Heft 252 September 2011
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Strasse

Templerstraße

Erinnerungen an die Templer in Mainz


templerstrasse

In Mainz - so heißt es ja scherzhaft - kann man keine Baugrube ausheben, ohne auf die Römer zu stoßen. Aber nicht nur die Römer, auch viele andere Völker und Gruppen haben im Laufe der Jahrhunderte ihre Spuren in der Stadt hinterlassen. Darunter auch so geheimnisumwobene Vereinigungen wie die Templer. Um kaum einen christlichen Orden ranken sich so viele Legenden und Verschwörungstheorien wie um sie: sie sollen Hüter des Heiligen Grals sein, die Bundeslade entdeckt, die Alchemie beherrscht und unermessliche Reichtümer gehortet haben. Fest steht: existiert haben die Templer und zwar auch in Mainz. Gegründet wurde der Templerorden um 1118, nach dem ersten Kreuzzug. Im Grunde war er der erste geistliche Ritterorden, eine Art militärische Eliteeinheit. Genau das wurde den Templern knapp 200 Jahre später zum Verhängnis.

Der Orden wurde den Königen zu mächtig und zu reich. Unter Vorwänden wie Ketzerei und Sodomie wurden die Mitglieder allesamt verhaftet und angeklagt. Der Tod des letzten Großmeisters Jacques de Molay im Jahr 1314 markiert das endgültige Ende des Templerordens und damit den Beginn der Legendenbildung. Erst vor vier Jahren, 2007, gab der Vatikan die so genannte Templerakte frei. Nur wenige Jahre zuvor waren Historiker zu dem Ergebnis gekommen, dass die Vorwürfe gegen die Templer haltlos gewesen waren. Und was hat das alles mit Mainz zu tun? Während der 200 Jahre ihres Bestehens hatten die Templer ihre Niederlassungen über das gesamte Heilige Römische Reich verteilt, und zwar vor allem in den damaligen Machtzentren. Mainz war nicht nur Bischofsstadt, sondern liegt auch noch am Rhein, einer der Haupthandelsstraßen. Damit war die Domstadt für die Templer als Standort hochinteressant, da sie oft Bänker und Händler waren.

Und so erinnert noch heute einiges an das Wirken der Templer in Mainz. Es gibt die Templerstraße, die am Rhein mit dem Templertor abschließt. In der Holzstraße stehen noch die Reste des Templerhofes, dort befindet sich heute ein Logenhaus. Die Ignazkirche in der Kapuzinerstraße ist der Nachfolgebau der Templerkirche, die an derselben Stelle gestanden hat. Und schließlich sind in Mainz auch noch Teile der Templer-Komturei erhalten - schräg gegenüber der Kirche. Allerdings ist nur der vordere Teil öffentlich zugänglich. Dort befindet sich - wie sollte es in der Mainzer Altstadt anders sein - ein Weinlokal. Sein Name? Na klar: Templer.

Ilona Hartmann