Heft 252 September 2011
Werbung




Kreislaufwirtschaft

Regale wochenweise mieten...

... und täglich geht's zum Trödelmarkt


yyy
Gebrauchtes, gut erhalten gibt es in Flohmarkt­läden wie im »City Floh« in der Wallaustraße.

Von außen sehen sie aus wie Second-Hand-Läden. Gebrauchte Kleider, Elektro- und Küchengeräte, Bücher, CDs und Nippes liegen in den Regalen. Der Unterschied bei Flohmarktläden ist das Verkaufskonzept. Hier mieten die Verkäufer wochenweise Regale, so wie sie beim Trödelmarkt im Freien Standmiete zahlen würden.

»In Finnland ist das hier der normale Flohmarkt«, sagt Tuomo Mesimäki. Der Finne, der vor zwei Jahren nach Deutschland gezogen ist, eröffnete vor einem Dreivierteljahr »City Floh« in der Wallaustraße. »In Flohmarktläden zu gehen, ist in Finnland ein sehr verbreitetes Hobby.« Auch er sei schon immer ein großer Flohmarkt-Fan gewesen. Nachdem er in der Krise seinen festen Job bei einer Messebaufirma verloren hatte, machte er sein Hobby zum Beruf.

Heinz-Peter Riedel kramt sich durch Kisten mit Fastnachtsorden. Tuomo Mesimäki sieht fasziniert zu, wie Riedel zielsicher bestimmte Orden herauspickt. »Ehrlich gesagt weiß ich nicht mal genau, was diese Dinger eigentlich sind «, grinst Mesimäki. »Aber viele Leute wollen sie haben.« Am Ende hat sich Riedel rund 30 Orden ausgesucht. Pro Stück kosten sie zwischen einem und fünf Euro. »Fette Beute«, sagt er lächelnd. Dann kauft er noch für acht Euro einen CD-Player für die Majoretten der Ranzengarde.

Elektrogeräte wie Stereoanlangen, Computerbildschirme oder Fernseher seien gefragt und immer im Angebot, sagt Mesimäki. Ein ordentliches Geschäft sei auch mit Fahrrädern zu machen. Spezialisiert hat er sich aber auf Musikinstrumente. Einen kompletten Raum hat er reserviert für Gitarren, Trommeln, Ziehharmonikas. Viele seiner Kunden kämen regelmäßig: »Eine Frau kommt manchmal mehrmals am Tag, und immer nimmt sie etwas mit.«

Ein gutes Geschäft

yyy
Stöbern und Schauen gehört im Flohmarktladen dazu. Viele kommen aber auch, weil sie aufs Geld schauen müssen.

Im Schaufenster von »Power Floh« in der Hinteren Bleiche liegen Schmuck, Handys und MP3-Player aus, davor stehen zwei Profifahrräder. »Fahrräder sind schnell weg, Gitarren auch«, sagt der Inhaber Sabri Hafnaoui. Aus dem Elektro-Regal seien vor allem Videorekorder gefragt, und auch die dazu gehörigen Filme. Auch ältere Spielekonsolen wie die Playstation 2 mit Spielen würden gekauft. Dinge eben, die man nicht mehr neu kaufen kann.

»Mit klassischer Flohmarktware macht man hier ein gutes Geschäft.«, sagt eine Kundin, die ein Regal gemietet hat und gerade nachsieht, was schon verkauft wurde. »80 Prozent der Käufer hier sind Frauen, und die meisten schauen aufs Geld«, sagt Hafnaoui. Moderne Damenkleidung, vor allem in großen Größen, sei schnell verkauft. Allerdings nicht zu hohen Preisen: »Nichts verliert so schnell und so viel an Wert wie Kleidung.« Kinderkleidung sei bei ihm meist ein Ladenhüter. Dasselbe gelte für alte Bücher.

Kuriositäten wie die antike Pfaff-Nähmaschine seien auch nicht besonders gefragt - aber ein Blickfang. Grundsätzlich rede er aber keinem Verkäufer etwas aus, sagt Hafnaoui: »Die Sachen, bei denen ich gesagt habe, die will keiner mehr, hat dann doch immer jemand gekauft.« Meist sei der niedrige Preis entscheidend.

Häufige Kunden seien Antiquitätenhändler. »Die versuchen immer zu handeln, dabei machen die Verkäufer die Preise fest«, sagt Hafnaoui. Auch Sammler von Münzen, Briefmarken oder Militaria kämen oft und regelmäßig.

»McShelf« kam im Juni 2009 nach Mainz und ist damit der älteste Flohmarktladen in Mainz. Weitere Filialen gibt es in Ingelheim, Nierstein und Kirchheimbolanden. Inhaber Guido Horak ist besonders stolz auf sein eigens für McShelf programmiertes Computersystem, mit dem er die Ware verwaltet. »Die Verkäufer können damit ihre Waren online eingeben und beobachten, was verkauft wurde«, erklärt Horak. Die Datenbank hat aber auch ausgebuffte Schutzfunktionen.

Wenn zum Beispiel jemand häufig neuwertige Handys anbietet, schlägt das System Alarm: Es könnte sich um Hehlerware handeln oder um einen kommerziellen Händler, der sich um die Mehrwertsteuer drücken will. Auch verbotene Ware filtert der Computer heraus: Wie auf allen Flohmärkten dürfen die Verkäufer keine Waffen, Pornos oder rechtsradikale und andere extremistische Schriften anbieten.

Die Datenbank liefert auch blitzschnell Statistiken zu verkaufter Ware. Bei McShelf werden demnach am meisten Bücher verkauft, gefolgt von Haushaltswaren und Kleidung. Kinderkleidung sei bei ihm auch sehr gefragt, sagt Horak.

Die Kundschaft ist bei jedem Flohmarktladen verschieden - das entscheidet die Lage. So kann jeder Käufer und Verkäufer den richtigen Platz für sich finden.

Alice Gundlach