Heft 253 Oktober 2011
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Freiwillig

Begeisterung für Ehrenämter wecken

»jungbewegt - Dein Einsatz zählt«


Kinder
40 Kinder der Johannes Gutenberg-Kita nehmen an den Projekt-Aktivitäten mit älteren Menschen teil.

Ob Sport, Naturschutz, Kultur oder karitative Einrichtungen - das ehrenamtliche Engagement in Deutschland ist vielfältig und groß. Einem Freiwilligensurvey aus dem Jahr 2009 zufolge, engagieren sich rund 23 Millionen Menschen bundesweit. Tendenz steigend. Dabei profitieren von dieser zivilen Unterstützung nicht nur diejenigen, die sie erhalten. Die Auswirkungen und Anerkennung ihrer Tätigkeit vermittelt Engagierten Zufriedenheit und steigert, neben dem Selbstwertgefühl, auch ihre soziale Kompetenz.

Diesen Ansatz hat die Bertelsmann Stiftung aufgegriffen und das Projekt »jungbewegt - Dein Einsatz zählt« ins Leben gerufen mit dem Ziel, dass insbesondere junge Menschen früh erfahren, wie bereichernd es ist, Verantwortung zu übernehmen. »Kinder und Jugendliche sind im Hinblick auf die Förderung des bürgerschaftlichen Engagements eine besonders wichtige Zielgruppe, denn, wer sich bereits in Kindheit und Jugend engagiert, wird dies mit einer hohen Wahrscheinlichkeit auch in späteren Lebensphasen tun«, erläutert Projektleiterin Sigrid Mein­hold-Henschel von der Stiftung.

In diesem Sinne seien Städte und Gemeinden gut beraten, ihnen bei der Entwicklung und Umsetzung einer lokalen Konzeption zur Förderung des gemeinnützigen Handelns einen zentralen Stellenwert zu geben. Zu berücksichtigen ist jedoch die sozial ungleiche Verteilung der Zugänge zum Engagement: »Aus einer wissenschaftlichen Untersuchungen wissen wir, dass junge Menschen, die am unteren Bildungsspektrum, mit Migrationshintergrund und in wirtschaftlich angespannten Familienverhältnissen leben, oft nicht die Chance haben, die vielfältigen Angebote des Engagements zu nutzen und mitzugestalten.« Ihnen entgehen die damit verbundenen Möglichkeiten der Bildung und des Aufbaus persönlicher Netzwerke. Zugleich sagt jeder zweite Jugendliche, dass er sich gern stärker engagieren würde, wenn sich etwas »Interessantes« biete.

Engagement ausprobieren

Sozialdezernent Kurt Merkator (links) und Jugendhilfeplaner Klaus Cartus
Sozialdezernent Kurt Merkator (links) und Jugendhilfeplaner Klaus Cartus sehen Vorteile in der Mainzer Teilnahme am Stiftungsprojekt.

Für die Durchführung ihres Projektes hat die Stiftung die vier Pilotkommunen Marzahn-Hellersdorf, Steglitz-Zehlendorf in Berlin, Magdeburg und Mainz ausgewählt. Damit sich mehr Kinder und Jugendliche unabhängig von ihrer Herkunft im Engagement erproben können, werden gezielt Kindertagesstätten, Jugendzentren sowie Schulen mit ihren Lehr- und Fachkräften aufgefordert, sich zu beteiligen. Dass sich Mainz für eine Teilnahme an dem Projekt, die in Kooperation mit dem Landesministerium für Bildung erfolgt, beworben hat, erklärt Sozialdezernent Kurt Merkator: »Der Ansatz ist richtig und macht Sinn, Kinder und Jugendliche dahin zu führen, mehr gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen. Das breite Engagement trägt unsere Gesellschaft.« Er sei immer wieder überrascht, in welchen Bereichen sich junge Menschen einbringen, wie etwa in Kerbevereinen oder Ferienfreizeiten. Das sollte gelobt und anerkannt werden. Für das Projekt, das bereits im März ausgeschrieben war, wurden, laut Klaus Cartus vom Amt für soziale Leistungen, alle relevanten Einrichtungen angeschrieben. Acht haben sich mit ihren Initiativ-Projekten beworben:

Die Kindertagesstätte auf dem Unigelände wird regelmäßig Aktivitäten in der Natur mit Kindern ab 4 Jahren und älteren Menschen organisieren. Auch die Kita Bretzenheim-Holunderweg sieht generationsübergreifende Aktionen und Besuche in einem Seniorenheim vor. Das Kinder-, Jugend- und Kulturzentrum Hechtsheim/­Ebersheim stellt eine Mädchengruppe auf die Beine, die in Zusammenarbeit mit einem Träger Demenz-Kranke besucht und sich mit ihnen beschäftigt. Im Gymnasium Theresianum sollen Schüler der Oberstufe, in ausgewählten Lernzeiten und Arbeitsstunden der unteren Klassen, die Lehrer entlasten. Die Windmühlenschule mit dem Förderschwerpunkt Lernen und einem hohen Anteil an Schülern mit Migrationshintergrund plant eine Ausstellung im Naturhistorisches Museum, die sie barrierefrei gestalten will und wird ein Projekt »Kinder führen Kinder« organisieren. Die Anne-Frank-Realschule Plus bietet mit dem Altenpflegeheim Martinsstift einen Kreativ-Workshop an, in dem Schüler und Bewohner gemeinsam künstlerisch tätig sind. Zudem sollen die Räumlichkeiten des Heims neu gestaltet werden. Ebenfalls teilnehmen werden die Integrierte Gesamtschulen Anna Seghers und Bretzenheim (bis Redaktionsschluss lagen noch keine Projektinformationen vor). Am 1. Oktober fällt der Startschuss für die Umsetzung aller Projekte, die bis 30. September 2014 laufen. Jugendhilfeplaner Cartus ist zuversichtlich: »Ich bin mir sicher, dass diese Aktionen nachhaltig wirken werden und Vorbildcharakter für andere Schulen, Kitas und Jugendzentren in unserer Stadt haben.«

Die Bertelsmann Stiftung stellt für die Durchführung des Projektes in Berlin, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt insgesamt rund 3 Millionen Euro und ein fünfköpfiges Projektteam zur Verfügung. Die Mittel werden insbesondere für die Entwicklung und Durchführung von Fortbildungsmaßnahmen, die wissenschaftlich begleitende Erarbeitung von pädagogischen Konzepten und Praxishilfen sowie die Evaluation des Projektes eingesetzt.

SoS