Heft 254 November 2011
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Fastnacht

Für Uniformen, Schmuck und Orden gilt:

Kampagne ist das ganze Jahr


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Zum 111. Rosenmontagszug im Jahr 2012 hat sich Petra Wagner-Behrend einen ganz speziellen Orden ausgedacht, auf dem fast alle Mainzer Karnevalsvereine vereint sind.


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Die Ordensmacher: Simone und Julius Wagner sowie Petra Wagner-Behrendt in ihrer Werkstatt.


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Uniformen schneidern, wie die der Kadetten der Mainzer Prinzengarde, ist eine aufwändige Arbeit.


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Ordenmachen und -verzieren ist echte Fummelarbeit - mit Spritze, Pinzette und dünnen Pinseln.


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Wände voller Fastnachtsorden im Büro von Petra Wagner-Behrendt.

»Es gibt in Mainz nichts Ernsteres als die Fastnacht.« Da sind sich die beiden einig. Petra Wagner-Behrendt und Zeljka Hajek müssen es wissen, denn diese beiden Frauen sorgen schon seit Jahren dafür, dass die Mainzer Narrenschar so schmuck ist, wie man sie jedes Jahr in der fünften Jahreszeit bewundern kann. Wer in einem Karnevalsverein Mitglied ist und/oder sogar Teil einer Garde, der ist praktisch dazu verpflichtet, während der Kampagne passend angezogen und geschmückt zu sein. Und das sind die Jobs von Wagner-Behrendt und Hajek.

Als Nicht-Gardist kann man in einer Fastnachts-Hochburg wie Mainz ganz einfach dem Glauben verfallen, dass es hier eine riesige Narren-Industrie geben muss: Hutmacher, Schneider, Schuster,. Das ist aber nicht so - oder besser gesagt, nicht mehr. Wer sich für Fastnacht eindecken will und muss, der sollte bundesweit suchen oder im Internet.

Edgar Kalberlah, Vorsitzender der Finther Freiherren und Freifrauen, weiß das aus eigener Erfahrung. »So eine Uniform zu schneidern ist ein Haufen Arbeit, den viele kleinere Betriebe nicht mehr leisten können«, erklärt er. »Und die, die es einstmals konnten, die gibt es inzwischen nicht mehr. Nicht nur wir vom Verein haben schwere Nachwuchssorgen, auch im Handwerk ist das so. Viele der einstmals bekannten Geschäfte haben inzwischen geschlossen oder verkaufen nur noch.«

Ins närrische Ausland

Denn die Meenzer Fastnacht ist nicht nur eine ernste Sache, auch eine zeitraubende. »Wer denkt, dass unsere Saison nur vom 11.11. bis Aschermittwoch geht, der irrt sich. Wir sind eigentlich das ganze Jahr damit beschäftigt, den Verein und die Fastnacht voranzubringen. Während der Kampagne sieht man nur die Früchte der vorher geleisteten Arbeit.« Genau das gleiche gilt für die Kostüme. Die werden heute zum größten Teil im »närrischen Ausland« produziert, zum Beispiel in Aschaffenburg.

Dort ist der Firmensitz des bekannten Uniformenherstellers Imhof, Seit 2009 »Imhof by asciburgia«. »Bei Gardeuniformen ist es ganz besonders wichtig sich an die Vorgaben zu halten«, erklärte Hajek. »Wir haben etwa 2000 Kunden bundesweit und schneidern im Jahr circa 400 Uniformen. 40 Prozent davon für Mainzer Garden.« Und es gibt für jede einzelne Uniform ein Musterexemplar, das haargenau vorgibt wie etwas aus- zusehen hat. »Wir haben jedes Jahr mehrere Termine in Mainz - zum Beispiel bei der Prinzengarde, Füsiliergarde, Burggrafengarde des CCW oder den Hechtsheimer Dragonern.

Dann ändern wir, reparieren oder schneidern neu. Natürlich hält sich so eine Uniform bei guter Pflege relativ lange. Erst letztens kam ein Herr mit einer 16 Jahre alten Jacke, die nur wieder in Form gebracht werden musste.« Da so eine Komplett-Montur ohne Hut, Stiefel, Epauletten oder Fangschnüren schon mal 800 Euro kosten kann, muss sie auch etwas aushalten. Alles in allem trägt so mancher Gardist einen Wert von 2000 Euro mit sich rum.

Glänzendes Geklimper

Und das ohne Schmuck und Orden. Die bekommt man nämlich bei Petra Wagner-Behrendt in - man lese und staune - Mainz-Hechtsheim. CIM ist eine der wenigen Firmen, die heute noch aus Mainz für Mainz arbeiten. »Es gibt allerdings noch einige Damen, die sich privat und ehrenamtlich um die Uniformen einzelner Garden kümmern«, weiß das ehemalige Fastnachtsballett-Mädchen. Ihre Firma CIM, Creatives aus Metall, sorgt dafür, dass die Meenzer Fastnacht klimpert und glänzt. »Viele Vereine lassen bei uns ihre Kampagnen-Orden fertigen.

Und alles andere, Zum 111. Rosenmontagszug im Jahr 2012 hat sich Petra Wagner-Behrend einen ganz speziellen Orden ausgedacht, auf dem fast alle Mainzer Karnevalsvereine vereint sind. was ein Narr so an Schmuck und Beiwerk braucht.« Anstecknadeln, Manschettenknopfe, Präsidenten- oder Zeremonienstäbe, Amtsketten, Komitee-Orden, Pins, Ohrringe, Bettelarmbänder, vierfarbbunte Uhren, . »Es kann passieren, dass ich nachts eine Idee habe und die am nächsten Tag gleich umsetzten möchte.«

Wie etwa das Handtäschchen mit Vereinslogo oder ihre neueste Idee: Einen Orden mit den Logos aller Mainzer Fastnachtsvereine und Zeichnungen der wichtigsten Figuren der Fastnacht. Auch wenn es de facto kein wirklicher Orden ist. »Ein Orden wird eigentlich verliehen, wir wollen unseren quasi als Andenken verkaufen.« Und genau hier setzt er wieder ein, der karnevalistische Ernst. Denn die Firma CIM hat schon einmal einen eigenen Orden herausgebracht - zur Euroumstellung. Und sich damit nicht nur Freunde gemacht. »Und das, obwohl unser Orden 2002 der meistverkaufte Fastnachtsartikel war.« Jetzt haben Petra Wagner-Behrendt, ihr Sohn Julius und seine Frau Simone wieder einen neuen Orden in der Mache: »Wir möchten damit allen ehrenamtlichen Fastnachtern zum 111. Rosenmontagszug 2012 gratulieren und ihr Engagement in den Vordergrund stellen.« So wird aus Ernst dann doch wieder Spaß. Selbst in der Meenzer Fassenacht.

Daniela Tratschitt