Heft 251 August 2011
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SPAM-Attacke

SPAM-Attacke

Virtueller Überfall


SPAM

Sicherlich kennen Sie SPAM-Mails - diese nervigen Mitteilungen, zweideutigen Angebote oder plumpen Fälschung. Man bietet Ihnen gegen eine geringe Gebühr die Mittäterschaft bei einem Millionentransfer an, will Potenzstärkungsmittel und Doktortitel zu Sonderpreisen verhökern oder Sie dazu verleiten, auf einer gefälschten Webseite Kontoangaben, TANs und Passwörter preiszugeben.

Ich besitze einen harten SPAM-Filter, einen Rechner dessen Virenschutz täglich mehrfach aktualisiert wird und bis vor wenigen Tagen auch das trügerische Gefühl, dass mir diesbezüglich nichts passieren könnte. Seit 1. Februar denke ich anders: Gegen 19 Uhr verbreitete sich eine SPAM über die Mailsysteme, in der "ich" mit weinerliche Stimme und in schlechtem Englisch alle Freunde und Bekannte bat, mir Geld zu schicken - meine Familie und ich seien in London ausgeraubt worden. Perfide und neu an dieser Mail war, dass die Gangster - die wir in Nigeria (wo auch sonst?) lokalisieren konnten - bei AOL unter meinem Namen einen Mailaccount eröffnet hatten, der sich von meinem Presseaccount nur durch ein unscheinbares zweites "i" unterschied. Noch schwerwiegender: Es wurden gezielt Leute angesprochen, deren Mailadresse in meinem (sicher geglaubten) Outlook gespeichert war: Familie, Freunde, Kollegen, und Geschäftspartner - darunter auch viele Kunden des MAINZERS, mit denen ich in den letzten Jahren einmal Kontakt gehabt hatte.


Sicherheitsproblem Facebook?


Als Quelle des Übels entpuppte sich offensichtlich das soziale Netzwerk Facebook. Auf der Suche nach "Freunden" gab ich ihm die Erlaubnis, die bei mir gespeicherten Mailadressen mit den Adressen bereits angemeldeter Facebook-Mitglieder zu vergleichen. Ein fataler Fehler - denn genau hier steckte die Sicherheitslücke über die die Hacker der "Nigerian Connection" - wie die Hintermänner solcher Abzockmails im Fachjargon wegen ihres Wohn- bzw. Arbeitssitzes genannt werden - mit genügend krimineller Energie zuschlugen. Der Schaden hielt sich in Grenzen - viele SPAM-Filter sortierten die Mail aus, andere Empfänger amüsierten sich über meine "London-Abenteuer" und schickten lustige Mails. Einige zeigten sich aber auch besorgt - von alten Freunden über den Ortsvorsteher bis zum Mainzer Finanzamt. Man rief an, ob es mir wirklich gut ginge - bzw. machte mich auf die kursierende SPAM aufmerksam. Vielen Dank dafür! Und einen Lernerfolg konnte ich auch verbuchen: An meinen Rechner kommt keine soziale Spürnase mehr ran - auch wenn ich dadurch zukünftig ein paar Freunde in den sozialen Netzwerken übersehe.

(-mdl-)