Heft 251 August 2011
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Leidenschaft für Pferde - aber:

»Das Leben ist kein Ponyhof«


Arnold
Christiane Arnold sorgte dafür, dass die Disziplin Springreiten auf dem Stefanshof Einzug hielt.

Wie viel Wahrheitsgehalt liegt eigentlich in dieser Strombergschen Lebensweisheit? DER MAINZER ist dieser Frage auf den Grund gegangen und hat sich hierfür auf dem beschaulich anmutenden Stefanshof in Bretzenheim näher umgesehen.

Seit 1969 dreht sich auf dem vier Hektar großen Reiterhof der Familie Arnold fast alles um das Thema »Pferde«. Die Eheleute Stefan und Christiane gehen zwar beide auch noch ihren Hauptberufen nach: Er Landwirt und Winzer, sie Heilpraktikerin; die gemeinsame Leidenschaft zu den Pferden teilt jedoch das vielbeschäftigte Paar.

Die Disziplin Springreiten, bei dem Pferd und Reiter einen Hindernisparcours in einer festgelegten Reihenfolge überwinden müssen, hat auf dem Stefanshof mit Christiane Arnold Einzug erhalten. 2005 fand das erste Springturnier statt und ist seitdem ein fester Bestandteil der jährlichen Events. Vom 26. bis 28. August können sich dieses Jahr wieder Reiter jeden Alters während des Springreitturniers messen. »Unser ältester Teilnehmer am Sonntag beim Seniorencup ist 73 Jahre alt und immer noch sehr erfolgreich«, schwärmt Frau Arnold. Besonders am Herzen liegt ihr aber auch das Springen für die ganz Kleinen, in dem ganz bewusst in der Art des »Stilspringens« angetreten wird, was nur selten auf größeren Turnieren angeboten wird. »Hier wird in erster Linie auf den Reitstil geachtet, sodass nicht der Schnellste gewinnt«, berichtet die 43-Jährige, die über einen Trainerschein als Reitlehrerin verfügt. Während es beim »Zeitspringen« Strafpunkte für jede Sekunde Zeitüberschreitung gibt und die Vierbeiner dies oftmals nur eine Saison durchhalten, ist das Stilspringen deutlich schonender für die Tiere.


»Urvertrauen« schulen


Gesprungen wird am letzten Augustwochenende von der Für-Zügel-Klasse (für 3- bis 6-Jährige) bis zur Klasse S**, nationales Topniveau und mit der 2. Bundesliga im Fußball vergleichbar. Jede Stufe hat ihren Schwierigkeitsgrad und eigene Hindernisse, wie Hochweitsprünge, Steilsprünge oder Geländehindernisse und Kombinationen. In der höchsten Kategorie S**** sind die Barrieren bis zu 1,60 Meter hoch. »Für das Pferd ist es keine Qual, sondern natürlich schön«, meint Christiane Arnold. Voraussetzung ist aber, dass es sich um ein aus einem Zuchtgebiet abstammenden deutschen Reitpferd handelt. Der Ausbildungsbeginn liegt bei talentierten Pferden im Schnitt bei dreieinhalb Jahren. Die Hochform erreichen Reitpferde zwischen dem zehnten und 17. Lebensjahr. Auch die Kinder sollten schon früh, idealerweise aber dem 6 Lebensjahr, mit dem Reiten anfangen. Je eher die Kids auf dem Pferd sitzen, desto leichter lernen sie den Umgang mit den Tieren und entwickeln ein Gefühl für das Reiten. Die Kinder verbessern auf spielerische Weise ihre Motorik. Die intensive Beziehung zu den Pferden, die auf und neben dem Reitplatz gehegt und gepflegt wird, »schult das Urvertrauen der Kinder und sie erfahren eine tiefe bedingungslose Liebe«, komplettiert die gelernte Kinder- und Jugendtherapeutin die Vorteile des Reitsports.

Arnold
Stefan Arnold vom Bretzenheimer Stefanshof


Pferdevirus


Um in einen Verein aufgenommen zu werden, ist ein eigenes Pferd normalerweise Voraussetzung. Für Unterhalt, Tierarzt und Reitstunden sind in der Regel 1000 ? im Monat aufzuwenden. Damit das Springreiten auf dem Stefanshof aber nicht nur der Mainzer Elite vorbehalten ist, gibt es die Möglichkeit, sich zu dritt ein Pferd zu teilen. »Den Eltern ist es somit möglich, im Rahmen des Kindergeldes, den Jugendlichen das Reiten zu finanzieren«, meint Frau Arnold. Dank vieler ehrenamtlicher Helfer und Sponsoren können die zwölf Pferde auf dem Hof im Moment von ca. 30 Personen drei- bis viermal die Woche »gearbeitet werden«. Dazu gehört neben dem Springen insbesondere die Arbeit an der Longe, Vorwärts-Abwärts-Dehnungen und Muskelaufbautraining für Tier und Mensch.

»Natürlich ist die Mädchenquote mit ca. 70 Prozent bei uns höher als die Jungenquote. Bei den Profis sieht das aber genau umgekehrt aus. Das liegt daran, dass die Mädchen nicht so ausdauernd sind und das Reiten oft durch einen Freund oder eigene Kinder später aufgeben. Wenn hingegen ein Mann einmal mit dem Pferdevirus infiziert ist, hat er es ein Leben lang«, stellt die Pferdeliebhaberin fest.

Als Reiter sollte man in den Augen von Christiane Arnold auf jeden Fall Taktgefühl, einen langen Atem und Verantwortungsbewusstsein mitbringen, dazu gehört auch, seinen Alltag genau zu planen und den Urlaub abzustimmen. Ein Pferd kennt keinen Feiertag und kann auch nicht wie ein Sportgerät in der Garage geparkt werden, wenn man keine Lust oder Zeit hat.

Infos: www.stefanshof-mainz.de

Stefanie Gundel