Heft 253 Oktober 2011
Werbung




Mainzer Köpfe

Direktor Michael Schmitz kann damit umgehen:

Dinosaurier, Baustellen, Zusammenarbeit


Dr. Michael Schmitz

Gegenüber dem Büro von Dr. Michael Schmitz ist der neue Glasanbau des Naturhistorischen Museums (NHM) soweit fertig gestellt. Nun gilt es den dritten Bauabschnitt in Angriff zu nehmen. »Dass ich meine Arbeit inmitten einer Baumaßnahme leisten werde, habe ich, ehrlich gesagt, vor Arbeitsantritt 2009 nicht gewusst«, sagt der Direktor. Er lacht dabei fröhlich.

Michael Schmitz kennt sich mit Baustellen aus, einen Großteil seines Berufslebens hat er inmitten von Museumssanierungen verbracht. Zum Beispiel in Hannover, wo er 15 Jahre die Naturwissenschaftliche Abteilung des Landesmuseum leitete. Obwohl seine Ausbildung zum Geowissenschaftler und die Promotion in Paläontologie eher weniger bautechnisch orientiert waren. Im Freien forschen und reisen zu können, das seien Antriebsfedern für die Studienwahl gewesen, sagt er.

Dazu der Wunsch, im Museum zu arbeiten und: »Ich bin vom Dinosaurier-Virus befallen!« Die Faszination, die von diesen Relikten der Erdvergangenheit ausgeht, sieht man ihm an und Schmitz hat sogar Erklärungen parat, warum viele Menschen angesichts von Dinosauriern in Verzückung geraten: »Es ist ein ausgestorbenes Tier, das heute keine Entsprechung mehr hat, über das wir viel, aber nicht alles wissen.« In der Rekonstruktion dürften und müssten wir unsere Fantasie einsetzen: »Das ist spannend!« Allerdings sollten die Rekonstrukteure ehrlich sagen, wo die Tatsachen aufhören und die Fantasie anfängt.

Der Direktor bevorzugt Ehrlichkeit und versteht es, seine naturhistorische Museumsarbeit mit aktuellen Botschaften zu verbinden: Der Blick auf Fossilien sei ein Ausgangspunkt für die Beschäftigung mit der Geschichte des Lebens auf der Erde - eine Spiegelung der Zeitgeschichte. Und: »Als Naturwissenschaftler habe ich schnell begriffen, dass Wachstum bei begrenzten Ressourcen an Grenzen stößt.«

Statt der Dinosaurier standen während des Studiums in Darmstadt die wirbellosen Tiere im Vordergrund; während der Arbeit in der Frankfurter Senckenberg-Gesellschaft kam Schmitz den Dinos auch nicht näher, sondern forschte in der Grube Messel. Dann aber, als Kustos für die Geowissenschaftliche Sammlung im Darmstädter Landesmuseum, erfüllte er sich einen Dinosaurier-Wunsch und konzipierte die Ausstellung »Dinosaurier aus China«.

»Ich bin eine Lerche«

In Mainz sind, soweit bekannt, keine Dinosaurier anzutreffen. Michael Schmitz ist dennoch begeistert: »Ich leite als Direktor ein Museum, das mir gefällt und ich kam in die Region zurück, die mir schon lange vertraut ist.« Außerdem kommt man in Mainz am Rhein nicht vorbei: Den liebe er, strahlt Michael Schmitz, wie die Donau in Regensburg, wo er aufwuchs.

Vom ersten Tag an habe er sich wohlgefühlt in Mainz. Zeit, Stadt und Umgebung intensiver kennenzulernen, hat der 55-Jährige nicht. »Ich bin eine Lerche«, bekennt er und sitzt schon vor 6 Uhr an seinem Schreibtisch. Das Museum verlassen gelingt allerdings selten vor 18 Uhr. Geht dann noch etwas, das nichts mit Museum zu tun hat? Kaum, gibt der Direktor offen zu. Nur an den Wochenenden.

Die gehören voll und ganz der Familie. Schmitz pendelt dann nach Hannover, wo die jüngste der vier Töchter noch zur Schule geht. In jungen Jahren trainierte der Mittelstreckenläufer Michael Schmitz »für Olympia«, mittlerweile läuft er gemächlicher, am liebsten auf langen Spaziergängen mit seiner Frau. »Loslassen« gelingt ihm am besten im Urlaub in Frankreich oder Italien und ein »Laster« habe er auch, blickt Schmitz ein wenig schuldbewusst, wobei es wohl eher eine Leidenschaft mit ökologischen Schattenseiten sei. Sie heißt: Monoski! Eine »Modeerscheinung« des Skifahrens aus seiner Jugend, der Schmitz treu geblieben ist.

»Wir sparen Seite an Seite«

»Unsere Arbeit im NHM wird wertgeschätzt.« Schmitz nennt das »eine schöne Erfahrung«, angesichts von zwölfstündigen Arbeitstagen, oft für das gesamte Museumsteam. Anders seien die gesteckten Ziele kaum zu erreichen. »Unsere Pläne für die Neuausrichtung der Ausstellung kosten Geld, das wir nicht haben. So gehen wir kleinere Schritte, die möglich sind.«

Interdisziplinäre Zusammenarbeit ist einer und die »Stadt der Wissenschaft« ist dazu ein zusätzlicher Schub. »Mit der Fachkompetenz der Partner von Uni und FH bis zu Unternehmen wie Schott und Boehringer ist manches günstiger zu machen«, stellt Schmitz fest. Insgesamt lasse die finanzielle Ausstattung des Museums zu wünschen übrig, weiß der Direktor, aber:

»Ich habe hier in Mainz verstehen gelernt, dass alle öffentlichen Haushalte in Schwierigkeiten sind, und ich finde es allerhand, was Mainz in die Kulturarbeit investiert, um Bürgern wie Gästen ein gutes Angebot zu machen.« Schmitz vertritt seine Überzeugung, dass einerseits Gelder für Bildungseinrichtungen von Kitas bis zu Museen Investitionen in die Zukunft unserer Gesellschaft sind; gleichzeitig unterstreicht er, dass alle diese Einrichtungen Seite an Seite arbeiten: »Jeder muss an seinem Ort seine Aufgaben erfüllen, sparen müssen wir alle und so viel wie möglich gemeinsam machen.«

Zugute kommen dürften Michael Schmitz in diesem Bestreben seine Kenntnisse in Unternehmenskommunikation, erworben in Fortbildungen. Motivationsfähigkeit und Netzwerkbildung, Leitbild und Sammlungsmanagement, interdisziplinäre Zusammenarbeit und Sponsorensuche sind ihm nicht nur theoretisch geläufig, er ist überzeugt: »Wir müssen die Arbeitsbedingungen und das -umfeld so gestalten, dass Verantwortungen übertragen werden können und dass sich jeder wohlfühlt.«

SoS