellenden Kläffern bis hin zu respektlosen Rüpeln. »Deshalb ist es wichtig, im Voraus zu klären, was mich erwartet.« Bild mit Unterzeile

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»Der Mensch sollte immer der Anführer blieben«, meint Hundetrainerin Vera Schmitz

Was wiederum die Hundebesitzer erwartet, kann man nie genau sagen. »Jeder Fall ist individuell.« Ein paar kleine Tipps gibt es allerdings, die bei allen Hunden wirken. »Der Hund darf nicht das Gefühl bekommen, er alleine trage die Verantwortung für die Sicherheit des Rudels«, erklärt Schmitz, die auch inzwischen Dozentin an Rütters Hunde-Uni ist. »Der Mensch sollte immer der Anführer bleiben.« Das heißt dann zum Beispiel, dem Hund nicht die Pförtner-Position im Flur zuzugestehen, ihm einen Platz zuzuweisen, bei dem der Mensch nicht zwangsläufig an ihm vorbei gehen muss oder sich nicht von der Couch vertreiben zu lassen. »Hunde müssen das Gefühl haben, ihr Mensch kümmert sich.« Bild mit Unterzeile

Im Bestfall läuft das dann wie bei Marita Datz. Die griechische Mischlingsdame Molly ist schon ihr fünfter Hund und der zweite, denn sie von Vera Schmitz »behandeln« lässt. »Mit Sunny, meinem letzten Hund, habe ich gelernt, wie wichtig es ist, dem Hund Grenzen zu setzen und die konsequent durchzusetzen.« Mit welchen Befehlen, mit welchen Gesten und auch mit welchen Tricks sie das Beste aus ihrem Hund herausholen kann, hat die Trainerin der Finther Hundefreundin gezeigt. »Wichtig ist aber, meiner Meinung nach, dass man den Hund nicht anschreien muss.« Dass das nicht nur bei Sunny funktioniert, beweist die 55-Jährige jetzt mit Molly. Hundetrainerin Schmitz ist nur noch dabei, um an vergessenen Feinheiten zu feilen. Von »Sitz!« bis »Hier!« klappt alles - selbst wenn ein Hase über das Feld flitzt. Molly ist eben ein Rütter'scher Musterschüler.

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Marita Datz setzt ihrer griechischen Mischlingsdame Molly Grenzen. Schreien muss sie nicht, damit Molly gehorcht.


Daniela Tratschitt