Heft 254 November 2011
Werbung




Alltagsfragen

Wie entsteht der Nebel

Verschleierte Welt


Dominik Jung
Dominik Jung

Er gehört zum November wie die Gans zu St. Martin: der Nebel. Besonders häufig scheint er in dieser Jahreszeit die Rheinpromenade zu verschleiern oder nimmt den Autofahrern auf der Autobahn die Sicht. Was ist Nebel und wie entsteht er? DER MAINZER hat bei dem Wiesbadener Diplom Meteorologen Dominik Jung nachgefragt. »Vereinfacht ausgedrückt handelt es sich bei Nebel um nichts anderes als Wolken, die sich genau über dem Boden aufhalten«, erklärt Jung. Normalerweise entstehen Wolken, wenn Wasser verdampft und in luftiger Höhe kondensiert. Damit sich Nebelwolken bilden können, bedarf es zunächst einer hohen Luftfeuchtigkeit und einer schnellen Abkühlung der Temperatur: »Man kann sich das so vorstellen, dass sich in der Luft viele kleine Wasserpartikel befinden. Kühlt die Temperatur jetzt ab, kondensieren diese Wasserpartikel und bilden Wassertröpfchen, die wir dann als Nebel wahrnehmen.« Dieser Prozess findet also direkt am Boden statt, und genau da bleibt der Nebel auch erst einmal: »Der Nebel ist schwerer und kälter als die Luft über ihm. Dadurch wird er gewissermaßen auf den Boden gedrückt«, weiß Jung. Die einzige Kraft, die den Nebel jetzt noch vertreiben kann, ist die der Sonne und genau die schwächelt in den Herbst- und Wintermonaten: »Die Tage sind kürzer und die Sonne ist nicht so intensiv wie im Sommer. Da kann es schon passieren, dass sich der Nebel gerade in den Tälern, die jetzt von der Sonne vielleicht nicht mehr erreicht werden, hartnäckig hält.« Fließt jetzt auch noch ein Fluss durchs Tal, ist der Nebel gewissermaßen vorprogrammiert: »An Flüssen und Gewässern tritt generell häufiger Nebel auf, weil hier die Luftfeuchtigkeit immer hoch ist. Kühlen dann nachts die Temperaturen ab, ziehen morgens die Nebelschwaden über den Fluss« - und nehmen Radfahrern und Läufern an der Mainzer Rheinpromenade die Sicht.

Nebeltröpfchen werden zu Glatteis

neblige Landschaft

Doch eine verminderte Sicht ist nicht die einzige Gefahr, die von Nebel ausgehen kann. Da Nebel und Feuchtigkeit einhergehen, können sich die Nebeltröpfchen auch an Gegenständen oder auf der Straße niederschlagen. »Das kann je nach Bodentemperatur zu Glatteis führen«, warnt Jung und erläutert: »Selbst wenn die Außentemperatur bei 2 Grad liegt, kann es sein, dass die Bodentemperatur unter dem Gefrierpunkt liegt. Wenn sich nun Wassertröpfchen aus dem Nebel auf die Straße niederschlagen, gefriert das Wasser sofort. So kann Glatteis entstehen, ohne dass es im herkömmlichen Sinn regnet.«

Katrin Henrich