Heft 252 September 2011
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Mainzer Plätze

Schaukeln, Klettern, Matschen auf dem Lessingplatz

Kinderwünsche wurden wahr


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»Wasser marsch«: Unter schattigen Bäumen sorgen Pumpe und Sand für fröhliches »Matschen«.

Im Zentrum der Neustadt, zwischen Nackstraße und Leibnizstraße liegt der Lessingplatz. Wie unschwer zu erraten ist, wurde er (1905) nach dem deutschen Dichter Gotthold Ephraim Lessing (1729-1781) benannt. Ein persönliches Aufeinandertreffen zwischen dem Schriftsteller und Mainz hat allerdings nie stattgefunden. Während des ersten Weltkrieges waren hier französische Offiziersfamilien in Wohnungen untergebracht. Seit über einem halben Jahrhundert steht der Platz ganz im Zeichen der »Spielkultur«. Nachdem 2007 aus Sicherheitsgründen fast alle Spielgeräte des Kinderspielplatzes abgebaut werden mussten, rückte der Lessingplatz 2008 in den Blickpunkt des integrierten Entwicklungskonzepts »Soziale Stadt« für die Mainzer Neustadt. »Dem NeustadtRat, einem Gremium der ,Sozialen Stadt' lag es am Herzen, dass der Platz wieder nutzbar wird«, schildert Silke Maurer, Quartiermanagerin in der Neustadt.

Im Rahmen einer »Kinderpartizipation« wurden 25 Schüler der Goethe-Grundschule im November 2008 einen ganzen Tag lang nach ihren Vorstellungen und Wünschen für den neuen Spielplatz befragt. Sie besuchten gemeinsam den Platz und dort kristallisierte sich dann schnell heraus, dass die Themen Klettern, Wasser, Sand und Schaukeln den Kindern außerordentlich wichtig waren. In Gruppenarbeit wurden für diese Bereiche zusammen mit dem Kinderhaus »Blauer Elefant« und dem Land­schaftsarchitekturbüro Schelhorn Modelle gebaut und präsentiert. »Viele Kinder waren richtig stolz, als die Pläne im April 2009 auf dem Lessingplatz vorgestellt wurden und ihre Modelle zum Teil übernommen wurden«, erinnert sich Silke Maurer.

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Ein Buch lesen oder dem fröhlichen Kindertreiben zuschauen: Barbara Sommer kommt gerne auf den Lessingplatz.

Nicht nur beim »Bunthaus« - ein Klettergerüst mit bunten Deko- und Sitzkugeln, Kletterwand, Aufstiegsnetz, Rampe sowie einer abenteuerlichen Freifallrutsche mit einer etwas ungewöhnlichen Form - wurde die gebastelte Vorlage der Kinder liebevoll umgesetzt. Auch der »Steg« ist anhand der kreativen Ideen der älteren Kinder entstanden. Diese können entweder auf der Bühne tanzen und »braken« oder auf dem Laufsteg für »Germanys next Topmodel« 2020 üben. Der Holzsteg ist zu einem Treffpunkt für Jugendliche avanciert, der an heißen Spätsommertagen zum Chillen einlädt.

»Wir müssen beim Sandspielplatz und bei der Schaukel auch an die ganz Kleinen denken« lautete eine Anmerkung der Grundschulkinder - die imponierte der Quartiermanagerin besonders. Und tatsächlich findet man neben der Reifen- und der Normalsitzschaukel auch eine Kleinkindschaukel. Der absolute Renner, die sogenannte Vogelnestschaukel, stand bei allen Kindern ganz hoch im Kurs.

Ein anderer, unumstrittener Anziehungspunkt des Lessingspielplatzes ist der Sandspielbereich, der mit seiner Wasserpumpe auf dem Holzpodest, den drei Wasserrinnen aus Robinienholz, der archimedischen Spirale und den »Matschplatten« zum Einsudeln einlädt und im Sommer eine erfrischende Abkühlung für die Kinder darstellt. Das Wasser wurde an der offiziellen Wiedereröffnung des Lessingplatzes am 21. Mai 2010 erstmals angestellt und läuft durchgängig über die Sommermonate bis in den Herbst hinein, je nach den aktuellen Witterungsverhältnissen. »Der Platz wird seitdem auch gut angenommen«, weiß Silke Maurer.

Müll? »Dreck von gestern«!

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Der »Lauf«-Steg: Übungsplatz für »Germanys next Topmodel«?

Melanie Kölsch ist der Platz zusammen mit ihrem zweijährigen Sohn Martin vor ein paar Wochen zufällig aufgefallen. »Seid wir entdeckt haben, dass es hier eine Pumpe gibt, sind wir in letzter Zeit öfter hier«, schmunzelt die junge Mutter. Martin und die anderen Kinder sind fasziniert von dem Wasser, pumpen und drehen mit vollem Eifer und Körpereinsatz.

»Der Platz ist gerade im Hochsommer, wenn es heiß ist, perfekt wegen den vielen schattigen Bäumen«, schwärmt eine zweite Mama. Das fröhliche Kinderlachen und die strahlenden Augen locken auch Barbara Sommer regelmäßig auf den Lessingplatz. »Meistens bin ich vorne am Brunnen und schaue den Kindern zu. Das mit dem Wasser ist hier schön gemacht, Kinder müssen einfach dreckig sein«, stellt die Rentnerin fest, die heute auf einer Bank sitzt und ein Buch liest. Die Bänke mit Tischen standen ebenfalls auf der Wunschliste der Kinder. Der Platz ist demnach für Jung und Alt geeignet, ein »Mehrgenerationenplatz«, wenn man so will.

Das »Müllproblem« der vergangenen Wochen ist dank des Einsat­zes von Müllsheriffs und der Fahrradständer, die am Trafohäuschen aufgestellt wurden »Dreck von gestern«. »Viele Menschen dachten, dass sie den Müll dorthin stellen sollen. Nachdem wir diesen Irrtum klären konnten, wurde schnell gehandelt«, berichtet Silke Maurer.

Demnächst steht der Umbau der Lessingstraße im dritten Bauabschnitt bevor. »Um dem kleinen Zentrum der Neustadt gerecht zu werden, soll der Platz an der Spitze hin zur Leibnizstraße offener werden. Die alte Kletterschlange und der Zaun sollen weg. Genaueres muss aber erst noch bei einer Bürgerbeteiligung abgesprochen werden«, wagt die Quartiermanagerin einen Ausblick in die bevorstehenden Projekte.

Um die Zukunft des Lessingplatzes muss man sich also keine Sorgen machen. Wahrscheinlich liegt das auch daran, dass mit den 25 Grundschulkindern wahre »Spielprofis« am Werk waren.

Stefanie Gundel