Heft 252 September 2011
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Energie und Umwelt

»Ökoprofit« oder »Mainz wird klimafit«?

Zwei Programme - ein Ziel?


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Ingrid Burger (links) von »Mainz wird klimafit« und Dr. Sabine Gresch von ÖKOPROFIT bieten zwei Umweltinitiativen mit unterschiedlicher Grundkonzepten an.

Klimaschutzkonzepte, Öko- und Energiesparprojekte, Förderprogramme - wer die Wahl hat, kennt die Qual. Viele Angebote mit unterschiedlichen Namen, die Haus, Wohnung oder Firma zu umweltgerechten Gebäuden verändern sollen und finanzielle Unterstützung offerieren, sorgen für Verwirrung. Nicht immer ist klar erkennbar, worin sich die Programme unterscheiden. Dies gilt auch für zwei Umweltinitiativen der Landeshauptstadt: »Mainz wird klimafit« und das ÖKOlogischen Projekt Für Integrierte UmweltTechnik (ÖKOPROFIT). Was verbirgt sich dahinter und welche Zielgruppen sprechen sie an? DER MAINZER hat die beiden unter die Lupe genommen und bei den zuständigen Ämtern nachgehakt.

Gemein haben die beiden Projekte, dass sie von der kommunalen Verwaltung initiiert wurden, vom Umweltamt federführend betreut werden und die Kooperationspartner Industrie- und Handelskammer Rheinhessen (IHK) sowie die Handwerkskammer für Rheinhessen (HWK) dieselben sind.

Die Unterschiede sind indes größer: ÖKOPROFIT läuft im Rahmen der Lokalen Agenda 21, einem Bundesumwelt- und Entwicklungsprogramm für das 21. Jahrhundert, das von den Kommunen in Eigenregie umgesetzt wird. Es richtet sich ausschließlich an Firmen und zeigt ihnen, wie sich in praxisnahen Maßnahmen Energie, Wasser und Abfälle sowie Abgase reduzieren lassen und zugleich Betriebsabläufe rationeller und kostensparend gestaltet werden. Terminiert auf ein Jahr werden sie systematisch zum Aufbau einer Umweltvorsorge angeleitet - Bestandsanalyse, Workshops und individuelle Begleitung von Fachberatern inklusive. Die Stadt und die teilnehmenden Betriebe finanzieren das Projekt. »Bei ÖKOPROFIT wird das gesamte Unternehmen umfassend analysiert und es muss sogar für ein Umweltteam Personal freistellen«, sagt die Verantwortliche beim Amt für Stadtentwicklung Dr. Sabine Gresch, »Über zehn Jahre schon besteht das sehr breitgefächerte Umweltberatungsprogramm.« Es sei deshalb auch keine Konkurrenz zu der speziell auf den Energieverbrauch ausgerichteten Initiative »Mainz wird klimafit«. Die gibt es offiziell erst seit 2010, dabei ist sie im Grunde eine »Neuauflage«. Denn bereits Anfang der 90er Jahre hat die Stadt ein Klimaschutzziel formuliert und entsprechende Konzepte erstellt. »Mainz wird klimafit« ist ein Instrument, um die deklarierte Vorgabe zu erreichen.

»Mit dem Namen und dieser Plattform haben wir endlich alle Informationen gebündelt, die man sich vorher von unterschiedlichen Stellen zusammensuchen musste«, erklärt Projektleiterin Ingrid Burger vom Umweltamt. »Im Internet finden Bürger und Unternehmen alle Beratungshinweise und -hilfen zur Einsparung von Energie und zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes samt Ansprechpartner der lediglich zwei zuständigen Stellen.« An diese richten die Zielgruppen ihre konkreten Fragen. Private Immobilienbesitzer oder -eigentümer können entweder das Umweltamt kontaktieren oder im UmweltInformationsZentrum (ui) zu ihren Anliegen ein kostenloses Erstgespräch mit Experten führen. Die Listen mit unabhängigen Energieberatern händigen beide aus. Einen Zuschuss für eine Vor-Ort-Beratung erhält jeder auf Antrag von der »Mainzer Stiftung für Klimaschutz und Energieeffizienz«. »Sie überprüft zur Qualitätssicherung auch alle Beraterberichte. Mit diesem Service und der Unterstützung möchten wir einen Anreiz schaffen, ein Haus untersuchen zu lassen«, sagt Burger.

Firmen hingegen, die die Auszeichnung zum Mainzer klimafit-Betrieb erhalten wollen, ist ein bestimmter Verfahrensweg vorgegeben. Sie nehmen zuerst Kontakt mir dem Umweltamt auf, das sie mit auf ihre Branche qualifizierte Energieeffizienzberater zusammenbringt und bei allen weiteren Schritten begleitet. Danach folgt bei einer Gebäudebegehung eine Initialberatung, die Einsparpotenziale ermittelt und erste Umsetzungsschritte aufzeigt. Sie muss innerhalb von zwei Monaten abgeschlossen sein und kann aus einem Sonderfonds der KfW-Bank des Bundes bis zu 80 Prozent bezuschusst werden, die Detailberatung bis zu 60 Prozent. Dieser dritte Schritt, bei dem konkrete Handlungsempfehlungen besprochen werden, ist allerdings keine Bedingung für die Auszeichnung. Die erstellten Berichte begutachtet die Mainzer Stiftung für Klimaschutz und Energieeffizienz ebenfalls. Bei der Umsetzung der Maßnahmen schließlich unterstützt die KfW Mittelstandsbank mit günstigen Zinssätzen. Der Zeitraum, in dem der gesamte Prozess abgeschlossen sein sollte, ist für Betriebe nicht festgelegt.

Fazit: ÖKOPROFIT und »Mainz wird klimafit« bieten bei näherem Hinsehen interessante und vielseitige Unterstützung für Bürger und Betriebe, die für den Umweltschutz aktiv sein wollen. Mehr Initiativen dieser Art sind wünschenswert, aber bitte mit eingängigen Erklärungen.

KH

Infos: ÖKOPROFIT: www.mainz.de, Dr. Sabine Gresch, agenda21@stadt.mainz.de, Tel: 06131/12 37 30 Mainz wird klimafit: www.mainz.de/klimafit: Für Bürgerinnen und Bürger: UmweltInformationsZentrum, umweltinformation@stadt.mainz.de, Telefon: 06131/ 12 21 21 (und auch Umweltamt s. u.); Für Unternehmen: Umweltamt, Ingrid Burger, ingrid.burger@stadt.mainz.de, Tel: 06131/ 12 22 14,