Heft 254 November 2011
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Aaktionsprogramm

Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit

Global denken und lokal handeln


Es ist Zeit, zu handeln! Das entschieden 1992 auf der Konferenz der Vereinten Nationen für Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro 179 Staaten und beschlossen die AGENDA 21. Ein Aktionsprogramm für das 21. Jahrhundert, um die »(.)Verbesserung des Lebensstandards aller Menschen, einen größeren Schutz und eine bessere Bewirtschaftung der Ökosysteme und eine sichere, gedeihlichere Zukunft zu gewährleisten.« (Agenda 21, 1. Absatz) Der globale Gedanke ließ sich jedoch ohne die Kommunen weltweit nicht umsetzen und so wurden diese aufgerufen, ihre »Lokale Agenda 21« zu entwickeln. In Mainz fiel der Startschuss mit dem Stadtratsbeschluss im Dezember 1997. Die Verwaltung wurde damit beauftragt, unter breiter Beteiligung der Bevölkerung und Organisationen ein lokales Handlungskonzept zu erarbeiten. Seither haben sich sechs Arbeitskreise (AK) gebildet und im Mainzer Netzwerk beteiligen sich andere Initiativen wie Die EnergieSparer e.V. (DES). Sie beraten Bürger, wie sie Strom einsparen und Energie effizient nutzen oder auf erneuerbare Energie umsteigen können. »Wenn die Menschen weniger für Strom zahlen wollen, ist das verständlich. Aber beachtet werden sollte dabei auch, woher er kommt«, sagt Vereinsgründer Thomas Görmar. Dazu gehört seiner Meinung nach, Atomenergie zu meiden und stattdessen auf Wasserkraft oder Solaranlagen zu setzen.


AK
Eine der »Baustellen«, mit denen sich der Arbeitskreis Verkehr der Lokalen Agenda 21 in Mainz beschäftigt: Die Schiersteiner Brücke. Er fordert für die neue Brücke weiterhin vier statt der geplanten sechs Spuren und ein Pendlernetz, um die Autofrequenz zu reduzieren.

Den Grundgedanken der Klimaverbesserung nimmt in anderer Weise der AK Verkehr auf. »Wir wollen vor allem die Wahl der Verkehrsmittel beeinflussen, das heißt die Bürger bewegen, auch mal auf Rad, Bus oder Bahn umzusteigen«, erklärt Paul Kittler und wünscht sich, dass Mainz eine Fahrradstadt wird. Dafür sollten die alten Wege ausgebessert und Fahrradhäuser aufgestellt werden. Aber auch beim geplanten Bau der neuen Schiersteiner Brücke mit sechs Fahrspuren redet der AK mit. Er fordert die Einführung eines Rhein-Main-Pendlernetzes, bei dem sich Fahrgemeinschaften in Wiesbaden und Mainz gründen, um die Frequenz von durchschnittlich 93 000 Autos pro Tag zu reduzieren, und ein vierspuriger Verkehr ausreichend bleibt.

Um einen sieben Kilometer langen Wanderweg mit 14 Bänken geht es indes beim AK Ebersheim, außerdem um die Sanierung eines Wingerthäuschen für alle Gemeindemitglieder. »Wir wollen Ebersheim lebenswert und attraktiver machen, damit sich die Menschen hier wohl fühlen«, sagt Maren Scheer. Dafür werden Blumenbeete angelegt und Weinreben an Häusern gepflanzt, aber vor allem sollen über Boulespiele und Treffen am ortseigenen Weinstand sowie die Mitarbeit im Arbeitskreis gemeinschaftliche Aktivitäten gefördert werden.

Diese spielen auch beim Projekt des AK Wohnen vom Deutschen Roten Kreuz Mainz-Bingen eine wesentliche Rolle. »Wir wollen mit dem Konzept »Gemeinschaftlich Wohnen« die Nachbarschaft in den Fokus rücken. Damit sollen neue soziale Strukturen außerhalb der Familie aufgebaut und der Vereinsamung in der Stadt entgegenwirkt werden«, erläutert AK-Sprecherin Berit Herger. Der AK berät und bringt Mieter, Bauherrengruppen und anderen Organisationsformen für ein Wohnprojekt zusammen.

AK
Mit seinem Naturschaugarten will der »Arbeitskreis Naturnahes Grün« der Agenda 21 Bürger anregen, bedrohte heimische Pflanzen auch im eigenen Garten oder auf dem Balkon zu pflanzen.
Foto: AK Naturnahes Grün

Nicht nur Zimtkerze und Königskerze finden sich im Bretzenheimer Naturschaugarten. Der AK Naturnahes Grün hat sich die Erhaltung der heimischen Artenvielfalt von Pflanzen und Tieren zur Aufgabe gemacht und dafür das Gelände an der Lindenmühle unter Berücksichtigung von Bürgerideen 2004 bearbeitet und neu angelegt. »Jedes Mitglied bringt seine Fähigkeiten ein, die sich gut ergänzen und den Schaugarten weiterentwickeln«, beschreibt Karlheinz Endres das Projekt. Im offenen Garten finden Feste, Kurse zum Naturgärtnern sowie Führungen für Kinder statt. Zurück zur Natur ist der Anspruch des AK Gesundheit und Ernährung. Gründerin Ursula Schmitt will »die Gesundheit der Bevölkerung verbessern«, denn sie ist davon überzeugt, dass viele Menschen krank sind, weil sie sich falsch ernähren. Die Gesundheitsberaterin tritt daher für vitalstoffreiche Vollwertkost ein. Der AK informiert in Vorträgen und bei Veranstaltungen mit Vollwert-Buffets über die Vorzüge dieses Essens sowie über die Inhaltsstoffe und Wirkung von industriell hergestellten Lebensmitteln. »Weißmehlprodukte, Zucker und tierische Eiweiße wie Fleisch und Milchprodukte wirken schädlich im Körper. Entgegen zahlreicher Fehlmeldungen sind aber Fette, etwa Butter, Sahne und kaltgepresste Öle, in Maßen gesund «, erklärt Schmitt.

Auch der AK Weltladen/Süd-Nord will »darauf aufmerksam machen, wie und was wir Bürger konsumieren«, so Julia Dieckmann vom Dachverband Weltladen Unterwegs. Der AK beschäftigt sich mit den vielfältigen politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Mainz und den Ländern des Südens. Schwerpunkte sind die Ausweitung des fairen Handels und entwicklungspolitische Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit. Hierfür organisiert der AK regelmäßig Aktionen, entwickelte den fairen Kaffee Mayence und ist an der Fairtrade-Town-Kampage beteiligt. Interessierte Bürger können mit ihrer Mitarbeit in den Arbeitskreisen die Zukunft von Mainz mitgestalten.

Infos: www.agenda21-mainz.de

KH