Heft 252 September 2011
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Mogunzius

Mogunzius, Stadtschreiber DES MAINZERs


Dass auch in der Mainzer Kommunalpolitik ab und an eine Diskussion mit harten Bandagen geführt wird, ist beileibe nicht neu. Doch so martialisch wie jetzt einige Einzelhändler auf eine mögliche Ansiedlung der französischen Sportwarenkette Decathlon reagierten, hatte schon eine ganz neue Qualität. »Dies ist eine Kriegserklärung an den Sportfachhandel«, polterten einige Geschäftsleute, die selbst Sportartikel anbieten, los und torpedierten damit eigentlich noch vage Pläne, das Sportwarenhaus auf dem Gelände der ehemaligen Post westlich des Hauptbahnhofs unterzubringen. Mainz wie es wettert und wieder mal überzieht! Munter wird noch das Argument nachgeschoben, dies sei ein Akt, der die »Einkaufsstadt Mainz zerfleddere«. Dass allerdings das Areal oberhalb des Hauptbahnhofs noch zum Kern der Innenstadt gerechnet wird, dürfte selbst eingefleischtesten Kommunalpolitikern neu sein.

Man wird das Gefühl nicht los, dass viele Meinungsträger oder jene, die sich dazu berufen fühlen, jedwede Veränderung in der Stadt attackieren. Argwohn, Kritik und Verbesserungsvorschläge mögen in mancher Sache sinnvoll sein, weil sie am Ende vielleicht noch zu einer Optimierung eines Projekts führen können. Doch im Vorfeld schon volle Geschütze aufzufahren, kann sich rächen. Mainz hat schon einmal ein Projekt zerredet, bis der japanische Investor Matsushita genervt von der öffentlichen und vor allem negativen ­Begleitmusik die Segel strich.

Die Fakten und eine abgeklärte Sicht auf die Realitäten macht eines klar: Der Bereich oberhalb des Bahnhofs dümpelt dahin und könnte eine Aufwertung wie Belebung dringend gebrauchen. Zumal der Kunde nicht nur stets König ist, sondern am Ende auch über die Attraktivität solcher Warenhäuser entscheidet. Und wenn es eben gewisse Angebote in Mainz nicht gibt, die jetzt mit der Ansiedlung von Decathlon kompensiert werden könnten, dann ist dies in erster Linie eine Attraktivierung der Einkaufsstadt. Andernfalls entscheidet sich der Kunde, der derartige Sportwaren kaufen will, nach Dreieich oder Ludwigshafen zum Shoppen zu fahren, weil es genau dort die französische Warenkette schon gibt. Oder - dies ist eigentlich das Schreckgespenst des konventionellen Einzelhandels - der Verbraucher bestellt per Internet und man liefert ihm seine Ware direkt nach Hause.

Feder Es bleibt jetzt spannend, wie die Politik in dieser Frage entscheidet oder moderiert. Die Nahe-Stadt Bad Kreuznach hat es schon vorexerziert: Dort wird sich Deca­thlon im Herbst ansiedeln - ohne Seitenhiebe, die schon früh das Projekt in die Schublade »Nicht willkommen« schieben wollten.

In der Ludwigsstraße scheint die öffentliche Debatte etwas abgeklärter und rationeller zu verlaufen. Das neue Einkaufszentrum, mit dem ECE den architektonischen Nachkriegscharme an der »Lu« vergessen machen will, schreckt die Mainzer Einkaufshändler nicht. In einer neuen Studie bekannte sich die Hälfte aller Geschäftsinhaber zum neuen Großprojekt, weil sie der Meinung sind, dass davon entscheidende Impulse für die Einkaufsstadt ausgehen. Kommt mehr Laufkundschaft nach Mainz, fühlt sich mancher Einzelhändler womöglich angestachelt, seine Produktpalette moderner, kundenfreundlicher oder ansprechender zu präsentieren, was am Ende wieder ein Gewinn für den Verbraucher ist.

Und die Studie verblüfft noch mit einem anderen Ergebnis: Sogar potenzielle Wiesbadener Einkaufskunden finden die Nachbarstadt attraktiver. Genau dieses Image gilt es auszubauen. Denn eines haben die Initiatoren in ihrer Umfrage auch erfahren: Wiesbadens Einkaufscity holt auf und gewinnt zunehmend an Attraktivität. Mehr als nur einer Herausforderung für Mainz!

SoS